IHK-Konjunkturumfrage drittes Quartal 2017

13.10.2017

Nr. 16/2017

IHK-Konjunkturumfrage drittes Quartal 2017

Regionale Wirtschaft meldet florierende Geschäfte

Die positive Konjunkturentwicklung im Braunschweiger Wirtschaftsraum setzt sich fort. Die geschäftliche Lage zahlreicher Betriebe hat sich im Herbst erneut verbessert. Die Unternehmen profitieren von einer nach wie vor agilen Binnenkonjunktur und zudem von einem anziehenden Exportgeschäft. Die Kapazitäten sind gut ausgelastet, die Auftragsbücher gut gefüllt und die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate bleiben stabil. In der Folge ist die Investitionsbereitschaft der regionalen Wirtschaft stark angestiegen.

Dies alles ergibt sich aus der jüngsten Umfrage der IHK Braunschweig zum Konjunkturverlauf im dritten Quartal 2017. Der von der IHK ermittelte Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, ist im Vergleich zum Sommer nochmals um 2 Punkte angestiegen und erreichte einen Wert von 117. Damit kletterte er auf den höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren.

Lagebeurteilung auf Fünf-Jahres-Hoch

Die gute Wirtschaftslage zeigt sich vor allem in der Zufriedenheit der Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftstätigkeit. So beurteilen 44 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 46 Prozent sehen sie als befriedigend an. Lediglich ein Zehntel der Unternehmen bewertet seine momentane Situation als schlecht. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen beträgt somit unter allen befragten Unternehmen +34. Dabei handelt es sich um den günstigsten Wert seit mehr als fünf Jahren. Im Vergleich zum bereits starken Sommerquartal zogen die Lagebeurteilungen im Herbst damit noch einmal kräftig an. Am besten laufen die Geschäfte nach wie vor im Dienstleistungssektor (Saldo: +76). Auch die Industrie (+44) befindet sich im Stimmungshoch. Mit einem gewissen Abstand folgen das Kreditgewerbe (+13) und der Großhandel (+6), unter denen aber ebenfalls die gute Laune vorherrscht. Lediglich im Einzelhandel ist die Verstimmung noch nicht verflogen: Hier überwiegen die negativen Lageeinschätzungen geringfügig (-2). Generell profitieren die Unternehmen im Braunschweiger Wirtschaftsraum aber von anhaltend günstigen Marktbedingungen wie den niedrigen Zinsen, dem wettbewerbsfähigen Eurokurs oder dem moderaten Ölpreis. Hinzu kommt die eingetretene weltwirtschaftliche Belebung in der Euro-Zone, in den USA sowie in wichtigen Schwellenländern. Daneben stützt sich der anhaltende Aufschwung aber auch auf die nach wie vor günstigen binnenkonjunkturellen Rahmenbedin-gungen wie den immer weiter ansteigenden Beschäftigungsstand, die begrenzten Inflationsraten und die passable Konsumneigung.

Konstante Geschäftserwartungen

Die geschäftlichen Aussichten auf die kommenden zwölf Monate werden von der regionalen Wirtschaft zwar zurückhaltender als die Geschäftslage beurteilt, dennoch überwiegt auch bei der Vorausschau der Optimismus. Zudem erweisen sich die Prognosen der Befragten vom Sommer bis zum Herbst als konstant. Ähnlich wie im Vorquartal erwartet ein knappes Fünftel der Unternehmen binnen Jahresfrist eine geschäftliche Aufhellung. 65 Prozent gehen zumindest von einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf aus. 16 Prozent rechnen hingegen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Die zahlreichen Risikofaktoren wie die VW-Abgasaffäre, der Brexit, das Erstarken protektionistischer und nationalistischer Bewegungen, die Disharmonien innerhalb Europas oder diverse geopolitische Krisen haben zwar bisher nicht auf das laufende Geschäft durchgeschlagen, bleiben aber als Bedrohungsszenario im Hintergrund bestehen. Darüber hinaus lassen die Rückmeldungen der Unternehmen zu ihren Geschäftsaussichten eine abwartende Haltung hinsichtlich des Ausgangs der am Ende des Umfragezeitraumes stattgefundenen Bundestagswahl und der bevorstehenden Landtagswahl erkennen.

