Fachkräfte aus dem Ausland

Fachkräfte aus dem Ausland – eine Win-Win-Situation


Laut dem aktuellen  Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept wird die Altersgruppe der 20- bis 65-Jährigen bis zum Jahr 2030 um etwa 5,1 Millionen zurückgehen. Im Jahr 2030 wird es mit 40,8 Millionen etwa 1 Millionen weniger Fachkräfte geben, als in 2013.

Bisher treten Engpässe nur in Bezug auf bestimmte Qualifikationen, Branchen und Regionen auf. In Gesundheits- und Pflegeberufen sowie technischen Berufen ist schon derzeit ein Mangel zu erkennen. Der Rückgang der deutschen Bevölkerung und ihre zunehmende Alterung stellen die Unternehmen zukünftig vor größeren Herausforderungen bei der Fachkräftesicherung. Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, muss Deutschland auch das Potential qualifizierter ausländischer Fachkräfte nutzen.

Ausländische Fachkräfte in Deutschland

Deutschland konnte 2013 von einem Wanderungsüberschuss von 437.000 Menschen profitieren. Jedoch kam nur ein Drittel der Zuwanderer aus nicht EU-Ländern (DIHK 2014). Absolut betrachtet ist die Zahl der hochqualifizierten Zuwanderer gestiegen, in Bezug auf die Gesamtzahl ist ihr Anteil von 46 Prozent, im Jahr 2010, auf 39 Prozent in 2013 leicht gesunken.

Das durchschnittliche Bildungsniveau der Neuzuwanderer liegt deutlich über dem Niveau vieler Deutscher und der in Deutschland länger lebenden Migranten (IAB 2015). Die Bereitschaft der Unternehmen steigt, qualifizierte Fachkräfte aus anderen Staaten einzustellen. Im Jahr 2013 gaben 21 Prozent von 20.000 befragten Unternehmen an, sich um qualifizierte Fachkräfte aus anderen Staaten zu bemühen (2011: 12 Prozent) (DIHK 2014).

Eine genaue Prognose zukünftiger Fachkräfteengpässe ist schwierig, einen langfristig steigenden Fachkräftemangel sagen verschiedene Bevölkerungsszenarien dennoch voraus.

Warum lohnt es sich ausländische Fachkräfte zu akquirieren?

Mit der Suche ausländischer Zuwanderer vergrößert ein Unternehmen die Auswahl an Bewerbern mit geforderten Qualifikationen und kann freie Stellen besetzen, die sonst an weniger Qualifizierte vergeben werden müssten. Aufgrund anderer Bildungslaufbahnen und Herangehensweisen an Probleme können die Zuwanderer dem Unternehmen neue Optionen aufzeigen.

Mut und starke Belastbarkeit zeichnen viele ausländische Fachkräfte aus. Zudem bringen sie ihre Kenntnisse über Standortbedingungen und Gewohnheiten ihres Herkunftslandes in das Unternehmen ein. Hieraus können sich eine verbesserte Kundenanalyse und Anpassung der Produkte sowie Werbung für neue Märkte ergeben.

 

Indem Weltoffenheit und Toleranz gezeigt wird, kann das Unternehmen seine Attraktivität als Arbeitgeber und sein Bekanntheitsgrad steigern. Nicht zuletzt tragen ausländische Fachkräfte mit ihren Leistungen zum deutschen Sozialversicherungssystem bei.

 

Viele Betriebe, die Erfahrungen mit ausländischen Fachkräften gemacht haben, sprechen von einer Win-Win-Situation.


Aufenthalt und Erwerbstätigkeit von Zuwanderern

Je nach Herkunft der ausländischen Fachkraft und deren Qualifikation gibt es unterschiedliche Einreisebestimmungen und Aufenthaltsgenehmigungen. Die folgende Grafik gibt bietet einen Überblick darüber.

 

