Herbst: Marktführer bei Spezialmaschinen

Geschäftsführer Siegfried G. Herbst
Bild oben:<br />Die riesige Einlagerungsmaschine arbeitet vollautomatisch und präzise auf den Millimeter genau. Sie wurde kürzlich in Braunschweig internationalen Experten präsentiert.<br /><br />Bild unten:<br />Das zweite Standbein des Unternehmens: Der Handel und die Wartung von Gabelstaplern und Lagergeräten. Fotos: okerland-archiv

Herbst: Marktführer bei Spezialmaschinen für unter Tage

Spezialmaschinen und Spezialfahrzeuge made in Braunschweig sind in vielen deutschen Bergwerken und Lagerstätten für radioaktive Abfälle im Einsatz. Sie sind für die ganz besonderen Anforderungen unter Tage entwickelt worden. Deshalb sind sie robust, sehr niedrig und extrem sicher. Das Unternehmen HFH Herbst Förder- und Hebetechnik ist auf diesem interessanten Nischenmarkt Marktführer in Deutschland und geht nun auch auf Auslandsmärkte. Für die nächsten Jahre ist ein kräftiges Wachstum geplant, kündigt Unternehmens-Chef Siegfried G. Herbst im Gespräch an.

wirtschaft   Sie handeln einerseits mit Gabelstaplern und Lagertechnik, andererseits bauen sie Spezialmaschinen für die Industrie, für den Bergbau und für die Einlagerung radioaktiver Abfälle. Wie passt das zusammen?

Siegfried G. Herbst   Das hat sich so ergeben. Ich habe 1981 mit dem Stapler-Handel angefangen. Der Spezialmaschinenbau war zunächst mein Hobby. Im Handelsgeschäft hatte ich auch Kunden aus der Atombranche. Ich war dabei oft unter Tage und habe gesehen, dass die handelsüblichen Fahrzeuge und Maschinen nicht besonders gut für diese speziellen Aufgaben geeignet waren. Da habe ich 1985 angefangen, Spezialmaschinen zu bauen.

wirtschaft   Woher hatten Sie das Know-how dafür?

Siegfried G. Herbst   Ich habe gute Leute, vor allem Konstrukteure, eingestellt und habe zudem eng mit der TU Braunschweig und dem TÜV zusammengearbeitet.

wirtschaft   Und wie läuft dieses Geschäft?

Siegfried G. Herbst   Geräte von uns sind beispielsweise in den End- und Erprobungslagern Asse, Morsleben und Schacht Konrad, auch in Gorleben im Einsatz. Das sind spezielle Stapler oder Transport- und Bühnenfahrzeuge. Es ist ein Wachstumsmarkt: Ganz gleich wie es mit der Nutzung der Kernenergie weiter geht - die vielen bereits abgebrannten und vorerst nur zwischengelagerten Kernbrennstäbe müssen ja auf jeden Fall unter Tage endgelagert werden.

"Weltweit erste mobile Transportmaschine für abgebrannte Kernbrennstäbe"

wirtschaft   Sie bauen gerade eine Riesenmaschine für die Erprobung der Endlagerung in Schweden. Die ist 14 Meter lang, vier Meter hoch und wiegt 98 Tonnen.

Siegfried G. Herbst   Es ist die weltweit erste mobile Transport- und Einlagerungsmaschine für abgebrannte Kernbrennstäbe. Sie soll ab Herbst dieses Jahres im schwedischen Erprobungs-Endlager, 600 Meter tief unter der Ostsee, zunächst getestet werden. Sie ist komplett von uns entwickelt worden und kostet 3,5 Millionen Euro. Die Maschine arbeitet vollautomatisch, ist höchst beweglich und kann zugleich extrem präzise auf den Millimeter genau positioniert werden.

wirtschaft   Ist das ein neuer Markt?

Siegfried G. Herbst   Wir haben die Maschine kürzlich in Braunschweig rund 100 Experten aus aller Welt präsentiert. Die Resonanz ist stark, es gibt bereits erste Anfragen aus Japan und aus den USA.

wirtschaft   Bauen Sie Spezialmaschinen auch für andere Bereiche?

Siegfried G. Herbst   Ja. Das Geschäft mit der Atombranche war Ende der 80er Jahre
noch sehr zögerlich und instabil. Deshalb beschloss ich Anfang der 90er Jahre, unser gewachsenes Know-How für den Bau von Fahrzeugen und Maschinen für den konventionellen Bergbau zu nutzen. Heute gehören alle deutschen Salzbergwerke zu unseren Kunden. Wir dominieren inzwischen diesen Nischenmarkt und wollen jetzt auf ausländische Märkte gehen.

wirtschaft   Gibt es weitere Nischenmärkte?

