IHK-Konjunkturumfrage viertes Quartal 2017

12.01.2018

Nr. 01/2018

IHK-Konjunkturumfrage viertes Quartal 2017

Geschäftslage der regionalen Wirtschaft auf Rekordniveau

Die Konjunktur im Braunschweiger Wirtschaftsraum brummt wie seit langem nicht mehr. Der bereits im Verlauf des vergangenen Jahres stetig anhaltende Aufwärtstrend hat sich zum Jahreswechsel weiter fortgesetzt und sogar noch einmal verstärkt. Dies zeigt die jüngste Umfrage der IHK Braunschweig zum Konjunkturverlauf im vierten Quartal 2017. »Die Ergebnisse unserer Umfrage sind sehr erfreulich und zeichnen ein starkes Lagebild der heimischen Wirtschaft. Die Kapazitäten der Unternehmen sind gut ausgelastet, die Auftragsbücher haben sich weiter gefüllt. Und die geäußerten Geschäftserwartungen lassen hoffen, dass die Konjunktur in unserem Bezirk auch in den kommenden Monaten kräftig unter Dampf stehen wird«, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernd Meier.

Der von der IHK ermittelte Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, stieg im Vergleich zum Herbst nochmals um 8 Punkte an und kletterte zum Jahresende 2017 auf einen Wert von 125. Damit erreichte er den höchsten Stand seit Mitte 2011.

Lagebeurteilungen im Höhenflug

Der Indikatoranstieg beruht vor allem auf den ausgesprochen positiven Rückmeldungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen Geschäftstätigkeit. So beurteilen 55 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 37 Prozent sehen sie als befriedigend an. Lediglich 8 Prozent bewerten ihre momentane Situation als schlecht. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen beträgt somit unter allen befragten Unternehmen +47. Ein ähnlich günstiger Wert war in den vergangenen zwanzig Jahren – weiter reichen die Aufzeichnungen nicht zurück – nie erreicht worden. Im Vergleich zum bereits sehr starken Herbstquartal zogen die Lagebeurteilungen zum Jahreswechsel damit noch einmal kräftig an. Am besten laufen die Geschäfte nach wie vor im Dienstleistungssektor (Saldo: +71). Auch die Industrie (+62) befindet sich im Stimmungshoch. Mit einem gewissen Abstand folgen das Kreditgewerbe (+31) und der Großhandel (+19), unter denen aber ebenfalls die gute Laune vorherrscht. Lediglich der Einzelhandel bleibt erkennbar zurück: Hier halten sich die positiven und die negativen Lageeinschätzungen aber immerhin noch die Waage (+/-0). »Die Unternehmen im Braunschweiger Wirtschaftsraum nutzen die derzeit günstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen. Der immer weiter ansteigende Beschäftigungsstand und Lohnsteigerungen oberhalb der Inflationsrate fördern die Konsumneigung. Die niedrigen Zinsen stärken die Investitionsbereitschaft. Und die Exportwirtschaft profitiert vom immer noch wettbewerbsfähigen Eurokurs sowie der eingetretenen weltwirtschaftlichen Belebung, speziell in der Euro-Zone, in den USA und in wichtigen Schwellenländern«, kommentiert Dr. Bernd Meier.

Mit Zuversicht in das Jahr 2018

Auch beim Blick voraus auf die Geschäftserwartungen für das Jahr 2018 überwiegt bei der regionalen Wirtschaft der Optimismus. Mit 27 Prozent erwartet mehr als ein Viertel der Unternehmen eine günstigere Geschäftsentwicklung. 53 Prozent rechnen mit einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf. Ein Fünftel geht hingegen von einer abflauenden Geschäftsdynamik aus. Zwar fallen die Prognosen damit nach wie vor merklich zurückhaltender aus als die Beurteilungen zur aktuellen Geschäftslage, im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage haben sie sich jedoch noch einmal erkennbar verbessert. Zudem muss die Vorausschau vor dem Hintergrund des derzeitigen hohen Ausgangsniveaus betrachtet werden. Viel besser kann es in mancher Branche kaum werden. Und schließlich verbleibt eine gewisse Skepsis angesichts zahlreicher Unsicherheitsfaktoren. Zu nennen sind hier etwa die sich hinziehende Regierungsbildung auf Bundesebene, geopolitische Krisen, das Erstarken protektionistischer und nationalistischer Bewegungen, Disharmonien innerhalb Europas oder der anstehende Brexit. Diese haben zwar bisher noch nicht auf das laufende Geschäft durchgeschlagen, sind aber als Bedrohungsszenario für die künftige Geschäftsentwicklung im Hintergrund latent vorhanden.

