Tenzer regt Sozialtransferpreis der IHK an

Mittelständische Unternehmer mit großer Verantwortung für Gemeinwesen

Tenzer regt Sozialtransferpreis der IHK an

»Den Managern geht es nur um die Sicherung der eigenen Privilegien. Das ist der Eindruck, den viele Menschen durch die Finanzkrise gewonnen haben«, sagt der Braunschweiger Unternehmer Harald Tenzer, »dabei übernehmen viele mittelständische Unternehmer eine große Verantwortung für das Gemeinwesen. Leider ist dies viel zu wenig bekannt.« Tenzer regt daher an, dass die IHK neben ihrem Technologietransferpreis einen Sozialtransferpreis ins Leben ruft.

wirtschaft  Herr Tenzer, Sie machen sich Sorgen, dass durch die vielen Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit der Finanzkrise die »Soziale Marktwirtschaft« Schaden nehmen könnte.

Tenzer  In der Öffentlichkeit verfestigt sich durch die aktuellen Nachrichten ein Unternehmerbild, das einfach nicht den Tatsachen entspricht. Die mittelständischen Unternehmer, das spüre ich in Gesprächen immer wieder, werden hier in einen Topf geworfen mit den großen Konzernen. Dabei engagieren sich viele Mittelständler in vorbildlicher Weise und in einem erstaunlichen Umfang. Die Crux ist, dass dies von der Bevölkerung offensichtlich nicht hinreichend wahrgenommen wird. Das müssen wir ändern.

Und diejenigen Mittelständler, die sich bisher noch nicht im »Sozialen Bereich« engagieren, die möchte ich ein wenig nachdenklich machen. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Unternehmen in Zukunft verstärkt auch um die sozialen Probleme kümmern müssen. Der Staat ist zunehmend überfordert.

wirtschaft  Aber haben nicht einige Großunternehmen beim Thema Unternehmerische Sozialverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) eine Menge getan?

Tenzer  Für die Großkonzerne hat CSR doch nur eine Alibifunktion. Die sehen das hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt des Werbe­effekts.

wirtschaft  Wann wird der Sozialtransferpreis erstmals vergeben, und wer soll die Auszeichnung erhalten?

»Die Verleihung findet im Juni 2010 statt«

Tenzer  Die Verleihung ist für Juni 2010 vorgesehen. Wir wollen damit einen Unternehmer auszeichnen, der ein besonders vorbildliches soziales Projekt unterstützt. Als Anerkennung erhält er eine Urkunde und den Award (siehe Abbildung). Das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro dagegen fließt der sozialen Einrichtung zu, für die sich der Unternehmer eingesetzt hat.

Wer den Preis erhält, darüber entscheidet eine Jury, zu der auch Landesbischof Professor Friedrich Weber gehört. Die Jury-Mitglieder kommen übrigens aus den unterschiedlichsten sozialen Einrichtungen des IHK-Bezirks.

Tenzer: »Die Finanzierung des Sozialtransferpreises erfolgt über Sponsoren«

wirtschaft  Wer finanziert den Sozialtransferpreis?

Tenzer  Die Finanzierung wird über Sponsoren sichergestellt, belastet also nicht den IHK-Haushalt. Es überrascht mich, wie stark das Interesse bei den Betrieben ist, sich für fünf Jahre mit je 2000 Euro an der Finanzierung zu beteiligen. Und die Agentur Jenko Sternberg hat das Projekt übrigens spontan unterstützt und ein Logo sowie einen Award gestaltet. Ich bin zuversichtlich, dass es uns in den Folgejahren gelingt, die Preissumme sogar deutlich aufzustocken. Wir könnten dann mehrere Projekte prämieren.

wirtschaft  Was hat Sie zu der Idee eines Sozialtransferpreises inspiriert?

Tenzer  Ein Bericht in einer großen Tageszeitschrift mit der Überschrift »In gut gemeinten Projekten Millionen versenkt«, machte mich neugierig. Darin wurde moniert, dass die meisten Mittelständler, trotz diverser Bemühungen, soziale Verantwortung zu zeigen, nicht sonderlich professionell vorgehen und zudem den Fehler machen, über ihre guten Taten nicht zu reden.

Dabei geben deutsche Mittelständler jährlich rund drei Milliarden Euro für CSR-Programme aus. Um es auf den Punkt zu bringen: Viele Mittelständler sind nicht nur hilflos bei der Auswahl von sozialen Projekten, die sie unterstützen können, sondern sie nutzen ihre guten Taten auch nicht, um das Image ihres Unternehmens und das Image der Wirtschaft zu fördern. Das Geld wird sozusagen oft verschwendet.

Ich bin überzeugt, dass wir mit einem Sozialtransferpreis – übrigens der erste einer Industrie- und Handelskammer – ein neues Bewusstsein bei den Mittelständlern schaffen können. Wir werden viele auf den Geschmack bringen, sich im sozialen Bereich stärker zu engagieren.

Inspiriert worden bin ich aber auch durch das in unserer Region sehr erfolgreiche Projekt »Brücken bauen«.

Ich denke, wir werden alle überrascht sein, wie vielfältig soziales Engagement sein kann. Die IHK wird ein Aufbruchsignal für soziale Verantwortung senden, das keinen Unternehmer kalt lassen wird, davon bin ich überzeugt.

Im Übrigen kann sich das Unternehmen, das den Preis gewinnt, auf vielfältige Art damit schmücken, zum Beispiel, indem auf den Internetseiten des Betriebes darauf hingewiesen wird. 

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