Hochaktiver Unternehmer

Helmut Streiff: Ein wirklich ungewöhnliches Mailing zur Neukundengewinnung, bei dem nicht nur ein bis zwei Prozent der Empfänger eine Reaktion gezeigt haben, sondern beachtliche 15 Prozent, zeigt, dass sich die Suche nach gute Ideen lohnt.<br /><br />Foto: Stefan Hähnsen
Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens: Die neue Firmenzentrale<br /><br />Foto: Stefan Hähnsen

Hochaktiver Unternehmer - Rasantes Wachstum

Der Unternehmer Helmut Streiff zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten Braunschweigs mit einem guten Geschäftssinn. Sein Name steht heute für eine vielgliedrige Firmengruppe, die neben dem Standbein Verpackungen und Logistik zum Beispiel auch im Elektronik-Bereich tätig ist, mit über 800 Mitarbeitern und 117 Mio. Euro Umsatz. Auch in diesem Jahr ist Helmut Streiff, der sich als Vizepräsident und in zahlreichen anderen Funktionen bei der IHK engagiert, hoch aktiv. So errichtet er gerade im Braunschweiger Industriegebiet Hansestraße ein neues Logistikzentrum mit einer Nutzfläche von 21.500 Quadratmetern, das an den Computer-Großhändler ALSO vermietet werden soll. Wir sprachen mit Helmut Streiff aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums von Streiff & Helmold, der Keimzelle der Streiff-Gruppe.

wirtschaft: Herr Streiff, man sagt Ihnen nach, dass Sie vor Ideen nur so sprudeln. Was tun Sie derzeit, um neue Kunden zu gewinnen?

Streiff: Die Neukundengewinnung funktioniert vor allem dann sehr gut, wenn es uns gelingt, Aufmerksamkeit zu wecken. Die Informationsflut ist heute einfach zu groß. Erfolgreiches Marketing setzt daher auf Überraschungsmomente und manchmal sind es die verrückten Dinge, mit denen man bei den Kunden in Erinnerung bleibt.

wirtschaft: Haben Sie ein Beispiel? Eine Marketing-Idee mit viel Response?

Wellpappe-BH als Werbegag

Streiff: Ein wirklich ungewöhnliches Mailing zur Neukundengewinnung, bei dem nicht nur ein bis zwei Prozent der Empfänger eine Reaktion gezeigt haben, sondern beachtliche 15 Prozent, zeigt, dass sich die Suche nach gute Ideen lohnt. Neben einem Werbebrief mit unserem erfolgreichen Leistungsspektrum hatten wir, um zu zeigen, was mit Verpackungsmaterial heute alles möglich ist, einen orangen BH aus Wellpappe beigefügt.

wirtschaft: Hat sich jemand beklagt?

Streiff: Die Aktion, die 450 Aussendungen umfasste, war ein großer Erfolg. Nur eine Empfängerin war von der Idee weniger begeistert.

wirtschaft: Wissen Sie schon, womit Sie in Ihrem nächsten Mailing die Empfänger überraschen werden?

Streiff: In unserem nächsten Mailing im November wird sich alles um das Thema Tango drehen. Neben einer CD mit Tango-Melodien erhalten die Empfänger einen überdimensional großen Scherenschnitt mit der Schrittfolge des Tangos. Der eine oder andere wird sich dadurch nicht nur an die Zeit seiner Tanzschule erinnern, sondern hoffentlich auch neugierig auf Streiff & Helmold werden. (Lieber Leser, wenn es Sie interessiert, fordern Sie ein Exemplar bei uns an unter info@streiff.de)

wirtschaft: Die erfolgreiche Expansion von Streiff & Helmold haben Sie vor knapp zwei Jahren mit dem Bau einer neuen Firmenzentrale im Braunschweiger Hafengebiet eindrucksvoll unterstrichen.

Streiff: Die neue Firmenzentrale neben dem bereits vorhandenen Logistikzentrum ist ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens und umfasst nun insgesamt eine Produktions- und Lagerfläche von 26.000 Quadratmetern sowie 5.500 Quadratmetern Verwaltung.

wirtschaft: Egal, ob es um Papier-, Karton-, Wellpappe-, Kunststoff- oder Holzverpackungen geht, die Ansprüche der Kunden werden immer höher. Wie gehen Sie mit ausgefallen Designwünschen um?

