Hoffmann: Wieder im Geschäft

„Es brummt“, sagt Tobias Hoffmann, „allerdings kommen die Aufträge überwiegend aus Ostasien und den USA, kaum aus Deutschland.“<br />Foto: Heinz Gramann
Hoffmann ist weltweit der einzige Hersteller von 50 bis 20.000 Litern pro Minute anbietet.<br />Foto: Heinz Gramann

Hoffmann: Wieder im Geschäft mit Rolls Royce

Rolls Royce Aerospace, Caterpillar, ZF, DaimlerChrysler und Hyundai - in der langen Kundenliste finden sich viele klingende Namen und der Auftragsbestand ist so groß wie nie zuvor. Die Hoffmann Maschinen- und Apparatebau GmbH in Lengede im Landkreis Peine, die mit weltweit 150 Mitarbeitern einen Umsatz von 20 Millionen Euro (Gruppe) erwirtschaftet, ist kerngesund. Jung, agil und begeisterungsfähig - der Firmenchef Tobias Hoffmann schreibt nicht nur regelmäßig tiefschwarze Zahlen, sondern verfügt zudem über eine nicht alltägliche Eigenkapital-Quote von 70 Prozent. Zum Kerngeschäft des expandierenden Unternehmens gehört der Bau von Filteranlagen zur Schleifölaufbereitung, mit in Teilbereichen führender Stellung auf dem Weltmarkt.

wirtschaft   Herr Hoffmann, Ihr Unternehmen hat in den letzten zehn Jahren den Umsatz vervierfacht und die Mitarbeiterzahl verdreifacht. Sie scheinen alles richtig gemacht zu haben.

Hoffmann   Wir sind nicht nur technologisch führend, sondern auch weltweit der einzige Hersteller, der das gesamte Spektrum an Filteranlagen von 50 bis 20.000 Liter pro Minute anbietet. Kundenspezifische Lösungen sind unsere Spezialität. Wir filtern bis zu 1 Mikron. Die gesamte Wertschöpfung findet in unserem Hause statt, von der Konstruktion über den Stahlbau bis zur Herstellung der Schaltschränke und Kühlaggregate. Hinzu kommen weltweite Installationen und Service. Für eine Schleifmaschine ist die Filteranlage das wertvollste und wichtigste Ergänzungsteil.

60 Prozent Export

wirtschaft   Welcher Markt ist aus Ihrer Sicht derzeit am interessantesten?

Hoffmann   Die Aufträge kommen heute überwiegend aus dem Ausland, im Besonderen aus Ostasien und den USA. Unser Exportanteil liegt inzwischen bei über 60 Prozent.

wirtschaft Konzentrieren Sie sich derzeit ausschließlich auf das Kerngeschäft, die Herstellung von Anlagen zur Schleiföl-Aufarbeitung oder halten Sie auch nach neuen Standbeinen für das Unternehmen Ausschau?

Hoffmann   Bei uns brummt es derzeit. Unser Auftragsbestand ist auf sieben Monate angewachsen und damit so groß wie nie zuvor. Wir werden uns daher weiter auf das Kerngeschäft konzentrieren, was sich letztlich in der herausragenden Qualität unserer Produkte niederschlägt. Rolls Royce Aerospace hat uns nicht ohne Grund bereits zum vierten Mal einen größeren Auftrag gegeben. Wir bekommen regelmäßig sehr gute Qualitätsbeurteilungen.

Was wir aber bald in Angriff nehmen wollen ist die Gründung eines Stützpunkts in Ostasien, um auch dort einfach näher am Kunden zu sein.

wirtschaft   In den letzten Jahren haben Sie kräftig in die Erweiterung und Modernisierung des Unternehmens investiert.

Hoffmann   Wir verfügen in Lengede und Broistedt heute über drei Standorte mit einer überbauten Fläche von insgesamt 12 000 Quadratmetern. Während der Hauptsitz sich nach wie vor auf dem Gelände des ehemaligen Schachtes Mathilde befindet, haben wir vor fünf Jahren eine weitere hochmoderne Fertigungsstätte mit 5000 Quadratmetern im Gewerbegebiet im nahen Ortsteil Broistedt errichtet. In den vergangenen sechs Jahren haben wir 5 Mio. Euro in Gebäude und Ausstattung investiert.

