IHK-Konjunkturumfrage zweites Quartal 2018

Nr. 10/2018

IHK-Konjunkturumfrage zweites Quartal 2018

Regionale Wirtschaft weiter unter Dampf

Die wirtschaftliche Lage bleibt im Braunschweiger Wirtschaftsraum auch im Sommer insgesamt sehr erfreulich. Als Konjunkturlokomotive fungiert derzeit die überraschend starke Industrie. Die Kapazitäten der Unternehmen sind zu großen Teilen ausgelastet und die Auftragsbücher gut gefüllt. Auch die Beschäftigungspläne der regionalen Wirtschaft bleiben expansiv. All dies belegen die jüngsten Umfrageergebnisse der IHK Braunschweig zum Konjunkturverlauf im zweiten Quartal 2018. Der von der IHK ermittelte Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, stieg im Vergleich zum Frühjahr nochmals um 2 Punkte an und kletterte auf einen Wert von 128. Damit erreichte er den höchsten Stand seit sieben Jahren. Hierzu kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernd Meier: „Momentan gelingt es der heimischen Wirtschaft in beeindruckender Weise, zahlreichen Unwägbarkeiten wie etwa dem eskalierenden Handelsstreit zu trotzen. Die gute Konjunktur ist aber kein Selbstläufer. Es bleibt abzuwarten, ob die Unternehmen diese Belastungen auch künftig so locker wegstecken können.“

Lagebeurteilungen erneut top

Der ansehnliche Stand des IHK-Konjunkturklimaindikators wird vor allem durch die anhaltend positiven Rückmeldungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen Geschäftstätigkeit getragen. So beurteilt mit 54 Prozent mehr als die Hälfte der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 38 Prozent sehen sie als befriedigend an. Lediglich 8 Prozent bewerten ihre momentane Situation als schlecht. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen beträgt somit unter allen befragten Unternehmen +46. Damit liegt er weiterhin auf dem Niveau des Rekordwertes vom Jahresende 2017 (+47), das in den vergangenen zwanzig Jahren – weiter reichen die Aufzeichnungen nicht zurück – noch nie erreicht werden konnte. Derzeit laufen die Geschäfte am besten in der Industrie (Saldo: +68). Auch die Dienstleister (+37) zeigen sich gut gelaunt, haben im Vergleich zu vorangegangenen Umfragen aber etwas an Schwung verloren. Mit einem gewissen Abstand folgen der Einzelhandel (+19), das Kreditgewerbe (+13) und schließlich der Großhandel (+5). Wie schon im Vorquartal dominieren demnach in allen betrachteten Branchen die positiven Lageeinschätzungen – eine Konstellation, die zuvor mehr als sechs Jahre nicht eingetreten war.

Geschäftsprognosen trotzen Risiken

Für die kommenden Monate rechnet die Mehrheit der heimischen Unternehmen auch weiterhin mit guten Geschäften. So erwarten 23 Prozent der Betriebe eine günstigere Geschäftsentwicklung. Mit 66 Prozent rechnen zwei Drittel mit einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf. Nur 11 Prozent gehen von einer abflauenden Geschäftsdynamik aus. Im Vergleich zu den vorangegangenen Umfragen haben sich die Erwartungen damit nochmals verbessert. Allerdings fallen sie nach wie vor merklich zurückhaltender aus als die Beurtei-lungen der aktuellen Geschäftslage. Auch wenn die Zuversicht überwiegt, sehen die befragten Unternehmen durchaus zahlreiche und erhebliche Risikofaktoren. Insbesondere die exportorientierte Industrie ist besorgt über den wachsenden Protektionismus und die sich ausweitenden Handelskonflikte. In diesem Zusammenhang warnt Dr. Bernd Meier: „Die Verlässlichkeit der internationalen Handelspolitik steht immer mehr in Frage. Obwohl dies bisher noch nicht wesentlich auf das laufende Geschäft durchgeschlagen hat, wäre ein ausufernder Handelskrieg Gift für die Konjunktur“. Als weitere Unsicherheitsfaktoren für die künftige Geschäftsentwicklung nennen die befragten Unternehmen etwa die politischen Disharmonien innerhalb der Bundesregierung oder innerhalb Europas, die Möglichkeit eines chaotischen Brexit und auch nach wie vor die „Dieselgate“-Affäre.

