Musikgenuss ohne Kabelsalat

Viele Ideen für die perfekte Klangwelt

Perfekte Klangwelten: Udo Borgmann betreibt im Braunschweiger Technologiepark das High-Tech-Unternehmen Pan Acoustics.<br /><br />Foto: Jörg Scheibe
Präzise Klangsteuerung und Übertragung in Echtzeit: Jan Lüken (links) und Frank Laue.<br /><br />Foto: Jörg Scheibe

Udo Borgmann hat viele Ideen, wie man die perfekte Klangwelt im Wohnzimmer oder in der Stadthalle, im Bahnhof oder in der Disco, im Luxusliner oder in einer Nobelkarosse inszenieren kann. Er ist Chef eines kleinen, aber höchst kreativen Entwicklungsunternehmens im Technologiepark Braunschweig, das Spezialist in der digitalen Audiotechnik ist. Im Gespräch fallen ihm spontan immer wieder neue Produktchancen und Einsatzmöglichkeiten ein. Doch hat er als Unternehmer gelernt, sich auf einige wenige Produkte zu konzentrieren und diese offensiv zu vermarkten.

Borgmann ist studierter Elektrotechniker und leidenschaftlicher Klavierspieler. Elf Jahre arbeitete er als Entwickler erst für Studio- und dann für Funktechnik bei ANT/Bosch in Wolfenbüttel und in Salzgitter. 2002 machte er sich selbstständig und gründete das Unternehmen Pan Acoustics. "Es war ein schwieriger Start", schildert Borgmann. Er habe vor allem die teure Durststrecke zwischen der Entwicklung und der Marktreife von Produkten unterschätzt. Banken und Förderinstitutionen waren oft zurückhaltend: Er sei zu innovativ, hörte Borgmann mehrfach. Das empfand er einerseits als Lob, andererseits bremste es die geschäftliche Entwicklung. So musste Borgmann sich bisher weitgehend mit eigenem Kapital und erwirtschafteten Mitteln finanzieren. Immerhin gewann der kreative Erfinder zwei Gründerpreise in Braunschweig und Wolfsburg und besitzt einige Patente. Er beschäftigt inzwischen vier hoch qualifizierte Mitarbeiter.

10 000 Lautsprecher: Klangkonzept für Kreuzfahrtriesen Pride of America.

Borgmann setzt auf die digitale und drahtlose Tonübertragung per Funk. Dass diese Technologie Zukunft hat, leuchtet jedem Hifi-Nutzer ein, wenn er an das Kabelwirrwarr hinter der Gerätelandschaft im heimischen Wohnzimmer denkt. "Musikgenuss ohne Kabelsalat", heißt deshalb das Borgmannsche Motto. Die Funktechnik macht es möglich, es müssen lediglich kleine Empfänger - gespickt mit Elektronik - in inzwischen relativ kleinen Lautsprechern installiert werden.

So etwas können natürlich auch andere Anbieter, räumt Borgmann ein: "Aber wir bieten die bessere Qualität, mit einem Mehrkanalsystem eine präzisere Klangsteuerung und übertragen die Töne in Echtzeit". Entwickelt wurde dieses Konzept in Zusammenarbeit mit der TU Braunschweig.

Vergleichbares gebe es kaum auf dem Markt, stellt der elektronische Klangtüftler selbstbewusst fest. Das hat natürlich seinen Preis. Deshalb tritt das High-Tech-Unternehmen Pan Acoustics auch nicht auf dem hart umkämpften Konsumer-Markt mit seinen desaströsen Preisschlachten an. "Wir konzentrieren uns auf den professionellen Markt", fasst Borgmann zusammen. Sein Credo: Der Standort Deutschland kann nur mit technischen Innovationen und hochwertigen Produkten zu angemessenen Preisen bestehen.

Pan Acoustics entwickelt nicht nur eigene Produkte, die von Partnern gefertigt und vermarktet werden. Es wird auch für andere Unternehmen der Audiobranche entwickelt und es werden Einzelprojekte in der Raumbeschallung realisiert. Da werden beispielsweise in Kooperation mit dem Spezialisten ACS komplette Akustiksysteme für Veranstaltungshallen geplant und installiert. Für den Kreuzfahrtriesen "Pride of America" wurde ein Konzept erarbeitet, wie die rund 10 000 Lautsprecher an Bord in einem Netzwerk klanglich perfekt gesteuert werden können. Das Geschäft mit Schiffsausrüstern sei entwicklungsfähig, stellt Borgmann dazu fest.

"Wir haben inzwischen zwei marktreife eigene Produkte", berichtet Borgmann. Im Sommer kommt das Audiofunksystem "Pan-Beam" auf den Markt. Das Besondere: Kleine kompakte und leistungsstarke Boxen, bei denen der Schall in eine Richtung fokussiert wird. Dadurch werde der Klang vor allem in nachhallenden Räumen (etwa in Bahnhöfen) deutlich besser, stellt Borgmann fest: "Das können bisher nur drei Hersteller in der Welt".

Auch im Auto will Borgmann den Hörgenuss steigern. Dafür gibt es das System "Pan-Surround": Unter dem Fahrzeughimmel werden (noch verkabelt) bis zu 20 Mikro-Lautsprecher eingebaut, wobei zur Bedienung das normale Autoradio reicht. Damit werde auf jedem Platz im Auto ein Hörerlebnis wie im Konzertsaal erreicht, verspricht Borgmann und hat dafür Nobelkarossen wie Phaeton oder Touareg, aber auch großräumige Multi-Vans im Blick. Solche Systeme kosten je nach Fahrzeug und Klangumfang zwischen 1500 und 3000 Euro. Vertrieben werden sie vor allem über Auto-Veredler.

Borgmann denkt bereits an andere interessante Audio-Anwendungen: Etwa den "Senior-Sound"; mit dem schwerhörigen älteren Menschen mittels Korrektur der Hörfrequenzen eine bessere Klangwelt als bisher erschlossen werden könnte. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

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