Gelungene Modernisierung

wirtschaft   Gerade haben Sie die Modernisierung des Hauptsitzes abgeschlossen und dabei einen sehr repräsentativen neuen Eingangsbereich geschaffen.

Hoffmann   Wir haben das Werkstattgebäude der ehemaligen Schachtanlage entkernt und einen großzügigen und ansprechenden Empfangsbereich geschaffen, in dem auch unser Vertrieb untergebracht ist. Damit haben wir endlich auch eine angemessene Visitenkarte für Besucher.

wirtschaft   Zu Ihrer Unternehmensgruppe gehören heute auch zwei Schwesterfirmen in den USA. Welche Bedeutung haben diese Betriebe für Sie und wie sind Ihre Erfahrungen?

Hoffmann   Bereits seit 20 Jahren fertigt ein 15 Mann-Betrieb in Detroit kleinere Filteranlagen und bedient damit eigene Kunden in Nordamerika. Zusätzlich haben wir vor sechs Jahren eine Serviceeinheit in Savannah eingerichtet, die kümmert sich um die zahlreichen komplexen Systeme aus unserer hiesigen Fertigung. Auf den US Markt können und wollen wir nicht verzichten. Unsere Kunden dort sind extrem anspruchsvoll in Bezug auf Service und die Klärungsphase bei Aufträgen dauert sehr lange, es werden unzählige Varianten geprüft. Aber wir sind darauf eingerichtet und kennen die Bedürfnisse.

wirtschaft   Es heißt, die Gemeinde Lengede sei besonders rührig in Sachen Wirtschaftsförderung und bei der Betreuung der ansässigen Betriebe. Wie ist es Ihnen ergangen?

Hoffmann   Ich kann diesen Eindruck nur bestätigen. Man spürt, dass unser Bürgermeister Hans-Hermann Baas früher einmal Unternehmer war. Wenn es um wirtschaftliche Fragen geht, muss man nicht weit ausholen, um die Zusammenhänge zu erläutern. Herr Baas und sein Wirtschaftsförderer Herr Werner kennen sich aus und sind immer erreichbar.

wirtschaft   Ihr Unternehmen arbeitet derzeit an der Kapazitätsgrenze. Was tun Sie, um Aufträge nicht ablehnen zu müssen?

Hoffmann   Wir stellen neues Personal ein, greifen in Teilbereichen auf Zeitarbeitskräfte zurück und arbeiten mit Subunternehmern zusammen.

Unternehmerisch denkende Abteilungsleiter

wirtschaft   Wie sehen Sie Ihre Funktion als Firmenchef?

Hoffmann   Sie werden staunen, ich habe einen ganz normalen Arbeitstag. Das ist möglich, weil ich mich auf meine Mitarbeiter verlassen kann und nicht immer und überall dabei sein muss. Ich kann mich zurücknehmen und den kreativen Köpfen im Unternehmen die entsprechende Handlungsfreiheit einräumen, vor allem, weil ich mit unternehmerisch denkenden Abteilungsleitern zusammen arbeite.

wirtschaft   Haben Sie es bereut, vor dem Einstieg ins väterliche Unternehmen in Lüneburg Betriebswirtschaft studiert zu haben?

Hoffmann   Im Gegenteil: Das war ein Generalistenstudium. Für die tägliche Arbeit halte ich besonders die Studienfächer Wirtschaftsenglisch, Recht und Rechnungswesen als nützlich. Außerdem habe ich einen kaufmännischen Lehrberuf.

wirtschaft   Im Jahre 2003 waren Sie Sprecher der Braunschweiger Wirtschaftsjunioren. Was war Ihre wichtigste Erfahrung? Welchen ehrenamtlichen Tätigkeiten widmen Sie sich heute?

Hoffmann   Ich habe insgesamt 5 Jahre im WJ Vorstand mitgearbeitet und erfahren, dass es überall, auf jeder Ebene, menschelt. Bodenständigkeit und Humor sind die beste Mischung. Es ergeben sich immer Freiräume, die man gut füllen kann, wenn man nur will. Heute leite ich den von mir gegründeten WJ Arbeitskreis Leggero, der sich um Geselliges und Kulturelles kümmert. Seit Jahren widme ich mich auch der zeitgenössischen Kunst durch mein Ehrenamt im Vorstand des Braunschweiger Kunstvereins. Und ich bin Rotarier im Club BS-Hanse geworden.