Streiff: Ein Werbe-Slogan von Honda lautet: "Unsere Kunden sind deshalb so zufrieden, weil wir es nicht sind." - Es geht doch heute darum, die Kundenerwartungen zu übertreffen, ihn mit ausgefallenen eigenen Design-Ideen zu überraschen. Zwei unserer eigenen Slogans waren übrigens eindeutig vor Anderen: "Geht nicht, gibt's nicht" und "Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt".

wirtschaft: Wird sich der Fertigungsschwerpunkt in den nächsten Jahren verändern?

Ein besonderer Coup: Setron

Streiff: Den Schwerpunkt sehen wir auch in Zukunft bei der Papier- und Pappverpackung, vor allem auch unter ökologischen Gesichtspunkten. Während wir früher viel für die Rundfunk- und Fernseh-Industrie gearbeitet haben, sind wir heute für die Elektronikindustrie, den Handel und die Hersteller hochwertiger Konsumgüter tätig. So freuen wir uns zum Beispiel im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft auf das gute Geschäft in diesem Bereich.

wirtschaft: Ein besonderer Coup ist Ihnen im Jahre 2000 gelungen. Nach abenteuerlichen Verhandlungsrunden und dem Glück des Tüchtigen haben Sie das hochrentable Braunschweiger Unternehmen SETRON übernehmen können, das als Distributor für elektronische Bauteile tätig ist.

Streiff: SETRON hat im letzten Jahr einen Umsatzsprung von über 30 Prozent auf jetzt 34 Millionen Euro gemacht. Die Mitarbeiterzahl ist inzwischen auf 115 angewachsen. Das ständig verfügbare Lager-Sortiment umfasst auf 6.400 Quadratmetern Fläche rund 40.000 Artikel.

wirtschaft: Sie sind gerade in die Finalrunde des Wettbewerbs "Entrepreneur des Jahres 2005" eingezogen. Was, vermuten Sie, hat die Jury überzeugt?

Streiff: Unser Umsatz ist in den letzten 10 Jahren durch internes Wachstum, aber auch durch Firmenübernahmen um weit über 300 Prozent gewachsen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass der Jury die zahlreichen innovativen Veränderungen in unserem Unternehmen gefallen haben. Aber ganz ehrlich, eigentlich ist es nur Glück, die richtige Präsentation zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Betrachter vorgenommen zu haben.

wirtschaft: Streiff & Helmold bildet seit 1947 aus. Wie haben Sie auf die wiederkehrenden Schreckensmeldungen über die Bildungsmisere in unserem Land reagiert?

Streiff: Wir haben die Ärmel hochgekrempelt und den Einser-Club ins Leben gerufen. Um den Wert von Bildung zu verdeutlichen und eine zusätzliche Motivation zum Lernen zu geben, bekommen die Auszubildenden für jede geschriebene Note "1" ein Gramm Gold.

wirtschaft: Auffällig ist immer wieder, dass sich erfolgreiche Unternehmer auch für verantwortungsvolle Ehrenämter zur Verfügung stellen. Welche sind Ihnen derzeit besonders wichtig?

Streiff: An die Arbeit in der IHK, die ich heute als Vizepräsident, als Vorsitzender des Industrieausschusses und in vielen anderen Funktionen begleite, bin ich bereits als Mitglied und Sprecher der Wirtschaftsjunioren herangeführt worden. Als Vorsitzender des Industrie-Wahlausschusses habe ich mich gerade dafür eingesetzt, dass sich möglichst viele Unternehmer zur Wahl stellen. Aber wenn Sie mich fragen, was mir am meisten Freude bereitet, dann der Vorsitz im Commerce-Skat-Club.

wirtschaft: Herr Streiff, Sie sind Bewunderer des Wolfenbütteler Unternehmers Gerhard Kubetschek, einer schillernden Figur der Wirtschaftswunderzeit, der als erster Musiktruhen und Ton-Möbel produzierte. Um das Lebenswerk Kubetscheks der Nachwelt näher zu bringen, errichten Sie im ehemaligen Kuba-Werk in Wolfenbüttel gerade ein Museum. Darüber hinaus haben Sie vor einem halben Jahr ein Buch über Kubetschek herausgegeben, das an ein spannendes Kapitel regionaler Wirtschaftsgeschichte erinnert. Was fasziniert Sie an Gerhard Kubetschek?

