MAN

Das Motorrad-Gespann mit Beiwagen besitzt Oliver Schubert nicht nur im Modell.
In Salzgitter werden schwere Lastwagen ab 18 Tonnen Gesamtgewicht hergestellt. Die Motorleistung reicht von 340 bis 530 PS.<br /><br />Fotos: Heinz Gramann

MAN setzt auf den "Zukunftsstandort Salzgitter"

Der MAN-Werkleiter, Oliver Schubert, ist für die Lkw-Montage am Standort Salzgitter optimistisch. "SZ" übersetzt er mit "Standort Zukunft" und hat dafür erstaunliche Zahlen parat. So ist die Produktivität im Verantwortungsbereich der Geschäfteinheit "Schwere Lkw" im Werk Salzgitter, in dem Lkw, Achsen und Kurbelwellen produziert werden, in den letzten Jahren um ca. 40 % gestiegen. MAN hat in Salzgitter mehr als 20 Millionen Euro für Kapazitätserweiterungen für die Lkw-Montage investiert, unter anderem in eine neue Ein-Linien-Fertigung. Wurden vor drei Jahren knapp 10 000 schwere Lkw montiert, werden es in diesem Jahr über 20 000 sein; ein Plus von 100 Prozent. Darüber hinaus wurde ein neues zukunftsfähiges Geschäftsfeld "ckd" nach dem Modell "Truck in the box" aufgebaut. Am Standort Salzgitter sind ca. 3000 Mitarbeiter beschäftigt.

wirtschaft   Das operative Ergebnis der MAN Nutzfahrzeuge AG hat sich im 1. Quartal im Vergleich zum GJ 2005 verdoppelt. Während viele Unternehmen in Deutschland über den rauen Wind der Globalisierung klagen, signalisieren Sie viel Optimismus und übersetzen das Salzgitter-Kennzeichen "SZ" mit "Standort Zukunft". Was macht Sie so zuversichtlich?

100 schwere Lastkraftwagen täglich

Schubert   Wir haben die Produktivität in den vergangenen 4 Jahren um ca. 40 Prozent gesteigert, ohne die Fertigungstiefe zu reduzieren und bauen heute täglich fast 100 schwere Lastkraftwagen. Diese Steigerung war ausschließlich durch unsere qualifizierten und motivierten Mitarbeiter möglich. Das Werk ist somit hervorragend für die Zukunft ausgerichtet.

wirtschaft   Die Auszeichnung mit dem "Manufacturing Excellence Award 2005" bestätigt diesen Erfolg.

Schubert   Wir freuen uns über diese Auszeichnung sehr, weil damit noch einmal gewürdigt wird, dass wir die Prioritäten richtig gesetzt haben, bei der Kundenorientierung genauso wie bei den Produkt- und Prozessinnovationen.

wirtschaft   Wie viele Mitarbeiter sind im Werk Salzgitter derzeit tätig?

Schubert   Am Standort Salzgitter sind ca. 3000 Mitarbeiter beschäftigt, jeweils ca. 1500 Mitarbeiter bei der MAN Nutzfahrzeuge AG und der NEOMAN Bus GmbH.

wirtschaft   Wird das geplante neue Werk bei Krakau, wo ab 2007 ebenfalls schwere Lastwagen gebaut werden, und die MAN-Aktivitäten in Indien Auswirkungen auf das Werk Salzgitter haben?

Schubert   MAN Nutzfahrzeuge verfolgt eine dezidierte Wachstumsstrategie: In 2010 sollen 100 000 Lkw p. a. und 10 000 Busse p. a. produziert und abgesetzt werden. Dies soll einerseits durch Marktanteilsgewinne in den westeuropäischen Volumenmärkten F, I, E und UK erreicht werden, andererseits durch die Konzentration auf die Wachstumsmärkte in Osteuropa, Russland und Asien. Mit dem neuen Werk bei Krakau und der Lkw-Produktion in Indien schafft MAN die dafür erforderlichen Produktionskapazitäten und sichert sich die Nähe zu diesen viel versprechenden Absatzmärkten. Gerade in den Zeiten der schnellen Veränderung ist Flexibilität ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil. Demnach müssen wir in Salzgitter unsere Kernprozesse ständig weiterentwickeln, um immer einen Schritt voraus zu sein.

wirtschaft   Welche Vorteile bietet die Ein-Linien-Fertigung in der Lkw-Montage?

Schubert   Als ich 1994 zu Porsche wechselte, hatte das Unternehmen ein ähnliches Montagekonzept wie die MAN Nutzfahrzeuge AG. Es gab damals eine Menge Veränderungen, unter anderem die Einführung der Ein-Linien-Fertigung, mit der wir gute Erfahrungen gemacht haben. Auch bei MAN sind wir seit wenigen Monaten mit diesem Montagekonzept sehr erfolgreich, obwohl ein Lkw deutlich variantenreicher als jeder Pkw ist.

Die Ein-Linien-Fertigung setzt eine intelligente Steuerung voraus, um die Montage ideal auszulasten. Montagebetriebsmittel können hingegen effizienter eingesetzt werden. Zudem kommt eine Verbesserung der logistischen Prozesse durch die Anlieferung an nur einen Anlieferort. Die Produktivitätssteigerung ergibt sich durch ein ideales Produktionssystem, also dem Zusammenspiel von Produktion und Logistik.

Truck in the box

wirtschaft   Ein weiteres Erfolgsprojekt ist "Truck in the box". Was verbirgt sich hinter dieser griffigen Umschreibung?

