Nicht nur die Windkraft

Jürgen Elstermann, Chef der FMA-Elstermann GmbH & Co. KG in Wendeburg
Riesige Läufer von Winkraftgeneratoren werden bei der FMA-Elstermann mechanisch bearbeitet.<br />Fotos: Heinz Gramann

"Nicht nur die Windkraft sorgt für kräftigen Aufwind"

Die Auftragseingänge steigen von Monat zu Monat. In vielen Vertragsgesprächen geht es kaum noch um die Preiskonditionen, sondern lediglich um die Frage des Lieferzeitpunkts. Maschinenbauunternehmen wie die FMA-Elstermann GmbH & Co. KG in Wendeburg im Landkreis Peine stehen derzeit unter Volldampf. Firmenchef Jürgen Elstermann ist sicher, dass sich diese Entwicklung auch 2008 fortsetzt.

Die Kundenliste des mittelständischen Unternehmens, das 44 Mitarbeiter beschäftigt, liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Industrie von Airbus bis zu den bekannten Wehrtechnikunternehmen. Für den kräftigen Aufwind sorgt als neuer Kundenkreis aber auch die Windkraftindustrie. Einige der bekanntesten Namen lassen in Wendeburg fertigen: Halbschalen für die mächtigen Windräder oder Spezial-Türzargen.

wirtschaft   Herr Elstermann, aus Ihrem Hause kommen derzeit am laufenden Band gute Nachrichten.

Elstermann   In den letzten drei Jahren sind unsere Umsätze um jeweils 25 Prozent gestiegen. Für 2007 rechnen wir mit einem Gesamtumsatz von 5 Millionen Euro. Und die Zahl der Mitarbeiter stieg in den letzten anderthalb Jahren von 30 auf 44.

Neue Werkhalle eingeweiht

wirtschaft   ...und Sie haben auch kräftig investiert.

Elstermann   Wir haben gerade eine neue Werkhalle eingeweiht mit einer Fertigungsfläche von 1800 Quadratmetern. Das Investitionsvolumen für das Gebäude und die neuen Maschinen liegt bei 1,5 Millionen Euro. Unsere gesamte Fertigungsfläche umfasst jetzt 5300 Quadratmeter.

wirtschaft   Die enorme Nachfrage zeigt, dass Sie im richtigen Maschinenbau-Segment tätig sind.

Elstermann Unsere Spezialität ist das Drehen, Fräsen und Schweißen besonders großer und schwerer Stahlteile. Hier haben wir in vielen Bereichen sozusagen eine Alleinstellung, genauso wie beim Kaltwalzen von Stahl bis zu einer Stärke von 70 Millimetern.

Für die neue Halle, in der jetzt auch unsere Karusselldrehmaschine steht, haben wir gerade eine Langdrehmaschine angeschafft, mit der zum Beispiel Generatorwellen von bis zu sechs Metern Länge, einem Durchmesser von 1,4 Metern und einem Gewicht bis zu 35 Tonnen gedreht werden können.

Relativ einmalig ist wohl auch, dass wir bei sechs Klassifikationsgesellschaften als Schweiß-Fachbetrieb zugelassen sind.

Die gute Maschinenbau-Konjunktur hängt natürlich auch mit der Nachfrage aus China, Indien und den Schwellenländern zusammen. So haben wir in diesem Jahr zum Beispiel im Auftrag von Siemens eine 54 Tonnen schwere Antriebswelle - das Herzstück des Generators - für ein Umkehrwalzwerk in Indien produziert. Unser Exportanteil liegt inzwischen über 25 Prozent.

wirtschaft   Ein relativ junger Kundenkreis sind die Windenergie-Unternehmen, mit denen Sie immer besser ins Geschäft kommen.

Elstermann   Inzwischen arbeiten wir für sehr viele Windkraftanlagen-Hersteller, darunter Nordex, Repower und Enercon. Bei uns werden zum Beispiel die riesigen "Läufer" der Windkraftgeneratoren mechanisch bearbeitet. Wir gelten aber auch als Spezialist für die Türzargen der Windtürme, die eine Stärke zwischen 40 und 100 Millimetern haben müssen, damit die Statik des Turms nicht gefährdet wird. Vor rund drei Jahren haben wir zehn dieser Spezialzargen produziert. Im nächsten Jahr werden es 1600 sein.

wirtschaft   Für das Airbus-Werk in Hamburg haben Sie vor knapp zwei Jahren vier riesige Edelstahl-Siebe produziert.