Siegfried G. Herbst   Wir bauen seit sechs Jahren sehr erfolgreich starke Kompaktstapler für die Industrie. Die können Lasten bis zu 80 Tonnen bewegen, was etwa für die Stahl- oder Autozulieferindustrie, aber auch die Windenergiebranche interessant ist. Hier sind wir Marktführer in Deutschland und haben bisher 300 Geräte verkauft.

"Alle deutschen Salzbergwerke gehören heute zu unseren Kunden"

wirtschaft   Und wie sehen Sie die Zukunft im Spezialmaschinenbau?

Siegfried G. Herbst   Insgesamt gut. Vor allem das Industriegeschäft brummt. Wir bieten inzwischen insgesamt 42 verschiedene standardisierte Spezialmaschinen an: Vom Kompaktstapler bis zu Spezialkränen, von Sattelschleppern bis zu Abbaumaschinen unter Tage. Wir wollen bis zum Jahr 2012 unseren Umsatz auf 12 Millionen Euro fast verdoppeln und dabei auch neue Jobs schaffen.

wirtschaft   Und wie läuft das Stammgeschäft, der Handel mit neuen und gebrauchten Staplern und Lagergeräten?

Siegfried G. Herbst   Es ist ein kontinuierliches Geschäft. Wir sind Marktführer in der Region, weil wir einen guten Service bieten und stark auf Nischenprodukte, etwa Seitenstapler und Teleskopstapler sowie auf die Vermietung setzen.

wirtschaft   Sie haben in den vergangenen Jahren Ihr Unternehmen umstrukturiert. Warum?

Siegfried G.   Herbst Ich bin 63 Jahre alt und habe keinen Nachfolger in der Familie. Mein Sohn will nicht ins Unternehmen einsteigen. Also habe ich vor drei Jahren begonnen, eine interne Nachfolgeregelung zu entwickeln. So soll das Unternehmen und die Arbeitsplätze gesichert werden.

wirtschaft   Und wie sieht die aus?

Siegfried G. Herbst   Ich habe für die beiden Geschäftsbereiche jeweils eine Tochterfirmen gegründet und die Geschäftsführer beteiligt. Ich ziehe mich schrittweise aus dem operativen Geschäft zurück und stelle meine Erfahrung per Beratervertrag zur Verfügung. Diese Regelung hat sich bewährt, die Geschäfte laufen gut.

wirtschaft   Schmerzt es nicht, wenn Sie sich zu einem Zeitpunkt zurückziehen, in dem das Unternehmen neu durchstartet?

Siegfried G. Herbst   Sicher bedaure ich das. Es macht ja Spaß, an dieser neuen Entwicklung zu arbeiten. Aber man muss eine Nachfolge rechtzeitig regeln und dann auch konsequent umsetzen.

Persönliche Fragen an Siegfried G. Herbst

wirtschaft   Wie hält man sich für einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag fit?

Siegfried G. Herbst   Ich treibe täglich etwas Sport: Entweder jogge ich morgens oder arbeite am Trainingsgerät. Zweimal in der Woche schwimme ich. Auch Gartenarbeit macht fit.

wirtschaft   Bleibt noch Zeit für Hobbys?

Siegfried G. Herbst   Wenig. Ich verreise gern mit meiner Frau im eigenen Wohnmobil. Unser Lieblingsland ist Italien. Außerdem lese ich gern, vor allem technische Fachliteratur. Ich interessiere mich auch für Astronomie und Weltraumtechnik. Deshalb sind alle unsere Maschinen nach Sternen-Namen benannt: von Arktur über Orion bis Taurus.

Herbst<br /><br />Produkte:<br />Handel mit Gabelstaplern und Lagertechnik. Bau von Spezialmaschinen für die Industrie, für den Bergbau und für die Einlagerung radioaktiver Abfälle und Kernbrennstäbe.<br />Gruppe:<br />Die Holding HFH Herbst Förder- und Hebetechnik ist an beiden Töchtern HFH Herbst Gabelstapler und Lagertechnik GmbH und HFH Herbst Spezialfahrzeuge und Bergwerksmaschinen GmbH beteiligt. Deren Geschäftsführer halten 40 bzw. 51 Prozent.<br />Umsatz:<br />In der Gruppe 2008 rund 14,4 Millionen Euro <br />Mitarbeiter:<br />Insgesamt 70 <br />Geschäftsführer:<br />Siegfried G. Herbst (Holding), Rolf Böttcher und Torsten Koch (Gabelstapler), Manfred Meyering und Volker Herfurth (Spezialmaschinen)<br />Gründungsjahr:<br />1981

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