IHK-Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel 2016/2017

2/2017

16.01.2017

Nr. 2/2017


Regionale Konjunktur nimmt wieder Fahrt auf

Zum erfolgten Jahreswechsel hat die Konjunktur im Braunschweiger Wirtschaftsraum wieder einen Gang hochgeschaltet. Die noch im Herbst 2016 zu verzeichnende Schwächephase konnte mittlerweile überwunden werden. Nach vorübergehendem Stottern läuft der regionale Konjunkturmotor damit wieder merklich runder. Bei näherem Hinsehen zeigen sich allerdings immer noch einige Unwuchten. Dies ergibt sich aus der jüngsten Umfrage der IHK Braunschweig zum Konjunkturverlauf im vierten Quartal 2016. Der von der IHK ermittelte Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, stieg um 7 Punkte auf einen Wert von 107 an. Innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre konnte nur einmal einen höherer Wert verbucht werden. Ursächlich für den Indikatoranstieg sind in erster Linie die Rückmeldungen der heimischen Unternehmen zu ihrer geschäftlichen Lage, die aktuell wieder erkennbar besser beurteilt wird als im Vorquartal. Dagegen verharren die Unternehmensmeldungen zu ihren Geschäftserwartungen für 2017 auf relativ bescheidenem Niveau.

Beachtliche Aufhellung zum Jahresende


Momentan zeigt sich eine deutliche Mehrheit der Unternehmen mit ihrer laufenden Geschäftstätigkeit zufrieden. So beurteilt mit 35 Prozent mehr als ein Drittel der Betriebe seine Geschäftslage als gut. Gut die Hälfte sieht sie immerhin als befriedigend an. Lediglich 14 Prozent der Unternehmen bewerten ihre momentane Situation als schlecht. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen beträgt demnach unter allen befragten Unternehmen +21. Am besten und nahezu glänzend laufen die Geschäfte dabei im Dienstleis-tungssektor (Saldo: +70). Mit einigem Abstand folgen das Kreditgewerbe (+25), die Industrie (+20) und der Großhandel (+18), die mit ihrer aktuellen Geschäftstätigkeit aber ebenfalls weitgehend zufrieden sind. Merkliche Unzufriedenheit herrscht allein im Einzelhandel, bei dem die negativen Lageeinschätzungen deutlich überwiegen (-21). Verglichen mit dem Vorquartal haben sich die Beurteilungen zur aktuellen Geschäftslage insgesamt erheblich verbessert. So lag der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen unter allen Unternehmen im Herbst 2016 noch bei +5. Mit dem jetzigen Wert von +21 erklomm der Lagesaldo den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Zu dieser beachtlichen Aufhellung der Geschäftslage konnten alle genannten Wirtschaftszweige mit Ausnahme des Einzelhandels beitragen. Die Wirtschaft im Braunschweiger Wirtschaftsraum profitiert dabei von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die grundsätzlich immer noch stimulierend wirken. So erleichtern etwa die  die niedrigen Zinsen, die geringen Inflationsraten, der hohe Beschäftigungsstand, die exportfördernde Euro-Schwäche oder der immer noch relativ moderate Ölpreis zahlreichen Betrieben das Geschäft. Hingegen schlagen die zahlreichen Sorgen, die die heimischen Unternehmen plagen, noch nicht auf das laufende Geschäft, wohl aber auf die Geschäftsaussichten durch.

Sorgenpaket schmälert Geschäftsaussichten

Daher blicken die Unternehmen des Braunschweiger Wirtschaftsraumes auch nach wie vor mit merklicher Skepsis voraus auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten. Gefühlt jagt eine Krise die nächste. Neben die noch längst nicht ausgestandene Euro-Staatsschuldenkrise, die Geldschwemme im Euro-Raum, die unerledigten Strukturreformen in großen EU-Staaten, die innere Erosion Europas, die Flüchtlingsproblematik, das angespannte Verhältnis zu Russland oder der Türkei, die geopolitischen Krisen etwa in der Ukraine und im Nahen Osten oder die mittlerweile allgegenwärtige Terrorgefahr sind nun Sorgen über den zunehmenden Nationalismus und Protektionismus, die Unklarheit über den künftigen handelspolitischen Kurs der USA oder die Gestaltung des Brexit getreten. Dass sich in all diesen Angelegenheiten keine durchgreifenden Lösungen abzeichnen, hat eine anhaltende Verunsicherung der Wirtschaft zur Folge. Hinzu kommt die für den Braunschweiger Wirtschaftsraum besonders prekäre VW-Abgasaffäre, die nach Einschätzung zahlreicher Unternehmenslenker ihre Spuren hinterlassen wird. Angesichts dieses Sorgenpakets verwundert es nicht, dass sich beim Ausblick auf den weiteren Verlauf des angebrochenen Jahres die Pessimisten wie bereits im Vorquartal in der Mehrheit befinden. So erwarten nur 17 Prozent der Unternehmen binnen Jahresfrist eine geschäftliche Aufhellung. 61 Prozent gehen immerhin von einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf aus. 22 Prozent rechnen hingegen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage.