Günstige Finanzierungsbedingungen erleichtern Investitionen

Mit der sich stetig verbessernden Konjunkturlage war die Investitionsbereitschaft der regionalen Wirtschaft zuletzt bis zu einem Rekordwert im Frühjahr außerordentlich stark angestiegen. Zum Sommer ist sie zwar wieder ein Stück zurückgegangen, bewegt sich nach der eingetretenen Normalisierung aber immer noch auf hohem Niveau. So beabsichtigen gegenwärtig 37 Prozent der befragten Unternehmen, ihre Investitionspläne in der nächsten Zeit auszuweiten. Die Hälfte möchte ihr Investitionsbudget unverändert belassen. Nur 13 Prozent der Betriebe planen eine entsprechende Kürzung. Neben Ersatzbeschaffung und Rationalisierung sind dabei Kapazitätserweiterungen und Produktinnovationen wichtige Investitionsmotive. Nach wie vor wirken sich das günstige konjunkturelle Umfeld und vor allem das niedrige Zinsniveau positiv auf das Investitionsklima aus.

Höchste Einstellungsbereitschaft seit acht Jahren

Noch ein Stück offensiver als zuletzt gehen die heimischen Unternehmen ihre Beschäfti-gungsplanungen an. Jeder fünfte befragte Betrieb beabsichtigt, seine Personalkapazitäten innerhalb Jahresfrist auszubauen. 13 Prozent der Unternehmen erwarten dagegen eine Reduzierung ihres Mitarbeiterstamms. Zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit unverän-derten Mitarbeiterzahlen. Auf welch stattlichem Niveau sich die Personalplanungen mit diesen Relationen bewegen, zeigt der langfristige Vergleich. Danach war die Einstellungsbereitschaft der regionalen Wirtschaft seit acht Jahren nicht mehr so ausgeprägt wie zur Zeit. Allerdings kann längst nicht jedes einstellungswillige Unternehmen seinen Arbeitskräftebedarf auf dem regionalen Arbeitsmarkt decken. Infolgedessen sieht mit 56 Prozent mehr als die Hälfte der Betriebe den Fachkräftemangel als erhebliches Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung an. Dr. Bernd Meier hierzu: „Aufgrund des Mangels an qualifiziertem Personal bleiben schon jetzt viele Marktchancen ungenutzt. Zur Ausweitung des Fachkräfteangebots im Braunschweiger Wirtschaftsraum müssen alle Möglichkeiten genutzt werden. Hierzu zählen Maßnahmen wie verstärkte Aus- und Weiterbildung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen oder Älteren und nicht zuletzt auch qualifizierte Zuwanderung.“

Industrie führt den Konjunkturzug an

Die sommerliche Hochkonjunktur wird im Braunschweiger Wirtschaftsraum ganz wesentlich durch die Industrieunternehmen getragen. Derzeit zeigen sich die meisten produzierenden Betriebe in guter oder gar bester Laune. Der Konjunkturklimaindikator für den Wirtschafts-zweig legte nochmals um 8 Punkte auf einen Wert von 141 zu. Ursächlich hierfür sind zum einen die erneut verbesserten Rückmeldungen der Industriebetriebe zu ihrer aktuellen geschäftlichen Lage und zum anderen die ebenfalls günstiger eingeschätzten Geschäftsaus-sichten. So bezeichnen mit 73 Prozent derzeit fast drei Viertel der Industrieunternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut. Ein gutes Fünftel schätzt die Situation zumindest als zufriedenstellend ein. Nur jeder zwanzigste Industriebetrieb klagt über schlechte Geschäfte. Solch günstige Relationen konnten für die regionale Industrie in den letzten zwei Jahrzehnten noch nie verzeichnet werden. Zahlreiche Unternehmen berichten von merklich gesteigerten Umsätzen und Erträgen. Auch wenn die Auftragseingänge zuletzt nicht mehr ganz so stark angewachsen sind, bleiben die Auftragspolster komfortabel. Über rund laufende Geschäfte freuen sich insbesondere die Investitionsgüterproduzenten (Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen: +85) sowie die Erzeuger von Vorleistungsgütern (Saldo: +83). Dem hinken die Hersteller von Ge- und Verbrauchsgütern (Saldo: +2) zwar merklich hinterher, doch auch in der Konsumgüterindustrie überwiegen die positiven Lagebeurteilungen.