Investitionsklima immer noch freundlich

Mit der sich stetig verbessernden Konjunkturlage war die Investitionsbereitschaft der regionalen Wirtschaft im Verlauf des vergangenen Jahres bis zu einem Rekordwert im Herbst außerordentlich stark angestiegen. Zum Jahresende ist sie zwar wieder ein Stück zurückgegangen, bewegt sich nach der eingetretenen Normalisierung aber immer noch auf hohem Niveau. So beabsichtigt gegenwärtig ein Drittel der Unternehmen, seine Investitionspläne im Jahr 2018 auszuweiten. Mit 52 Prozent möchte mehr als die Hälfte ihr Investitionsbudget unverändert belassen. Nur 15 Prozent der Betriebe planen eine entsprechende Kürzung. Nach wie vor wirken sich die erwähnten günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedin-gungen und hierbei vor allem das niedrige Zinsniveau auf das Investitionsverhalten aus. Zwar dient die Mehrzahl der inländischen Investitionen der Beschaffung von Ersatzbedarf und der Rationalisierung, Investitionen zur Kapazitätsausweitung und zur Produktinnovation haben jedoch merklich zugenommen. »Noch freundlicher könnte das Investitionsklima ausfallen, wenn die Unternehmen mehr Planungssicherheit hinsichtlich der künftigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen hätten. So lassen die Rückmeldungen der Unternehmen auf eine abwartende Haltung angesichts der sich hinauszögernden Regierungsbildung in Berlin schließen. Es liegt daher im Interesse der Wirtschaft, dass sich möglichst bald eine stabile neue Bundesregierung formiert«, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernd Meier.

Etwas zurückhaltender als die Investitionsplanungen gehen die heimischen Unternehmen ihre Beschäftigungsplanungen an. Ein gutes Fünftel aller befragten Betriebe beabsichtigt, seine Personalkapazitäten im Jahr 2018 auszubauen. Ein gleich großer Anteil erwartet dagegen eine Reduzierung seines Mitarbeiterstamms. Die restlichen 58 Prozent der Betriebe rechnen mit unveränderten Mitarbeiterzahlen. Im längerfristigen Vergleich bewegen sich die Beschäftigungsplanungen der regionalen Wirtschaft damit auf passablem Niveau. Allerdings kann längst nicht jedes einstellungswillige Unternehmen seinen Arbeitskräftebedarf auf dem regionalen Arbeitsmarkt decken. Infolgedessen sieht fast die Hälfte der Betriebe den Fachkräftemangel als erhebliches Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung an. Dr. Bernd Meier hierzu: »Schon jetzt bleiben aufgrund des Mangels an qualifiziertem Personal viele Marktchancen ungenutzt. Daher müssen alle Beteiligten intensiv an einer Ausweitung des Fachkräfteangebots arbeiten.«

Industrie in bester Laune

Das Konjunkturhoch zum Jahreswechsel wird im Braunschweiger Wirtschaftsraum ganz wesentlich durch die Industrieunternehmen mitgetragen. Derzeit zeigen sich die meisten produzierenden Betriebe in guter oder gar bester Laune. Der Konjunkturklimaindikator für den Wirtschaftszweig legte um satte 15 Punkte auf einen Wert von 133 zu. Ursächlich hierfür sind zum einen die weiterhin stark verbesserten Rückmeldungen der Industriebetriebe zu ihrer aktuellen geschäftlichen Lage und zum anderen die ebenfalls wieder günstiger eingeschätzten Geschäftsaussichten. So bezeichnen derzeit zwei Drittel der Industrieunternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut. Drei von zehn Befragten schätzen die Situation zumindest als zufriedenstellend ein. Lediglich eine kleine Minderheit von 4 Prozent der Industriebetriebe klagt über schlechte Geschäfte. Solch günstige Relationen konnten für die regionale Industrie in den letzten zwei Jahrzehnten nie verzeichnet werden. Zahlreiche Unternehmen berichten von merklich gesteigerten Umsätzen und Erträgen sowie von einer deutlich angestiegenen Ordertätigkeit ihrer Kunden und stattlichen Auftragspolstern. Die positive Stimmung zieht sich durch alle befragten Industriesektoren. Über kräftiges geschäftliches Wachstum freuen sich insbesondere die Investitionsgüterproduzenten (Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen: +81) sowie die Hersteller von Ge- und Verbrauchsgütern (Saldo: +66). Doch auch die Erzeuger von Vorleistungsgütern (Saldo: +36) melden einen lebhaften Geschäftsverlauf.

