Autonomes Fahren – Unsere Mobilität von morgen

Professor Dr. Volker Lüdemann

„Sind wir mutig genug?“ diese Frage stellte Professor Lüdemann in seinem Impulsvortrag nicht nur dem Publikum, er adressierte auch den Gesetzgeber. Anschaulich beschrieb er die großen Veränderungen, vor denen unsere Mobilität von morgen steht.

Dass es um viel gehen wird, das wurde bei der zentralen Podiumsdiskussion deutlich. Wer haftet bei einem Unfall durch ein nicht mehr vom Fahrer gesteuertes Fahrzeug? Was geschieht mit den während der Fahrt und mittels vielfältiger Sensorik gesammelten Daten? Darüber hinaus stellen sich existentielle Fragen für unsere Automobilindustrie, da das Automobil der Zukunft vielleicht nur noch austauschbare Hardware für Mobilitätsplattformen sein wird.

v.l. Professor Dr. Volker Lüdemann, Wirtschaftsminister Olaf Lies, Anje Gering, Kay Nehm, Dr. Hajo Schumacher

Minister Lies betonte, dass bei aller Kritik am derzeitigen rechtlichen Rahmen der Blick in die Zukunft zu richten ist und dass es aktiven Handelns bedarf. Sein Ministerium ist deshalb federführend bei der Umsetzung und Förderung des Testfelds Autonomes Fahren. Ein enger Partner ist hier das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit seinem Standort in Braunschweig. Ziel muss es sein, die Wertschöpfung der Mobilität nicht im globalisierten Wettbewerb zu verlieren. Hierzu gab es eine große Einigkeit unter den Diskutanten.

Umstrittener war, welches Augenmerk auf die kurzfristigen Schritte bei der Gestaltung des Rechtsrahmens zu legen sei. Kay Nehm sieht das aktuelle Rechtssystem für die Technologie des automatisierten Fahrens – Fahrzeuge, die also weiterhin von einem Fahrer zu steuern sind und nur temporär selbst fahren - durchaus als anwendbar an. Er fordert ein grundlegendes Umdenken in Bezug auf Fragen des Datenschutzes und des Umgangs mit unausweichlichen Unfallsituationen. Die völlig autonome Technik der Zukunft und auch das darauf anzuwendende Recht müssten eben sehr gut gemacht sein. Gibt es eine echte „Safety-by-Design“, dann wird auch die gesellschaftliche Akzeptanz für unausweichliche Unglücksfälle anders ausfallen.

Dr. Hajo Schumacher bezweifelte, ob die Gesellschaft schon verstanden hat, vor welch gravierenden Einschnitten sie steht. Gesetzgeberischer Aktionismus hilft seiner Ansicht nach genauso wenig weiter wie ein Verdrängen der Wahrheiten. Nur die ehrliche Konfrontation mit den disruptiven Vorgängen ermögliche, Wirtschaft und Wohlstand zu sichern.

Professor Lüdemann hob hervor, dass das Recht an den eigenen Daten immer mehr ausgehöhlt werde, aber auch er hält die rechtlichen Probleme für lösbar. „Schlaflose Nächte“ bereitet ihm eher die Frage, ob Deutschland vor dem Hintergrund der globalen Dynamik wirtschaftlich schnell genug sein wird, um die Schlüsseltechnologien hier zu behalten.

Weitere Links:

Autonomes Fahren: Ist Deutschland mutig genug? [Titelstory IHK wirtschaft 05/2017, ergänzt am 26.05.2017]

Autonomes ­Fahren – unsere Mobilität von morgen [Standpunkt IHK wirtschaft 05/2017, ergänzt am 26.05.2017]

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