Fachkräfte aus Drittstaaten

  • Vor der Einreise muss ein Visum (Link) bei der Auslandsvertretung beantragt werden.
  • Nach der Einreise muss eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Beschäftigung (§ 18 AufenthG) oder für eine Aufnahme einer Ausbildung/eines Studiums (§§ 16 und 17 AufenthG) beantragt werden.
  • Die Ausländerbehörde prüft, ob es sich um eine zustimmungspflichtige Beschäftigung handelt.
  • Bei zustimmungspflichtiger Beschäftigung prüft die Zentrale Auslands– und Fachvermittlung (ZAV)
    - ob inländische Arbeitnehmer oder Bürger aus EU– und EWR– Staaten für die konkrete Beschäftigung zur Verfügung stehen (Vorrangprüfung).
    - ob deutsche Arbeitsbedingungen eingehalten werden (Vergleichbarkeitsprüfung).
  • Optional kann vor Übermittlung einer Zustimmungsanfrage eine Vorabprüfung stattfinden: Es wird geprüft, ob Voraussetzungen des Arbeitsmarktes für eine konkrete Beschäftigung vorliegen.
  • In Ausnahmefällen ist keine Zustimmung oder Vorrangprüfung notwendig, z. B. bei der Blauen Karte EU (Link), bei bilateralen Vermittlungsabsprachen/internationalen Abkommen, bei Praktika, für bestimmte Beschäftigungsgruppen (z. B. Journalisten).


Regelungen für Hochqualifizierte (Hochschulabschluss)

  • Hochqualifizierte, wie Wissenschaftler mit besonderen fachlichen Kenntnissen und Lehrpersonen mit herausgehobener Funktion können eine Niederlassungserlaubnis erhalten (unbefristeter Aufenthalt; § 19 AufenthG).
  • Personen mit folgenden Voraussetzungen können eine Blaue Karte EU (befristeter Aufenthalt und Beschäftigung für Akademiker; § 19a AufenthG) erhalten.
    - Personengruppe 1: Hochschulabschluss, Mindestbruttoeinkommen pro Jahr 49.600 € (2016), keine Zustimmungserfordernis der ZAV
    - Personengruppe 2: Hochschulabschluss in Mangelberufen (MINT, Ärzte, IT), Mindestbruttoeinkommen pro Jahr 38.688 € (2016), Zustimmungserfordernis der ZAV


 Regelungen für Qualifizierte mit Ausbildung (ohne Hochschulabschluss)

  • Es können zudem beruflich qualifizierte Fachkräfte unterhalb des Hochschulniveaus eine Beschäfitung aufnehmen.
  • Hierzu muss entweder ein Fachkräftemangel im Zielberuf bestehen
    - d. h., es muss sich um ein Mangelberuf aus der Positivliste (u. a. Pflegekräfte, Klempner, Mechatroniker, Krankenpfleger) handeln
    - wobei die Vorrangprüfung entfällt
    oder eine bilaterale Vermittlungsabsprache gelten.
  • Es muss die Gleichwertigkeit mit einer inländischen qualifizierten Ausbildung festgestellt werden.

Regelungen für Gering– und Nichtqualifizierte

  • Eine Beschäftigung ist nur in Ausnahmen erlaubt.

 

Regelungen für Zuwanderer, die eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren möchten

Staatsangehörige aus EU-Ländern, Island, Liechtenstein, Norwegen sowie Schweiz

Für Zuwanderer zum Zweck der Ausbildung und des Studiums aus EU–Staaten, Island, Liechtenstein, Norwegen sowie der Schweiz gilt das Freizügigkeitsrecht. Sie benötigen weder ein Visum, noch einen Aufenthaltstitel.

Staatsangehörige aus Andorra, Australien, Brasilien, Honduras, Israel, Japan, Kanada, der Republik Korea, Monaco, Neuseeland, San Marino und den USA

Zuwanderer zum Zweck der Ausbildung und des Studiums  aus den oben genannten Ländern benötigen kein Visum zur Einreise, aber für einen Aufenthalt länger als drei Monate einen entsprechenden Aufenthaltstitel zum Zwecke der Ausbildung oder des Studiums.

Staatsangehörige aus Drittstaaten

Für die Einreise werden ein Visum und für die Zeit der Ausbildung/des Studiums ein Aufenthaltstitel benötigt.

Ausbildung

  • Zuwanderer aus Drittstaaten dürfen folgende Ausbildungen absolvieren:
    - eine qualifizierte schulische Berufsausbildung (§ 16 Abs. 5a AufenthG)
    - eine betriebliche Aus- und Weiterbildung, sogenannte duale Ausbildung (§ 17 Abs. 1 AufenthG). Bei den meisten Ausbildungen ist eine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit notwendig.
  • Bei Absolventen einer deutschen Auslandsschule, die eine qualifizierte betriebliche Ausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf in Deutschland anstreben, ist keine Zustimmung notwendig.
  • Nach einem erfolgreichem Abschluss der qualifizierten Berufsausbildung kann die Aufenthaltserlaubnis bis zu einem Jahr, zur Suche eines diesem Abschluss angemessenen Arbeitsplatzes, verlängert werden.
  • Eine (Neben-) Beschäftigung ist bis zu zehn Stunden pro Woche ist gestattet.