Beim Ausblick auf die Geschäftsentwicklung im neuen Jahr haben die regionalen Industriekapitäne weiter an Zuversicht gewonnen. Drei von zehn Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten einen günstigeren Geschäftsverlauf. Mit 48 Prozent geht fast die Hälfte von einer gleichbleibenden Dynamik aus. Gut jeder fünfte Betrieb rechnet dagegen mit einer Eintrübung. Die Optimisten befinden sich gegenüber den Pessimisten also erkennbar in der Mehrheit. Angesichts der jetzt schon außerordentlich vitalen Industriekonjunktur sind die verbreiteten Erwartungen in Richtung einer weiter verbesserten Geschäftsentwicklung durchaus bemerkenswert. Neben den Umsatzerwartungen fallen auch die Exporterwartungen der regionalen Industrie für das Jahr 2018 sehr erfreulich aus. Die Investitionsneigung der Branche ist zwar gegenüber dem vorangegangenen Umfragequartal etwas zurückgegangen, bleibt aber expansiv. Auch ihre Personalplanungen gestalten die befragten Industriebetriebe zunehmend offensiv.

Lebhafter Großhandel

Der Großhandel steht zum Jahreswechsel mit einem Konjunkturklimaindikator von 127 gut da. Verglichen mit dem Vorquartal konnte er um 7 Punkte zulegen. Der Anstieg gründet sich auf die merklich verbesserten Rückmeldungen zur aktuellen Geschäftslage. So bewerten derzeit 42 Prozent der befragten Großhändler ihre Geschäftslage als gut. Mehr als jeder dritte Grossist ist mit seinem Geschäftsverlauf zufrieden. 23 Prozent beurteilen ihre momentane Lage hingegen als schlecht. Per Saldo ergibt sich daraus ein insgesamt freundliches Geschäftsniveau, an dem sich sowohl der Produktionsverbindungshandel zur Industrie als auch der Konsumgüterhandel erfreut. Insgesamt konnte der Großhandel zum Jahresende merkliche Umsatzsteigerungen realisieren. Die Lagerbestände werden von den Befragten größtenteils als saisonüblich bezeichnet.

Auf das Jahr 2018 blicken die meisten regionalen Großhändler mit Zuversicht. 42 Prozent der Grossisten rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung im angebrochenen Jahr. Gut die Hälfte erwartet keine Veränderung und nur 7 Prozent fürchten schlechtere Geschäfte. Auch die Umsatzerwartungen für 2018 liegen per Saldo deutlich im positiven Bereich. Damit erweisen sich die Großhändler im Vergleich der einzelnen Wirtschaftszweige hinsichtlich der Zukunftsaussichten weiterhin als besonders optimistisch. Lediglich die Dienstleister sind noch etwas hoffnungsvoller.

Flaues Bild im Einzelhandel

Der Einzelhandel stellt derzeit das Sorgenkind der Konjunkturbeobachtung im Braunschweiger Wirtschaftsraum dar. Trotz konsumfördernder binnenwirtschaftlicher Rahmenbedingungen konnte der Konjunkturklimaindikator für diesen Wirtschaftszweig sein ohnehin relativ bescheidenes Niveau nicht halten und gab um 6 Punkte auf einen Stand von 89 nach. Der Rückgang beruht allerdings allein auf verschlechterten Geschäftsaussichten. Die geschäft-liche Lage der Einzelhändler hat sich zum Jahresende hingegen leicht verbessert. Dennoch bildet der Einzelhandel bei den Lagebeurteilungen unter allen betrachteten Wirtschaftszweigen immer noch das Schlusslicht. Immerhin halten sich die Positiv- und Negativmeldungen mittlerweile die Waage. So bezeichnet ein gutes Fünftel der Einzelhändler seine Geschäftslage derzeit als gut. Fast 60 Prozent bewerten ihre Situation wenigstens als zufriedenstellend. Ebenfalls ein gutes Fünftel der Händler sieht jedoch Grund zur Klage. So konnte das Weihnachtsgeschäft nicht überall die hochgesteckten Erwartungen erfüllen. Zudem hat die milde Witterung die Nachfrage nach wärmender Bekleidung und sonstigen winterlichen Artikeln gemindert. Während die Geschäfte des stationären Einzelhandels eher träge verlaufen, berichten die Online-Händler von stark wachsenden Umsätzen.