Beim Ausblick auf die künftige Geschäftsentwicklung hat die regionale Industrie weiter an Zuversicht gewonnen. 28 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten einen günstigeren Geschäftsverlauf. Mit 63 Prozent gehen annähernd zwei Drittel von einer gleichbleibenden Dynamik aus. Nicht einmal jeder zehnte Betrieb rechnet dagegen mit einer Eintrübung. Die Umsatzerwartungen für die kommenden Monate fallen erfreulich aus. Auch die Exporterwartungen haben bisher noch nicht wesentlich unter den aufkommenden Handelsstreitigkeiten gelitten. Offensichtlich wird die exportfördernde Euro-Schwäche derzeit noch höher gewichtet. Die Investitionsneigung der regionalen Industrie ist zwar gegenüber dem vorangegangenen Umfragequartal etwas zurückgegangen, bleibt aber expansiv. Auch ihre Personalplanungen gestalten die befragten Industriebetriebe zunehmend offensiv.

Passable Stimmung im Großhandel

Im Großhandel ist der Konjunkturklimaindikator zum Sommer um 5 Punkte auf einen Wert von 108 angestiegen. Allerdings basiert dieser Anstieg ausschließlich auf den günstiger eingeschätzten Prognosen zur künftigen Geschäftsentwicklung. Die aktuelle Geschäftslage hat sich hingegen im Vergleich zum Vorquartal geringfügig verschlechtert. Derzeit bewertet fast ein Viertel der befragten Großhändler die aktuelle Geschäftslage als gut. 57 Prozent der Grossisten sind mit der eigenen Geschäftssituation zufrieden. Knapp jeder fünfte beurteilt seine momentane Lage hingegen als schlecht. Aus diesen Rückmeldungen lässt sich ein sichtbarer Positivsaldo aus guten und schlechten Lagebewertungen ableiten. Insgesamt bewegt sich der regionale Großhandel damit weiterhin auf einem zufriedenstellenden Geschäftsniveau.

Auf die künftige Geschäftsentwicklung blicken die regionalen Großhändler wieder mit etwas mehr Zuversicht. 29 Prozent der befragten Unternehmen rechnen für die kommenden Monate mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. 53 Prozent erwarten keine Veränderung und 18 Prozent fürchten schlechtere Geschäfte. Die Umsatzerwartungen für die nächste Zeit liegen per Saldo deutlich im positiven Bereich. Die Personalplanungen der Branche zeigen sich stabil. Hingegen hat die Investitionsneigung einen kleinen Dämpfer erhalten.

Einzelhandel nutzt günstiges Konsumklima

Im regionalen Einzelhandel hat sich im zweiten Quartal eine Schere zwischen durchaus erfreulichen Lagebeurteilungen und wieder eingetrübten Geschäftserwartungen aufgetan. In der Folge ist der Konjunkturklimaindikator für diesen Wirtschaftszweig auf einen Stand von 107 abgesunken. Der Rückgang beruht jedoch allein auf den verschlechterten Geschäfts-aussichten. Die geschäftliche Lage der Einzelhändler hat sich zum Sommer hingegen noch einmal verbessert. Derzeit bewertet ein gutes Drittel der befragten Einzelhändler die geschäftliche Lage als gut. Mehr als die Hälfte bezeichnet sie immerhin als befriedigend. Nur 15 Prozent der Händler berichten von einem schlechten Geschäftsverlauf. Seit mehr als sechs Jahren konnten für den Einzelhandel nicht mehr solch günstige Relationen verzeichnet werden. Gegenwärtig erfreut sich der Handel daran, dass die grundlegenden Rahmen-bedingungen für den Konsum – wie hoher Beschäftigungsstand, gestiegene Realeinkommen und geringe Zinsen – unverändert stimmen.