Offensive Investitionsplanungen

Basierend auf der der erfreulichen Geschäftslage und den konstanten Geschäftserwartungen hat die Investitionsbereitschaft der regionalen Wirtschaft nochmals erheblich zugenommen. Von Jahresbeginn an verzeichnet sie einen konstanten und kräftigen Anstieg. Seit Jahren war die Investitionsneigung der heimischen Betriebe nicht mehr so stark ausgeprägt wie im aktuellen Herbst. Gegenwärtig beabsichtigt mit 48 Prozent fast die Hälfte der Unternehmen, ihre Investitionspläne in den nächsten Monaten auszuweiten. 42 Prozent möchten ihr Investitionsbudget unverändert belassen. Nur jeder zehnte Betrieb plant eine entsprechende Kürzung. Nachdem die Investitionsbereitschaft der heimischen Unternehmen im Vorjahr noch recht verhalten ausgefallen war, schlagen mit dem anhaltenden Aufschwung nun die zuvor erwähnten günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – und hierbei insbesondere die niedrigen Zinsen – auf das Investitionsverhalten durch. Allerdings dient die Mehrzahl der inländischen Investitionen der Beschaffung von Ersatzbedarf und der Rationalisierung. Investitionen zur Produktinnovation und zur Kapazitätsausweitung stehen dahinter erkennbar zurück.

Dies erklärt auch, weshalb die regionale Wirtschaft ihre Beschäftigungsplanungen nicht in ähnlichem Maße wie ihre Investitionsplanungen ausweitet. Verglichen mit den starken Werten des Vorquartals haben die Unternehmen ihre personellen Planungen sogar etwas zurückgefahren. Dennoch verbleibt die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen im langjährigen Vergleich auf relativ hohem Niveau. So beabsichtigen 17 Prozent der Betriebe, ihre Kapazität an Arbeitsplätzen in den kommenden Monaten auszubauen. 19 Prozent der Unternehmen erwarten hingegen eine Reduzierung ihres Personalbestandes. Fast zwei Drittel der Betriebe rechnen mit unveränderten Mitarbeiterzahlen. Dass die Arbeitsplatzbilanz nicht positiver ausfällt, liegt auch daran, dass einstellungswillige Unternehmen ihren Mitarbeiterbedarf auf dem regionalen Arbeitsmarkt oft nicht decken können. 43 Prozent der befragten Betriebe können offene Stellen längerfristig nicht besetzen, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden. Infolgedessen sieht ein ebenso hoher Anteil der Unternehmen im Fachkräftemangel ein erhebliches Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung. 

Dynamische Industriekonjunktur

Das herbstliche Konjunkturhoch wird im Braunschweiger Wirtschaftsraum wesentlich durch die Industrieunternehmen mitgetragen. Derzeit zeigen sich die meisten Fabrikanten in guter oder gar bester Laune. Der Konjunkturklimaindikator für den Wirtschaftszweig legte um weitere 4 Punkte auf einen Wert von 118 zu. Ursächlich hierfür sind die erheblich verbesserten Rückmeldungen der Industriebetriebe zu ihrer aktuellen geschäftlichen Lage. So bezeichnen derzeit 46 Prozent der Industrieunternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut. Mit 52 Prozent schätzt mehr als die Hälfte der Befragten die Situation zumindest als zufriedenstellend ein. Lediglich eine kleine Minderheit von 2 Prozent der Industriebetriebe klagt über schlechte Geschäfte. Solch günstige Relationen konnten für die regionale Industrie zuletzt vor mehr als sechs Jahren verzeichnet werden. Viele Unternehmen berichten von gesteigerten Umsätzen und Erträgen sowie von einem sichtlich angestiegenen Auftragspolster. Die positive Stimmung hat sich in allen befragten Industriesektoren breit gemacht. Von merklichem geschäftlichen Wachstum berichten insbesondere die Hersteller von Ge- und Verbrauchsgütern (Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen: +55) sowie die Erzeuger von Vorleistungsgütern (Saldo: +50). Doch auch die Investitionsgüter-produzenten (Saldo: +37) melden einen lebhaften Geschäftsverlauf.