Streiff: Sein Einfallsreichtum und sein erstaunliches Gespür für den Markt: Er hatte seinen Betrieb, der in der Hochzeit 4.000 Mitarbeiter beschäftigte, in der Hand, ließ sich kein Detail der Planung, Entwicklung und des Vertriebes entgehen. Er war ein Schlitzohr im positiven Sinne, gleichzeitig aber auch ein eisern disziplinierter, kreativer, ungeheuer fleißiger Kaufmann. Und vor allem: Er war immer schneller als die anderen. Ab und zu startete er einen Versuchsballon und verstand es dabei, die Aufmerksamkeit der Käufer mit überraschenden Paukenschlägen auf sich zu ziehen.

Das Geheimnis der Langlebigkeit

wirtschaft: Am 30. September haben Sie ein ungewöhnliches Jubiläum gefeiert. Streiff & Helmold wurde 125 Jahre. Verraten Sie uns das Geheimnis dieser Langlebigkeit?

Streiff: Das ist genau so wie bei den Menschen. Der durchschnittliche Hundertjährige führt ein Leben der Abstinenz, der Vorsicht und der Zurückhaltung. Aber im Ernst: Entscheidend sind neben einem Quäntchen Glück doch vor allem die Fähigkeiten, Begabungen und das Wissen der Menschen. Ich danke deshalb allen unseren Mitarbeitern und besonders meinen Eltern Ilse und Herbert Streiff, die das Unternehmen von 1945 bis 1974 geführt haben und die schwierigen Jahre des Wiederaufbaues durchstehen mussten.

Persönliche Fragen an Helmut Streiff

1. Wie sieht die private Welt von Helmut Streiff aus?

Streiff: Meine Frau Uschi, meine Kinder Jan, Sven, Tina und ich, wir fühlen uns in Braunschweig sehr wohl. Ich hoffe, dass ich für meine Kinder in meiner Funktion als Unternehmer kein abschreckendes Beispiel war und die vierte Generation bei Streiff & Helmold einmal gut vertreten sein wird. Deutschland mangelt es ja nicht nur an guten Politikern, sondern auch an guten Unternehmern.

2. Um fit zu bleiben, pflegen Sie eine Reihe sportlicher Aktivitäten. Was reizt Sie, Marathon zu laufen?

Streiff: Eigentlich reizt es mich gar nicht, weil es eine mörderische Tortur ist. Ich bin bisher zweimal in Berlin gelaufen. Im letzten Jahr waren wir eine Gruppe von 6 Läufern, die sich 9 Monate dafür vorbereitet haben. Das Wir-Gefühl währen der Trainingsphase, der Zusammenhalt während des eigentlichen Laufes und das Glücksgefühl, als wir gemeinsam durchs Ziel gelaufen sind, das sind Dinge, die ich nicht missen möchte. Ähnlich war es bei der Besteigung des Kilimandscharos, hier hat natürlich noch der einmalige Eindruck der Landschaft mit dazu beigetragen.

3. Sie waren lange Zeit Vorsitzender der Vereins DesignTransfer. Wie wichtig ist gutes Design für den Produkterfolg?

Streiff: Ich glaube, dass wenige Unternehmer überhaupt wissen, was Design genau ist und seine Bedeutung daher auch nicht richtig einschätzen können. Gutes Design umfasst mehr als nur das Aussehen eines Produkts. Lässt sich die Verpackung leicht öffnen? Kann man das Produkt mit wenigen Handgriffen zusammenbauen? Ist sichergestellt, dass sich das Produkt einfach bedienen lässt? All diese Aspekte gehören zu einem guten Design.

4. Ist das Thema Oldtimer für Sie noch interessant? Immerhin besitzen Sie zehn Modelle, darunter die legendäre Tin Lizzy aus dem Jahre 1926.

Streiff: Oldtimer haben für mich etwas an Faszination verloren. Vielleicht kommt das wieder, wenn ich dafür wieder mehr Zeit habe.

<b>Streiff-Gruppe</b><br /><br />Mitarbeiter: <br />über 800 in 11 Unternehmen<br /><br />Umsatz:<br />117 Mio. Euro<br /><br />Branchen:<br />Verpackungen und Druckerzeugnisse, Logistik, Elektronik-Distribution, Folien- und Spritzgussherstellung usw.<br /><br />Standorte:<br />Braunschweig (Hauptsitz), Barsinghausen, Dohna bei Dresden,Halberstadt und Melsungen<br /><br />Geschäftsführer: <br />Helmut Streiff<br /><br />gegründet:<br />1880

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Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsing. Peter Peckedrath

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