Immer mehr Betriebe erhalten keine Bewerbungen

01.06.2018

Nr. 09/2018

Immer mehr Betriebe erhalten keine Bewerbungen

Viele Ausbildungsplätze blieben unbesetzt

Laut IHK Ausbildungsumfrage konnten in 38 Prozent der Unternehmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Das sind rund fünf Prozent mehr als im niedersächsischen Durchschnitt. An der aktuellen Ausbildungsumfrage haben niedersachsenweit 900 Unternehmen teilgenommen. Davon rund 80 aus dem Kammerbezirk Braunschweig.

„Auf Ebene der Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung könnte es in den kommenden Jahren weiterhin zu Engpässen kommen. Zur Schließung dieser möglichen Lücke sind kontinuierliche Ausbildungsanstrengungen nötig“, so Jan Hauberg, Leiter der Abteilung für Berufsausbildung und Berufliche Weiterbildung in der IHK Braunschweig.

81 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass keine geeigneten Bewerbungen vorgelegen haben, in 38 Prozent der Fälle wurden die Ausbildungsplätze nicht angetreten und bei 29 Prozent wurden die Ausbildungsverträge vorzeitig durch die Auszubildenden gelöst. „Ein möglicher Grund ist der Zusammenprall von Wunsch und Wirklichkeit bei den Berufsvorstellungen der jungen Menschen“, so Hauberg. Denn laut Unternehmen aus dem Kammerbezirk Braunschweig haben 85 Prozent der Jugendlichen tatsächlich unklare Berufsvorstellungen. Die Unternehmen reagieren darauf, indem sie verstärkt auf das Angebot von Praktikumsplätzen setzen. Dem Azubimangel entgegensteuern wollen 45 Prozent der Ausbildungsunternehmen auch durch die Erschließung neuer Bewerbergruppen, wie zum Beispiel Studienabbrecher. Ein Viertel der Unternehmen ist bereit, geflüchtete Menschen einzustellen.

Finanzielle Anreize sind ein weiterer Aspekt, mit dem die Unternehmen auf den Bewerbermangel reagieren. Gut die Hälfte der Unternehmen unterstützt Mobilitätsbeihilfen ihrer Auszubildenden und finanziert ihnen bspw. Monatsfahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel. Über 40 Prozent der Befragten würde sogar eine übertarifliche Ausbildungsvergütung bezahlen.
Parallel zum Fehlen an geeigneten Bewerbern, stellen Unternehmen Mängel in der Ausbildungsreife fest. 64 Prozent beklagen niedrige Leistungsbereitschaft und Motivation bei den Jugendlichen. Nicht vorhandene elementare Rechenfertigkeiten sind ebenfalls ein häufig genannter Nachteil.
Ein Drittel der Betriebe versucht dem entgegenzuwirken, indem Angebote der Agenturen für Arbeit, wie zum Beispiel Ausbildungsbegleitende Hilfen oder aber auch firmeneigene Nachhilfen in Anspruch genommen werden.

Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich, dass die Betriebe das Thema Industrie 4.0 durchaus im Blick haben. 82 Prozent der befragten Unternehmen geht davon aus, dass die Bedeutung von IT-Kompetenzen steigen wird. 42 Prozent der Unternehmen würden der Berufsschule die Note „befriedigend“ geben, was die Digitalisierung angeht. Bei der technischen Ausstattung der Schulen sinkt die Zufriedenheit. Hier sieht Hauberg auch die Politik in der Pflicht: „Den Berufsschulen muss neben notwendigen Personal auch die benötigte Technik zur Verfügung gestellt werden“. Mehr als die Hälfte der Unternehmen lassen ihre Auszubildenden an Azubiprojekten teilnehmen und verschaffen ihnen somit benötigte Zusatzqualifikationen.

„Die IHK Braunschweig unterstützt jeden Betrieb, der sein Ausbildungsengagement erhöhen will und somit gegen einen Fachkräfteengpass steuern möchte“, so Hauberg abschließend. Instrumente hierfür sind bspw. die beiden IHK-Ausbildungsplatzbörsen „Ab in die Ausbildung“ und „Mein Start in die Ausbildung“, an der die Unternehmen kostenfrei teilnehmen können.

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