Verhaltene Investitionsbereitschaft


Angesichts der von vielen Unwägbarkeiten gekennzeichneten Geschäftsaussichten bleibt die Investitionsneigung der regionalen Wirtschaft weiterhin von Vorsicht geprägt. Im Vergleich zum Vorquartal ist sie unverändert geblieben. Gegenwärtig beabsichtigen 23 Prozent der Unternehmen, die eigenen Investitionspläne in den nächsten Monaten auszuweiten. Demgegenüber planen 18 Prozent der Betriebe, ihr Investitionsbudget zu kürzen. Auch wenn sich aus diesen Werten ein leichter Positivsaldo ableiten lässt, muss festgestellt werden, dass die Investitionsbereitschaft der heimischen Unternehmen vor dem Hintergrund der deutlich verbesserten Geschäftslage und der zuvor erwähnten günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere der niedrigen Zinsen, somit doch recht verhalten ausfällt.

Noch zurückhaltender als die Investitionsplanungen gehen die heimischen Unternehmen derzeit ihre Beschäftigungsplanungen an. Ein Viertel aller befragten Betriebe erwartet in den kommenden zwölf Monaten eine Reduzierung seines Personalbestandes. Dem stehen lediglich 13 Prozent der Unternehmen gegenüber, die an eine Ausweitung ihres Arbeitsplatzangebotes denken. Die restlichen 62 Prozent der Betriebe rechnen mit unveränderten Mitarbeiterzahlen. Verglichen mit dem Vorquartal haben sich die Relationen damit zwar etwas verbessert, in der längerfristigen Betrachtung weisen die Beschäftigungspläne der regionalen Wirtschaft jedoch eine nachlassende Dynamik auf.

Industrie im Stimmungsaufschwung


Die Industrieunternehmen des Braunschweiger Wirtschaftsraumes zeigen sich mit dem Konjunkturverlauf zum Jahresende 2016 größtenteils zufrieden. Der Konjunkturklimaindikator für den Wirtschaftszweig schnellte um 11 Punkte auf einen Wert von 108 in die Höhe. Ursächlich hierfür sind die erheblich verbesserten Rückmeldungen der Industriebetriebe zu ihrer aktuellen geschäftlichen Lage, während die Geschäftsaussichten nach wie vor zurückhaltend bewertet werden. So bezeichnet mit 32 Prozent derzeit fast ein Drittel der Industrieunternehmen seine gegenwärtige Geschäftslage als gut. Mit 56 Prozent schätzt mehr als die Hälfte der Befragten die Situation zumindest als zufriedenstellend ein. Lediglich 12 Prozent der Industriebetriebe klagen über schlechte Geschäfte. Derartig günstige Relationen wurden für die regionale Industrie zuletzt vor knapp drei Jahren verzeichnet. Am besten wird die Geschäftslage momentan von den Herstellern von Ge- und Verbrauchsgütern eingeschätzt (Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen: +32), die vom kräftigen Binnenkonsum profitieren. Doch auch bei den Erzeugern von Vorleistungsgütern (Saldo: +18) und den Herstellern von Investitionsgütern (Saldo: +12) überwiegen die Positivmeldungen noch sichtlich.