Elstermann   Die überdimensionalen Halbschalen werden beim Probelauf der Triebwerke des Airbusses A 380 als Schmutz-Filter sowie als Lärmschutz eingesetzt. Transportiert wurden die 6,50 Meter breiten und sieben Meter langen Teile nur ein kurzes Stück auf der Straße und dann über den Braunschweiger Hafen auf dem Wasserweg.

wirtschaft   Ihr Kundenkreis ist vielfältig und umfasst zum Beispiel auch die Wehrtechnikunternehmen.

Elstermann   Wir möchten uns einfach nicht der Gefahr aussetzen, von einem Kunden völlig abhängig zu sein, deshalb halten wir uns an die Regel, dass kein Kunde mehr als 20 Prozent Umsatzanteil bekommt.

wirtschaft   Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Elstermann   Wir werden demnächst mit dem Roboterschweißen beginnen. Dadurch wird bei kleineren Teilen der Durchlauf beschleunigt und die Qualität sogar noch verbessert, was vor allem bei sicherheits-kritischen Aufträgen zu einem verminderten Risiko führt.

wirtschaft   In der Septemberausgabe des Wirtschaftsmagazins Impulse wird die Kooperationsinitiative Maschinenbau, kurz KIM, vorgestellt und dabei im Besonderen hervorgehoben, dass der Austausch von Personal innerhalb des Unternehmensnetzwerks zur Kernaufgabe von KIM gehört. Was sagen Sie als KIM-Vorstandssprecher dazu?

Elstermann   Der Artikel ist Schnee von gestern. Der Personalaustausch spielt bei KIM seit anderthalb Jahren kaum noch eine Rolle. Heute sucht doch jedes Maschinenbauunternehmen händeringend nach geeigneten Fachkräften. Für die Bündelung des Einkaufs von Gas und Strom, aber auch von Werkzeugen, ist KIM natürlich nach wie vor wichtig für uns.

Die Kooperationsinitiative, an der 22 mittelständische Unternehmen beteiligt sind, hat aber auch dazu geführt, dass wir uns alle besser kennengelernt haben. Viele Aufträge, die früher nach draußen gegangen sind, bleiben heute in der Region.

<b>Produkte:</b><br />Apparate, Behälter, Rohrleitungen in Stahl und Edelstahl, Allgemeiner Maschinenbau, Mechanische Bearbeitung<br /><b>Mitarbeiter:</b><br />44<br /><b>Umsatz:</b><br />5 Millionen Euro (erwartet für 2007)<br /><b>Standort:</b><br />Wendeburg<br /><b>Exportanteil:</b><br />über 25 Prozent<br /><br />Foto: Heinz Gramann<br /><br />Persönliche Fragen an Jürgen Elstermann<br /><br /><b>Wie sieht die private Welt von Jürgen Elstermann aus?</b><br /> <br />Meine Frau hat mich von Anfang an kräftig unterstützt. Sie ist heute im Unternehmen für die Finanz- und Lohnbuchhaltung verantwortlich. Und im letzten Jahr ist auch mein Sohn (24) in das Unternehmen eingestiegen, während meine Tochter (17) noch das Gymnasium besucht. <br /><br /><b>Was tun Sie, um fit zu bleiben?</b><br /><br />Die Tennishalle auf unserem Nachbargrundstück ist schon sehr verlockend und mein Sohn hat mich bereits des öfteren zu einem Match herausgefordert. Ich glaube es wird Zeit, einmal zu testen, wie fit ich noch bin.<br /><br /><b>Welches ist Ihre Lieblingsbeschäftigung im privaten Bereich?</b><br /><br />Ich bin ein begeisterter Motorradfahrer, aber dazu habe ich leider viel zu wenig Zeit. Ab und an machen mir Heimwerkerarbeiten großen Spaß. Dabei kann ich besonders gut abschalten.

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