C&S-Group aus Wolfenbüttel

"Wir erwirtschaften 90 Prozent der Drittmittel", Professor Lawrenz<br /><br />Fotos: Hübner

C&S-Group aus Wolfenbüttel: "Wir sind weltweit die Nr. 1"

Professor Wolfhard Lawrenz gehört nicht zu den Leisetretern hierzulande, seine Sätze zeugen von einem gesunden Selbstvertrauen. "Wir sind die Retter der Autoindustrie", sagt Lawrenz. Wir - das ist die C&S-Group aus dem Fachbereich Informatik der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel. C&S (communication & systems) zählt wohl zu den interessantesten Unternehmen in der Region, und dafür gibt es gleich zwei Gründe.

Zum einen: Im Auftrag der Automobilindustrie prüft C&S mit seinen auf dem Campus in Wolfenbüttel entwickelten Testsystemen Chips und entsprechende Software für unterschiedliche automobile Kommunikations-Protokolle wie CAN (Controller Area Network) und LIN (Local Interconnect Network). In diesem Markt, sagt C&S-Direktor Lawrenz, "sind wir weltweit die Nummer eins". Die Chips, die für die gesamte Kommunikation zwischen den Steuergeräten für Motor und Getriebe oder Bremse und Fensterheber verantwortlich sind und somit eine große Verantwortung für den reibungslosen Ablauf der Gesamt-Fahrzeugsteuerung tragen, werden von verschiedenen Herstellern produziert - und deswegen steigt das Risiko, dass sie nicht zu 100 Prozent zueinander passen.

So gut wie jeder der für die Automobilindustrie so wichtigen Chips wird von C&S geprüft. Und das macht Sinn, wie die Ergebnisse zeigen: Die erste Runde der so genannten Konformitätstests überstehen weniger als 15 Prozent der Prototypen - beim großen Rest muss nachgebessert werden. Eine halbe Milliarde CAN-Chips werden pro Jahr produziert, "und wir sind das Nadelöhr, durch das sie müssen". Gäbe es C&S nicht, "dann würden sich die Reparaturwerkstätten freuen", so Lawrenz. Zumal die verteilten Informatik-Systeme in den Fahrzeugen immer komplexer werden, das Streben nach optimalem Verbrauch, Komfort und Preis und bestmöglicher Sicherheit, Produzierbarkeit und Wartung seinen Tribut fordert.

Der zweite Grund, warum C&S aus der Masse hervorsticht: Es ist kein klassisches Spin-off; ehemalige Mitarbeiter aus Forschungseinrichtungen haben in diesem Fall nicht den Hörsaal mit dem Chefsessel getauscht und ihr eigenes Unternehmen gegründet. Für Lawrenz, der in der Branche als Mr. CAN firmiert, ist C&S ein Spin-in. Er hat nicht außer-, sondern innerhalb der Hochschule ein Unternehmen angesiedelt, 32 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen - und damit einige Kritiker auf den Plan gerufen. Manch einer hielte ihm vor, erzählt der Professor, dass ihm der Mut fehle, ein Unternehmen auf herkömmlichen Wege zu gründen. Die Erwiderung des 62-Jährigen: "Wenn Forschung und Entwicklung Geld bringen, muss man nicht unbedingt eine Ausgliederung anstreben." C&S erzielte 2004 einen Umsatz von mehr als zwei Millionen Euro - 90 Prozent des Aufkommens an so genannten echten Drittmitteln der gesamten Fachhochschule.

Bei C&S sitzen 40 hochqualifizierte und in Forschung und Entwicklung erfahrene Mitarbeiter, darunter Physiker, Informatiker, Ingenieure. Da sich ihre Vergütung nach dem Tarifvertrag für Angestellte von Bund, Ländern und Gemeinden richtet, zahlt C&S Prämien, um finanziell mit Unternehmen aus der freien Wirtschaft mithalten zu können. Zu den Kunden der Gruppe zählen Volkswagen, Audi, BMW und Fiat, dazu gesellen sich Halbleiterhersteller wie Infineon und Philipps.

Die Prüfanlagen stehen im Campus-Labor und sind Konstrukte aus Hightech-Geräten. So nehmen die Adapter des so genannten CAN-Low-Speed Transceiver Tester 40 Prüfobjekte auf, um zu untersuchen, ob die Chips stabil miteinander kommunizieren können. Und ob sie "realistische schlimmste Fälle", wie Lawrenz sie nennt, unbeschadet überstehen; beispielsweise geringe Spannungsversorgungen, Kurzschlüsse oder kritische interne Betriebszustände. Nur Bausteine, die diese mehr als 1000 Basistests erfolgreich bewältigen, werden für die Serienproduktion freigegeben und finden sich letztlich in den Automobilen wieder.

C&S ist ein Beispiel dafür, dass der geforderte Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft glücken kann - auch als Spin-in in den Wänden einer Hochschule. Lawrenz sieht es als Herausforderung, mit Forschungsergebnissen Gewinne zu machen. Er rät der Politik, diese Art wissenschaftlichen Arbeitens als "Modell für die Zukunft" zu sehen und Voraussetzungen zu schaffen, dass weitere Forschungsgruppen denselben Weg einschlagen können. Ob seine Empfehlung Gehör findet? Lawrenz zumindest zählt nicht zu jenen, die Angst vor Veränderungen haben. "Ich versuche immer das zu machen, was eigentlich gar nicht geht."

Halbleiter-Hersteller wie Siemens, Motorola und Intel lassen ihre Kommunikations-Chips inzwischen ausschließlich bei der C&S-Group prüfen. Die C&S Group, mit Professor Wolfhard Lawrenz an der Spitze, ist heute das weltweit einzige anerkannte "Testhaus" für Kommunikations-Chips, die in elektronischen Steuerungen, z.B. Getriebesteuerung, Bremsen und der Stabilitätssreuerung eingesetzt werden.<br /><br />Fotos: Hübner

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