Auf die künftige Geschäftsentwicklung blicken die befragten Industriekapitäne mit etwas weniger Euphorie. 11 Prozent erwarten für die kommenden Monate eine Verbesserung ihrer geschäftlichen Lage. Annähernd drei Viertel der Unternehmen gehen von gleichbleibender Dynamik aus. 15 Prozent befürchten hingegen eine Eintrübung. Im Vergleich zum Vorquartal haben sich die Geschäftsaussichten der Industrie damit jedoch nur geringfügig verschlechtert. Wie schon im Sommer sind auch im Herbst die angesprochenen zahlreichen Unsicherheitsfaktoren, die noch im Frühjahr erhebliche Sorgen bereitet hatten, etwas in den Hintergrund getreten. Stattdessen richtet sich der Blick der Industriebetriebe verstärkt darauf, die Möglichkeiten des aktuellen wirtschaftlichen Aufschwungs zu nutzen. Neben den Umsatzerwartungen fallen auch die Exporterwartungen der regionalen Industrie für die kommenden Monate erfreulich aus. Auch die Investitionspläne der Branche sind ausgesprochen expansiv.

Zwiespalt im Großhandel

Der Großhandel ist der einzige unter den betrachteten Wirtschaftsbereichen, für den im dritten Quartal ein rückläufiger Konjunkturklimaindikator verzeichnet werden musste. Im Herbst ist er um 8 Punkte auf einen Wert von 120 abgesackt. Der Rückgang gründet sich allein auf die verschlechterten Rückmeldungen zur aktuellen Geschäftslage. Dabei zeigen sich die Grossisten zwiegespalten: Mit 43 Prozent bewertet ein erheblicher Teil der Befragten seine derzeitige Geschäftslage als gut. Dem steht mit 37 Prozent aber ein fast ebenso großer Anteil gegenüber, der seine aktuelle Lage als schlecht bezeichnet. Lediglich ein Fünftel der Großhändler empfindet die eigene geschäftliche Situation als befriedigend. Per Saldo hatte sowohl der Produktionsverbindungshandel zur Industrie als auch der Konsumgüterhandel im dritten Quartal mit einer nachlassenden Umsatz- und Ertragsdynamik zu kämpfen. Zudem sind die Lagerbestände für den Durchschnitt der Befragten angewachsen.

Dies tut den Erwartungen der Grossisten an den künftigen Geschäftsverlauf jedoch keinen Abbruch. So blicken die meisten regionalen Großhändler zuversichtlich nach vorn. 43 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden Monaten mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. Die Hälfte erwartet keine Veränderung und nur 7 Prozent fürchten schlechtere Geschäfte. Auch die Umsatzerwartungen für den weiteren Jahres-verlauf liegen per Saldo deutlich im positiven Bereich. Damit erweisen sich die Großhändler im Vergleich der einzelnen Wirtschaftszweige hinsichtlich der Zukunftsaussichten weiterhin als besonders optimistisch.

Erholungstendenz im Einzelhandel

Der Konjunkturklimaindikator für den Einzelhandel, der vor Jahresfrist zum Sinkflug angesetzt hatte, konnte sich im dritten Quartal des laufenden Jahres weiter erholen. Er kletterte um 7 Punkte auf einen Wert von 95. Sowohl günstigere Lagebewertungen als auch verbesserte Geschäftsaussichten leisteten hierzu ihren Beitrag. Was die aktuelle Geschäftslage angeht, bildet der Einzelhandel unter allen betrachteten Wirtschaftszweigen aber immer noch das Schlusslicht. Derzeit bezeichnen nur 15 Prozent der Einzelhändler ihre Geschäftslage als gut. 68 Prozent bewerten die Situation immerhin als zufriedenstellend. 17 Prozent der Händler sehen hingegen Grund zur Klage. Während die Geschäfte des stationären Einzelhandels stagnieren, berichten die Online-Händler von wachsenden Umsätzen. Generell leidet der stationäre Handel unter dem Kaufkraftabfluss in den Online-Handel und sorgt sich um die teilweise nachlassenden Passanten- und Kundenfrequenzen sowie um Leerstandsprobleme in innerstädtischen Lagen. Die Konsumneigung der Kunden wird zwar von der günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und den steigenden Realeinkommen der Verbraucher gestützt, bleibt aber dennoch hinter den Erwartungen des Handels zurück.