Generell leidet der stationäre Handel unter dem Kaufkraftabfluss in den Online-Handel und sorgt sich um die teilweise nachlassenden Passanten- und Kundenfrequenzen sowie um Leerstandsprobleme in innerstädtischen Lagen. Die Konsumneigung der Kunden wird zwar von der günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und den steigenden Realeinkommen der Verbraucher gestützt, bleibt aber dennoch hinter den Erwartungen des regionalen Handels zurück. Auf das Jahr 2018 blicken die Einzelhändler daher mehrheitlich mit skeptischer Miene. 29 Prozent der Händler rechnen mit rückläufigen Geschäften. Während fast zwei Drittel keine Veränderungen erwarten, gehen nur 8 Prozent von einem günstigeren Ge-schäftsverlauf aus.

Dienstleister auf Personalsuche

Wie bei den vorangegangenen Umfragen nimmt der Dienstleistungssektor auch aktuell wieder die Spitzenposition unter den betrachteten Wirtschaftsbereichen der IHK-Konjunkturumfrage ein. Mit einem Anstieg um 5 Punkte auf einen Wert von 155 konnte der branchenbezogene Konjunkturklimaindikator sein bereits beachtliches Level zum Jahresende sogar nochmals erhöhen. Zwar haben die Lagebeurteilungen im Vergleich zum Herbst geringfügig nachgelassen, sie bewegen sich aber immer noch auf Top-Niveau. Derzeit sprechen mehr als 70 Prozent der Dienstleister von einer guten Geschäftslage, knapp 30 Prozent sehen sie als befriedigend an. Kein einziger befragter Dienstleistungsbetrieb ist mit seinem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden. Bei Umsätzen, Erträgen und Auftragseingängen konnte die Branche sichtlich zulegen. In bester Laune zeigen sich vor allem Medien- und IT-Dienstleister, die anhaltend Neuaufträge im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung verbuchen können.

Die geschäftlichen Erwartungen der Dienstleister für das Jahr 2018 bleiben zwar hinter den exzellenten Lagebeurteilungen etwas zurück, haben sich gegenüber dem Vorquartal aber auf hohem Niveau nochmals verbessert. Damit korrespondierend geht die Branche auch ihre Investitions- und Personalplanungen unverändert offensiv an. Nach wie vor liegen die Dienstleister als Jobmotoren unter allen Wirtschaftsbereichen an erster Stelle, wobei der Beschäftigungsaufbau noch stärker ausfallen könnte, wenn genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stünden. Aufgrund der guten Auftragslage suchen zahlreiche Betriebe dringend nach qualifiziertem Personal. So verwundert es nicht, dass der Mangel an geeigneten Fachkräften für fast 80 Prozent der befragten Dienstleistungsunternehmen ein drängendes Problem darstellt.

Passable Geschäfte in der Kreditwirtschaft

Im regionalen Kreditgewerbe gab der Konjunkturklimaindikator um drei Punkte auf einen Stand von 84 nach. In der Kreditwirtschaft fallen die Bewertungen der Geschäftslage und der Geschäftsaussichten schon seit längerer Zeit weit auseinander. Der aktuelle Geschäftsverlauf der Banken kann aber durchaus als passabel bezeichnet werden. Aktuell berichten gut 30 Prozent der befragten Kreditinstitute von einer dynamischen Geschäftstätigkeit. Die restlichen knapp 70 Prozent bewerten ihr Geschäft immerhin als zufriedenstellend. Mit der Niedrigzinsproblematik haben sich die Banken inzwischen so weit wie möglich arrangiert. Sie berichten von einer lebhaften Kreditnachfrage, wobei sowohl die Kreditvergabe an Privatkunden als auch diejenige an Unternehmen angewachsen ist.

Der Ausblick auf die kommenden Monate ist jedoch weiterhin von erheblichem Pessimismus geprägt. Fast die Hälfte der befragten Institute rechnet mit rückläufigen Geschäften. Unverändert macht die Bankenregulierung insbesondere den kleineren Instituten schwer zu schaffen.

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Dipl.-Geogr. Berndt Conradi

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