Dass sich die Industriekonjunktur im Braunschweiger Wirtschaftsraum im vierten Quartal 2016 merklich stabilisiert hat, zeigt auch ein Blick auf die Auftragslage der heimischen Industrie, die ein spürbares Orderplus erkennen lässt. So freute sich fast jedes dritte befragte Unternehmen über einen Anstieg seiner Auftragseingänge. Etwa die Hälfte vermeldete immerhin eine gleichbleibende Ordertätigkeit. Nur jeder sechste Industriebetrieb klagte über Auftragsschwund. Neben der weiterhin kräftigen Binnennachfrage haben auch anziehende Auftragseingänge aus dem Ausland dazu beigetragen, dass das Auftragspolster der regionalen Industrie inzwischen wieder etwas dicker geworden ist. Konsolidiert hat sich zudem die Entwicklung der Umsätze. Zwar musste immer noch fast jeder dritte Betrieb Umsatzeinbußen hinnehmen; der Anteil der Unternehmen, die steigende oder zumindest gleichbleibende Umsätze verbuchen konnten, ist jedoch deutlich angewachsen und macht inzwischen mehr als zwei Drittel aus.

Die geschäftlichen Aussichten auf die kommenden Monate schätzen die regionalen Industriekapitäne allerdings ähnlich kritisch ein wie im Vorquartal. So rechnen zur Zeit nur 14 Prozent der Unternehmen damit, dass sich die eigene geschäftliche Situation verbessern wird. 68 Prozent gehen immerhin von einer gleichbleibenden Geschäftslage aus. Eine Eintrübung prognostiziert mit 18 Prozent dagegen ein knappes Fünftel der Befragten. Die Pessimisten befinden sich gegenüber den Optimisten also weiterhin in der Mehrheit.

Zuversicht im Großhandel


Im Großhandel ist der Konjunkturklimaindikator zum Jahresende 2016 um 5 Punkte auf einen respektablen Wert von 124 angestiegen. Allerdings basiert der Anstieg im vierten Quartal ausschließlich auf den günstiger eingeschätzten Prognosen zur künftigen Geschäftsentwicklung. Die aktuelle Geschäftslage hat sich hingegen im Vergleich zum Vorquartal nicht verändert. Nach wie vor bewertet mit 42 Prozent die Mehrheit der befragten Großhändler ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Etwa jeder dritte Grossist ist mit der eigenen Geschäftssituation zufrieden und nur knapp jeder vierte beurteilt seine momentane Lage als schlecht. Damit erfreut sich der regionale Großhandel weiterhin an einem insgesamt stabilen Geschäftsniveau. Per Saldo konnte der Großhandel im vierten Quartal erkennbare Umsatzsteigerungen realisieren und seine Lagerbestände weiter abbauen. So berichten 92 Prozent der Grossisten von saisonüblichen Lagerbeständen; lediglich 8 Prozent haben ihre Waren nicht im üblichen Umfang absetzen können.

Auf die weitere Geschäftsentwicklung im neuen Jahr blicken die regionalen Großhändler mit einiger Zuversicht. 36 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. 56 Prozent erwarten keine Veränderung und nur 8 Prozent fürchten schlechtere Geschäfte. Auch die Umsatzerwartungen für 2017 liegen per Saldo deutlich im positiven Bereich. Damit erweisen sich die Großhändler im Vergleich der einzelnen Wirtschaftszweige hinsichtlich der Zukunftsaussichten als besonders optimistisch.

Enttäuschung im Einzelhandel


Der Konjunkturklimaindikator für den Einzelhandel, der bereits im vergangenen Herbst erheblich nachgelassen hatte, ist zum Jahresende 2016 um weitere 9 Punkte auf einen Wert von 81 abgefallen. In der zweiten Jahreshälfte hat er damit einen regelrechten Sturzflug hingelegt. Sowohl ungünstigere Lagebewertungen als auch verschlechterte Geschäftsaussichten leisteten hierzu ihren Beitrag. Mittlerweile bezeichnet nur noch etwa jeder zehnte Einzelhändler seine Geschäftslage als gut. 57 Prozent bewerten die Situation immerhin als zufriedenstellend. Fast ein Drittel der Händlerschaft sieht jedoch Grund zur Klage. Der regionale Einzelhandel berichtet von einem erkennbaren Rückgang der Konsumneigung seiner Kunden, der sich negativ auf die Handelsumsätze ausgewirkt. Offensichtlich hat auch das Weihnachtsgeschäft nicht überall den hochgesteckten Erwartungen entsprochen. Zudem minderte die lang anhaltende milde Witterung die Nachfrage nach wärmender Bekleidung oder sonstigen winterlichen Artikeln. Die schwindende Konsumneigung dürfte sich aber nicht zuletzt auch auf die wachsende Verunsicherung der Bevölkerung durch zahlreiche Krisen gründen, zu der für den Braunschweiger Wirtschaftsraum auch die VW-Abgasaffäre gezählt werden muss.