 

Studienbewerber

  • Studienbewerber, die bisher über keine Zulassung zu einer staatlich oder staatlich anerkannten Hochschule verfügen, können für die Studiumssuche einen Aufenthaltstitel für neun Monate erhalten. Voraussetzung hierfür ist eine Hochschulzugangsberechtigung.

 

Studierende

  • Studierende können eine Aufenthaltserlaubnis für mindestens einem Jahr und höchstens zwei Jahre erhalten. Das Studium muss Hauptzweck des Aufenthalts sein, daher ist kein Abend-, Wochenend- und Fernstudium möglich. Die Gültigkeitsdauer hängt vom Zweck des Aufenthalts ab: Sprachkurse - max. 12 Monate, Studienbewerbung - neun Monate, Studienzwecke 1-2 Jahre.
  • Eine Beschäftigung im Umfang einer studentischen Nebentätigkeit ist gestattet (bis 120 Tage oder 240 halbe Tage im Jahr).
  • Studierende mit einem Aufenthaltstitel in einem anderem EU-Land können auch eine Aufenthaltserlaubnis zu Studienzwecken in Deutschland erhalten.
  • Nach Beendigung des Studiums kann die Aufenthaltserlaubnis bis zu 18 Monate, zur Suche eines diesem Abschluss angemessenen Arbeitsplatzes, verlängert werden. 

 

Handlungsbedarf

 

Wenn auch in den letzten Jahren Verbesserungen in den Regelungen zur Zuwanderung ausländischer Fachkräfte stattfanden, bedarf es an einigen Stellen weiterer Optimierung (DIHK).

  • Es besteht Anpassungsbedarf beim Zuzugs– und Bleiberecht.
  • Gesamtes Zugangsverfahren von Visabeantragung bis zur Arbeitsaufnahme verkürzen und transparenter gestalten.
  • Liste der Mangelberufe im Bereich der Ausbildung, wie im Bereich Pflege, Gastronomie, und technischer Berufe erweitern.
  • Keine Vorrangprüfung durchführen für Ausbildungsbereiche, bei denen Bewerber knapp sind.
  • Umgehendes Daueraufenthaltsrecht für Hochschulabsolventen ermöglichen.
  • Gehaltsgrenze für die Blue-Card  für Hochschulabsolventen auf 40.000 Euro senken.
  • Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit vereinfachen z. B. Unterstützung durch Business Support Center bieten.
  • Angebote für Sprachförderung für ausländische Fachkräfte erweitern (z. B. Goethe-Institut) sowie frühestmögliche Sprachförderung für Asylbewerber ermöglichen.
  • Anerkennung von Qualifikationen weiter optimieren u. a. Identifizierung von Berufserfahrungen und Abschlüssen von Asylbewerbern.
  • Asylbewerbern nach einer Ausbildung Beschäftigungsangebot bieten (weniger Unsicherheiten für Unternehmer).
    - Es wird die 3+2 Regelung wird gefordert: Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen sollen nicht nur ein Bleiberecht für die Dauer ihrer dreijährigen Ausbildungszeit erhalten, sondern darüber hinaus auch in den folgenden zwei Jahren nicht abgeschoben werden.
  • Das Asylverfahren beschleunigen.
  • Missbrauch durch klare Regeln verhindern.
  • Mehr für ausländische Fachkräfte werben und Chancen aufzeigen (Blue-Card EU, Willkommens– und Begleitstrukturen ausbauen z. B. mehr kommunale Welcome-Center und Mentoren in Unternehmen).

 

Weiterführende Informationen

Die Broschüre "Bildung und Beruf in Deutschland" (Link) möchte Erwerbsmigranten und Menschen, die eine Berufsqualifikation oder ein Studium in Deutschland anstreben, einen rechtlichen Leitfaden zur Verfügung stellen.

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) (Link) sucht in Zusammenarbeit mit den örtlichen Agenturen für Arbeit weltweit Fachkräfte. Sie bietet viele Informationen rund um das Thema "Leben und Arbeiten in Deutschland".

Auf der Seite der Bundesarbeitsagentur finden Sie die aktuelle Positivliste (Liste der Mangelberufe) (Link).

Das mehrsprachige Willkommensportal "Make it in Germany" (Link) informiert zuwanderungsinteressierte Fachkräfte über ihre Karrierechancen. Das Portal enthält aktuelle Jobangebote in Engpassberufen und Informationen darüber, in welchen Branchen Fachkräfte gesucht werden (vor allem in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT)).

 

 

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Christiane Trabitz

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