Generell sorgt sich der stationäre Handel aber um die teilweise nachlassenden Passanten- und Kundenfrequenzen sowie um Leerstandsprobleme in zentralen Einkaufslagen. Zudem leidet er unter dem Kaufkraftabfluss in den Onlinehandel. Für mehr als ein Viertel der befragten Geschäftsinhaber stellt sich der Konkurrenzdruck des Onlinehandels als existenz-gefährdend dar. Daher zeigen die Einzelhändler beim Blick auf das Verkaufsgeschäft in den kommenden Monaten – nach einer ausgesprochen optimistischen Vorausschau im Vorquar-tal – nun auch wieder erkennbar mehr Skepsis. Dennoch rechnet nur jeder zehnte Händler demnächst mit rückläufigen Geschäften. Die übrigen gehen von einem gleichbleibenden oder gar günstigeren Geschäftsverlauf aus.

Anhaltende Normalisierung im Dienstleistungssektor

Die Dienstleistungsbranche war bis zum Ende des letzten Jahres im konjunkturellen Höchsttempo unterwegs. Die bereits zum Frühjahr eingetretene Normalisierung hat sich im zweiten Quartal fortgesetzt. Nichtsdestotrotz ist der Dienstleistungssektor nach wie vor eine wichtige Stütze der regionalen Konjunktur. Obwohl der branchenbezogene Konjunktur-klimaindikator zum Sommer weiter nachgegeben hat, weist er mit einem Wert von 123 immer noch den zweithöchsten Stand unter allen betrachteten Wirtschaftszweigen auf. Ausgehend von einem außergewöhnlich hohen Ausgangsniveau haben sich zum einen die Beurteilungen der Dienstleister zu ihrer geschäftlichen Lage abermals abgeschwächt. Dennoch sprechen aktuell immer noch 44 Prozent der Befragten von einer guten Geschäftslage, knapp die Hälfte sieht sie als befriedigend an. Mit 7 Prozent ist weiterhin nur ein geringer Teil der Dienstleistungsbetriebe mit seinem Geschäftsverlauf unzufrieden.

Zum anderen sind auch die geschäftlichen Erwartungen der Dienstleister an die kommenden Monate weiter abgeflaut. Sie bewegen sich aber immer noch auf einem akzeptablen Level. Obwohl die zuvor außerordentlich expansiven Investitions- und Personalplanungen der Branche einen kleinen Dämpfer erlitten haben, liegen die Dienstleister als Jobmotoren unter allen Wirtschaftsbereichen nach wie vor an erster Stelle. Unverändert suchen zahlreiche Betriebe händeringend nach qualifiziertem Personal. So verwundert es nicht, dass der Mangel an geeigneten Fachkräften für fast 80 Prozent der befragten Dienstleistungsunternehmen ein drängendes Problem darstellt.

Banken haben sich mit Niedrigzins arrangiert

Der Konjunkturklimaindikator für das Kreditgewerbe wurde in der Vergangenheit durch einen tiefgreifenden Zukunftspessimismus in die Tiefe gezogen. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die fortschreitende Bankenregulierung haben vielen Instituten schwer zu schaffen gemacht. Inzwischen blicken die Banken aber wieder merklich zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Mittlerweile halten sich die optimistischen und pessimistischen Geschäftsprognosen die Waage. Jeweils ein knappes Zehntel der Kredithäuser rechnet mit einem günstigeren beziehungsweise ungünstigeren Geschäftsverlauf, die große Mehrheit erwartet keine Veränderungen. In den vorangegangenen Quartalen waren diese Relationen noch wesentlich ungünstiger ausgefallen. In der Folge konnte der Konjunkturklimaindikator für das Kreditgewerbe zum Sommer leicht zulegen und erreichte einen Wert von 106.

Einen noch stärkeren Anstieg haben die zuletzt etwas schwächeren Rückmeldungen der Banken zu ihrer aktuellen Geschäftslage verhindert. Dennoch kann diese als recht passabel bezeichnet werden. Gegenwärtig berichtet fast ein Viertel der befragten Kreditinstitute von einer dynamischen Geschäftstätigkeit. Zwei Drittel bewerten ihr Geschäft immerhin als zufriedenstellend. Nur jedes zehnte Unternehmen ist mit dem derzeitigen Geschäftsverlauf unzufrieden. Mit der Niedrigzinsproblematik haben sich die Banken inzwischen notgedrungen arrangiert. Sie berichten weiterhin von einer lebhaften Kreditnachfrage sowohl im Firmen- als auch im Privatkundengeschäft.

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Dipl.-Geogr. Berndt Conradi

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