Schubert   Das ckd-Konzept (completly knocked down) nach dem Modell "Truck in the box" kommt aus zollrechtlichen Gründen in der Regel für unsere Überseekunden zum Einsatz. Fahrzeuge werden nicht fertig montiert, sondern so in Kisten verpackt, dass der Kunde diese direkt an seine Fertigungslinie bereitstellen kann. Der Materialsteuerungsprozess für die Serienfertigung in Salzgitter als auch für die ckd-Verpackung erfolgt nach dem gleichen Konzept. Durch die gemeinsame Nutzung von Bandvormontagen für Vorgruppierungen und der Serienlogistik ergeben sich Synergien. Die verpackten Fahrzeugsätze werden bei einem Logistikdienstleister containerisiert und zu unseren Kunden, z. B. nach Südafrika, Algerien, Marokko und Weißrussland, versandt. Dort erfolgt die Endmontage.

wirtschaft   Wie viele ckd-Einheiten haben Sie bisher absetzen können?

Schubert   Das Programm läuft seit Ende 2004. In dieser Zeit wurden 2000 Einheiten abgesetzt. Mittelfristig gehen wir durchaus von jährlich 5000 Einheiten aus.

wirtschaft   Wie viele Lastwagen, die heute in Salzgitter produziert werden, gehen in den Export?

Schubert   Rund 68 Prozent der Fahrzeuge werden im Ausland abgesetzt.

wirtschaft   Das MAN-Werk Salzgitter ist auch für eine exzellente Berufsausbildung bekannt.

Schubert   Es werden zurzeit 121 Auszubildende ausgebildet. Eine Besonderheit der Berufsausbildung ist die Entwicklung von jungen Ingenieuren, die vorab eine Facharbeiterprüfung bei der IHK abgelegt haben. Diese Ingenieure haben ihre Diplomprüfung mit der Gesamtnote "sehr gut" und "gut" bestanden. Darüber hinaus hat MAN sich im starken Maße im Rahmen eines Arbeitskreises an der Optimierung einer Facharbeiterprüfung im Verbund auch mit anderen Unternehmen beteiligt.

wirtschaft   Herr Schubert, Sie sind in Ludwigsburg geboren und in Neu-Ulm aufgewachsen. Während des Maschinenbaustudiums in Ulm haben Sie sich auf die Produktionstechnik konzentriert und sind nach dem Studium vier Jahre als Berater für die DaimlerChrysler AG und Porsche AG tätig gewesen, wo Sie sich im Besonderen mit der Produktions- und Fabrikplanung sowie logistischen Fragestellungen befasst haben. Ab 1994 haben Sie die massiven Veränderungsprozesse bei Porsche begleitet. Wann sind Sie zu MAN gekommen und welche Erfahrungen kamen Ihnen zugute?

Schubert   Im März 2001 bekam ich das Angebot zur MAN Nutzfahrzeuge AG nach München zu wechseln. Dort hatte gerade ein ähnlicher Veränderungsprozess begonnen, wie ich ihn bei Porsche erlebt hatte und mitgestalten durfte. Die bei Porsche gesammelten Erfahrungen konnte ich nutzen, um den Bereich Logistik sowie den Zentralbereich Planung- und Steuerung neu auszurichten und verantwortlich zu übernehmen. Im November 2004 wurde mir die Werkleitung und die Leitung Produktion Lkw in Salzgitter übertragen.

wirtschaft   Lassen Sie uns noch einen kurzen Blick auf den MAN-Konzern werfen.

Schubert   Die MAN Gruppe ist eines der führenden Fahrzeug-, Motoren- und Maschinenbauunternehmen in Europa mit jährlich rund 13 Mrd. € Umsatz. Mit der Veräußerung des Druckmaschinenbereiches zum 1. Juli 2006 konzentriert sich die MAN Gruppe auf die Bereiche Transport, Antrieb und Energie - kurz "Transport related Engineering". In den Geschäftsfeldern Lkw, Busse, Dieselmotoren, Turbomaschinen sowie Industriedienstleistungen beschäftigt MAN weltweit knapp 50000 Mitarbeiter. MAN Nutzfahrzeuge ist der dominierende Unternehmensbereich, es folgen bei den produzierenden Segmenten die Dieselmotoren und die Turbomaschinen. Die Industriedienstleistungen werden mit ihrer starken internationalen Verankerung und ihrer Kompetenz bei der Abwicklung großer Projekte die Gruppe insgesamt stärker unterstützen. Die MAN-Unternehmensbereiche halten führende Positionen auf ihren Märkten. Die MAN AG, München, ist Mitglied im Deutschen Aktienindex DAX der 30 führenden deutschen Aktiengesellschaften.

„SZ“ übersetzt Werksleiter Oliver Schubert mit „Standort Zukunft“. Unter dem MAN-Schriftzug erinnert der Büssing-Löwe an eine traditionsreiche Vergangenheit des Werks.<br /><br />Foto: Heinz Gramann.<br /><br />MAN „Schwere Lkw“<br /><br />Geschäftseinheit: „Schwere Lkw“ in Salzgitter der MAN Nutzfahrzeuge AG<br /><br />Branche: Herstellung von schweren Lastkraftwagen, Achsen und Kurbelwellen<br /><br />Jahresproduktion: 20 000 Lkw<br /><br />Mitarbeiter: 1500 Mitarbeiter in der Geschäftseinheit „Schwere Lkw“, Werk Salzgitter<br ><br />Exportanteil: 68 Prozent<br /><br />Werksleiter: Oliver Schubert (seit November 2004)<br /><br />Hauptsitz: München

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