Auf das Jahr 2017 blicken die Einzelhändler mehrheitlich mit sorgenvoller Miene. Der noch vor einem halben Jahr herrschende Optimismus ist weitgehend verflogen. Über ein Viertel der Händler rechnet mit rückläufigen Geschäften. Während zwei Drittel keine Veränderungen erwarten, gehen lediglich 8 Prozent von einem günstigeren Geschäftsverlauf aus. Den stationären Handel beunruhigt der Kaufkraftabfluss in den Online-Handel dabei ebenso wie die teilweise nachlassenden Passanten- und Kundenfrequenzen in innerstädtischen Lagen. Zudem wird befürchtet, dass die krisenbedingte Verunsicherung noch stärker auf das Konsumklima durchschlägt und die Kunden mit vermehrter Sparsamkeit und Kaufzurückhaltung reagieren.

Dienstleister gut gelaunt


Der Dienstleistungssektor nimmt bereits seit längerer Zeit unangefochten die Spitzenstellung unter den betrachteten Wirtschaftsbereichen der IHK-Konjunkturumfrage ein. Mit einem Wert von 137 konnte der branchenbezogene Konjunkturklimaindikator sein bereits beachtliches Level nochmals erhöhen. Nachdem die Dienstleistungskonjunktur in den drei Vorquartalen auf hohem Niveau etwas abgeflaut war, legten die Lagebewertungen zum Jahresende 2016 noch einmal kräftig zu. Aktuell sprechen 70 Prozent der Dienstleister von einer guten Geschäftslage, 30 Prozent halten sie für befriedigend. Kein einziger befragter Dienstleistungsbetrieb ist mit seinem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden. Bestens gelaunt zeigen sich vor allem Medien- und IT-Dienstleister, die anhaltend Neuaufträge im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung verbuchen können, sowie Dienstleister, die von der starken Immobiliennachfrage profitieren.

Ihre geschäftlichen Erwartungen für 2017 schätzen die Dienstleister marklich skeptischer ein als ihre derzeitige Lage. Auch im Vergleich zum Vorquartal werden die Aussichten wieder etwas zurückhaltender beurteilt. Dennoch befinden sich die Optimisten gegenüber den Pessimisten immer noch klar in der Mehrheit. Auch bei den Investitions- und Beschäftigungsplanungen für die kommenden Monate liegen die Dienstleister unter allen betrachteten Wirtschaftsbereichen vorn. Dabei suchen aufgrund der guten Auftragslage zahlreiche Betriebe dringend nach qualifiziertem Personal. So stellt der Mangel an geeigneten Fachkräften für knapp zwei Drittel der befragten Dienstleistungsunternehmen ein drängendes Problem dar.

Banken trotzen dem Niedrigzins


Im Kreditgewerbe fallen die Bewertungen der Geschäftslage und der Geschäftsaussichten schon seit mehreren Jahren weit auseinander. Den aktuellen Geschäftsverlauf bezeichnet ein Großteil der Banken trotz niedrigem Zinsniveau und fortschreitendem Margenverfall als zufriedenstellend, ein Viertel sogar als gut. Berichtet wird von einer lebhaften Kreditnachfrage bei derzeit geringen Ausfallraten. Sowohl die Kreditvergabe an Privatkunden als auch diejenige an Unternehmen ist angewachsen. Auch das Volumen der sonstigen Bankdienstleistungen hat zugenommen.

Der Ausblick der Kreditwirtschaft auf die kommenden Monate ist aber nach wie vor von tiefgreifendem Pessimismus geprägt. Alle befragten Kreditinstitute rechnen mit einer künftig schwierigeren Geschäftslage. Durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld fällt es den Geldhäusern immer schwerer, angemessene Erträge zu erwirtschaften. Zudem macht die fortschreitende Bankenregulierung insbesondere den kleineren Banken schwer zu schaffen.

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