Cash-flow finanziert Wachstum

wirtschaft   Auf einen kurzen Blick in die Geschichte des 1971 von Ihrem Vater gegründeten Unternehmens sollten wir nicht verzichten.

Hoffmann   Mein Vater Georg Hoffmann hat vor 34 Jahren eine fensterlose Holzbaracke in der Alten Frankfurter Straße in Braunschweig gemietet und einfach losgelegt. Schon 1980 wurde es eng, so dass der Umzug nach Lengede notwendig wurde. Von der Stadt Braunschweig wurde meinem Vater seinerzeit kein Interesse an einem Verbleib entgegengebracht. Hier in Lengede wuchs das Unternehmen schnell und stetig, neue Produktreihen und Betriebsteile im In- und Ausland kamen hinzu. Schon früh teilte mein Vater das Unternehmen zu gleichen Teilen auf sich und drei Söhne auf, das weckte natürlich das Interesse am Fortbestand ganz enorm. Vor zehn Jahren stieg ich hier ein, seit 1996 war ich neben meinem Vater Geschäftsführender Gesellschafter und seit 2003 stehe ich nun allein auf der Brücke. So wie mein Bruder Oliver bei unserer FILCON GmbH in Ilsede. In meine Zeit fällt eine starke Internationalisierung des Geschäfts und die Expansion in Broistedt und USA. Ich meine, unser Generationswechsel hat gut funktioniert. Unsere Kunden meinen das auch und bestellen weiter in wachsenden Stückzahlen. In bestimmten Produktbreichen sind wir definitiv technisch weltweit führend. 90 Prozent des Wachstums finanzieren wir aus dem Cash-flow.

Persönliche Fragen an Tobias Hoffmann

1. Herr Hoffmann, Sie sind gerade 40 geworden. Wie sieht die private Welt von Tobias Hoffmann aus?

Vor 4 Monaten habe ich geheiratet und schon im Januar bekommen wir unser erstes Kind. Meine kleine Familie steht auf nicht absehbare Zeit an Nummer eins.

2. Was tun Sie, um fit zu bleiben? Sind Sie ein passabler Ski-Fahrer? Wo werden Sie Ihren Winterurlaub verbringen?

Ich jogge regelmäßig durch die schönen Braunschweiger Parks. Eine Skifreizeit mit Schussfahrt und Freunden ist im Engadin geplant.

3. Sie kochen und Sie reisen leidenschaftlich gern. Welche Vorlieben haben Sie dabei?

Da decken sich die faszinierenden Reiseziele genau mit den kulinarischen Vorlieben (Zufall?): Italien, Japan und alles Bodenständige aus der Heimat.

4. Sie haben ein Faible für zeitgenössische Kunst und arbeiten im Vorstand des Braunschweiger Kunstvereins mit. Was kann ein Unternehmer aus den Arbeiten guter Künstler lernen?

Das Konzept und die wechselnde Perspektive ist in Kunst und Beruf gleichermaßen wichtig. Das Konzept wird Markenzeichen und bringt Erfolg. Häufig wird Künstlern ja vorgeworfen, ihr Konzept sei nicht verständlich. Da halte ich gegen: Das Konzept ist erklärbar, man muss nur zuhören wollen. Und häufig genug bringen auch Unternehmer und Unternehmen ihre Kopfgeburten ungenügend kommuniziert an den Mann. Kunst bereichert.

Foto: Heinz Gramann<br /><br />Hoffmann<br /><br />Mitarbeiter: 150 in drei Unternehmen<br />Umsatz: 20 Millionen Euro<br />Branche: Bau von Filteranlagen zur Schleifölaufarbeitung<br />Standorte: Lengede, Detroit, Savannah<br />Geschäftsführer: Tobias Hoffmann<br />Exportanteil: 60 Prozent<br />Eigenkapital: 70 Prozent<br />gegründet: 1971

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Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsing. Peter Peckedrath

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