Beim Ausblick auf die kommenden Monate mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft schöpft der regionale Einzelhandel wieder etwas mehr Hoffnung. So fallen die Geschäftserwartungen im Herbst besser aus als in den drei vorangegangenen Umfragequartalen. Allerdings befinden sich die Skeptiker immer noch in der Mehrheit. Demnach rechnen 27 Prozent der befragten Händler mit rückläufigen Geschäften. Während 54 Prozent keine Veränderungen erwarten, gehen nur 19 Prozent von einem günstigeren Geschäftsverlauf aus.

Dienstleister als Jobmotoren

Der Dienstleistungssektor nimmt bereits seit längerer Zeit unangefochten die Spitzenstellung unter den betrachteten Wirtschaftsbereichen der IHK-Konjunkturumfrage ein. Mit einem Anstieg um 11 Punkte auf einen Wert von 150 konnte der branchenbezogene Konjunktur-klimaindikator sein bereits beachtliches Level im Herbst nochmals erhöhen. Nachdem die Dienstleistungskonjunktur in den beiden Vorquartalen auf hohem Niveau leicht abgeflaut war, legten die Lagebewertungen nun noch einmal kräftig zu. Aktuell sprechen mehr als drei Viertel der Dienstleister von einer guten Geschäftslage, ein knappes Viertel hält sie für befriedigend. Kein einziger befragter Dienstleistungsbetrieb ist mit seinem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden. In bester Laune zeigen sich vor allem Medien- und IT-Dienstleister, die anhaltend Neuaufträge im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung verbuchen können, sowie Dienstleister, die von der starken Immobiliennachfrage profitieren.

Die geschäftlichen Erwartungen der Dienstleister für die kommenden Monate bleiben zwar hinter den exzellenten Lagebeurteilungen etwas zurück, haben sich gegenüber dem Vorquartal aber auf hohem Niveau nochmals verbessert. Damit einhergehend fallen auch die Personalplanungen der Branche unverändert offensiv aus. Nach wie vor liegen die Dienstleister als Jobmotoren unter allen Wirtschaftsbereichen an erster Stelle, wobei der Beschäftigungsaufbau noch stärker ausfallen könnte, wenn genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stünden. Aufgrund der guten Auftragslage suchen zahlreiche Betriebe dringend nach qualifiziertem Personal. So verwundert es nicht, dass der Mangel an geeigneten Fachkräften für 81 Prozent der befragten Dienstleistungsunternehmen ein drängendes Problem darstellt.

Banken schöpfen Hoffnung

Der Konjunkturklimaindikator für das Kreditgewerbe wurde in der Vergangenheit durch einen tiefgreifenden Zukunftspessimismus in die Tiefe gezogen. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld, der fortgesetzte Margenverfall und die fortschreitende Bankenregulierung haben vielen Instituten schwer zu schaffen gemacht. Inzwischen blicken die Banken aber wieder etwas zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Zwar rechnen immer noch 42 Prozent der Befragten mit einer abflauenden Geschäftstätigkeit, die restlichen 58 Prozent erwarten jedoch ein gleichbleibendes oder gar günstigeres Geschäft. In den Vorquartalen war diese Relation noch erheblich ungünstiger ausgefallen. In der Folge hat sich auch der Konjunkturklimaindikator für das Kreditgewerbe weiter erholt. Er stieg um 4 Punkte auf einen Wert von 87 an.

Einen stärkeren Anstieg des Konjunkturklimaindikators haben die im Herbst etwas schwächeren Rückmeldungen der Banken zu ihrer aktuellen Geschäftslage verhindert. Dennoch kann diese durchaus als respektabel bezeichnet werden. Aktuell berichten 23 Prozent der befragten Kreditinstitute von einer dynamischen Geschäftstätigkeit. Mehr als zwei Drittel bewerten ihr Geschäft immerhin als zufriedenstellend. Nur jedes zehnte Unternehmen ist mit dem derzeitigen Geschäftsverlauf unzufrieden. Mit der Niedrigzinsproblematik haben sich die Banken inzwischen so weit wie möglich arrangiert. Sie berichten von einer lebhaften Kreditnachfrage bei geringen Ausfallraten. Dabei ist sowohl die Kreditvergabe an Privatkunden als auch diejenige an Unternehmen angewachsen.

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Dipl.-Geogr. Berndt Conradi

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