Transferabende

Der etwas andere Austausch

25. August 2009: Medizintechnik bietet große Chancen für die Region

Die Regionen Braunschweig und Hannover sind Standorte einer hervorragend entwickelten Gesundheitswirtschaft, eingebettet in eine einzigartige Forschungs- und Hochschullandschaft im Bereich Life Science. So empfiehlt sich die „Gesundheitsregion Hannover-Braunschweig“ derzeit beim Wettbewerb „Gesundheitsregion der Zukunft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). In der ersten Phase hat sie sich bereits unter den letzten 20 von insgesamt 86 Bewerbungen qualifiziert. In der zweiten Phase wurde nun unter Beteiligung von mehr als 80 Partnern ein regionales Entwicklungskonzept erarbeitet. Über welche exzellenten Kompetenzen in allen Schlüsseltechnologien für die Medizintechnik die Region verfügt, verdeutlichte Ende August der Transferabend zu Zukunftspotentialen der Region.


Akteure beim Transferabend Medizintechnik


BiomeTI, ForschungRegion und IHK:  Innovationstreiber für Medizintechnik in der Region gut vertreten

Mikrosystemtechnik, Mikroelektronik, Nanotechnologie, optische Technologien, Informations- und Kommunikationstechnik oder Robotik: Dies seien nur einige Treiber mit direktem Bezug zu Innovationen in der Medizintechnik. All diese Kompetenzen gebe es in der Region, betonte Dr. Bernd Meier, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, zu Beginn der Gemeinschaftsveranstaltung der IHK, des ForschungRegion Braunschweig e.V. sowie des Zentrums für Biomedizinische Technik und Innovation (BiomeTI) e.V. Strategisches Ziel sei, das hiesige Leistungsvermögen stärker herauszustellen, „insbesondere auch gegenüber potenziellen Geldgebern“.

Dies unterstrich Ansgar Rudolph vom BiomeTI e.V.: „Kaum eine Branche ist so dynamisch und innovativ wie die Medizin. Mit europaweit 15.000 Patentanmeldungen ist die Medizintechnik eines der anmeldestärksten technischen Gebiete. Der gesamte Wirtschaftszweig ist größer als die Automobilwirtschaft.“ BiomeTI, ForschungRegion Braunschweig und die Industrie- und Handelskammern Hannover und Braunschweig wollen die herausragende Gesundheitsregion Hannover-Braunschweig zu einem Markenbegriff entwickeln und ihr zu einer starken Position im internationalen Wettbewerb verhelfen: durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen, den Aufbau eines branchenspezifischen Netzwerks sowie Unterstützung, „dass aus Grundlagenforschung marktfähige Produkte entstehen“. Koordiniert wurde von BiomeTI auch die Teilnahme am Wettbewerb des BMBF.

Die Region Hannover-Braunschweig: Prädestinierter Standort für Innovationen in der (Bio-)Medizintechnik [pdf|1,88MB]

Fünf Wissenschaftler gaben Einblick in ihre Arbeit 

  • Prof. Reinhold Haux berichtete über aktuelle Projekte am Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik, 2007 gegründet von der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover. >>Forschungsschwerpunkte in Braunschweig sind Informationssysteme für das Gesundheitswesen und assistierende Gesundheitstechnologien<<, so der geschäftsführende Direktor. Mit Sensorik und sensorerweiterten Informationssystemen sollen nachhaltige Bedingungen für ein aktives, selbstständiges Leben bis ins hohe Alter sowie für die Gesundheitsversorgung im Alter geschaffen werden. Besondere Bedeutung komme dabei der Prävention chronischer Erkrankungen und der Kompensation von Funktionsdefiziten und ihren Folgen (wie Sturzgefahr) zu.

Medizininformatik-Forschung am Peter L. Reichertz Institut [pdf|2,06MB]

  • Prof. Stephanus Büttgenbach, Leiter des Instituts für Mikrotechnik der TU Braunschweig, machte die Bedeutung der Mikrosystemtechnik für die Medizin deutlich: „Implantierte Mikrosysteme mit sensorischen Funktionen, chirurgische Technologien, Diagnostik, Arzneimittelentwicklung – in all diesen Feldern haben wir Projekte realisiert.“ Gemeinsam mit Sennheiser entwickelte das TU-Institut zum Beispiel ein Mikrofon, das akustische Schwingungen rein optisch aufnimmt. Es ermöglicht eine bessere Patientenversorgung – durch eine direkte Arzt-Patienten-Kommunikation bei der Untersuchung im Tomographen. Ein Beispiel aus der Chirurgie ist die Entwicklung eines Mikroaktorsystems zur operativen Entfernung erkrankter Aortenklappen.

Mikrosysteme in der Medizin - Kleine Systeme, große Wirkung [pdf|304KB]

  • Forschungsgebiet von Dr. Hans-Michael Kramer, PTB, ist die Krebstherapie mit externer Bestrahlung. „26 Prozent der Krebspatienten werden geheilt unter Zuhilfenahme von Strahlentherapie, zum Teil in Kombination mit anderen Behandlungsformen“, berichtete der Fachbereichsleiter Dosimetrie (Dosismessung bei der Bestrahlung von Tumoren). Bei der Strahlentherapie versuchten Ärzte, die Dosis im Tumor so hoch wie möglich zu halten, damit möglichst viele Krebszellen zerstört werden. Wichtig sei dabei, kein gesundes Gewebe zu beschädigen. Die korrekte Dosierung der Strahlungsmenge sei ausschlaggebend für den Therapieerfolg. „Die Heilungsquote um ein weiteres Prozent zu erhöhen, würde viel bedeuten“, so Kramer.

Metrologie in der Krebstherapie mit ionisierender Strahlung und Ultraschall [pdf|6,09MB]

  • Leben retten hilft auch die Forschung am TU-Institut für Elektrische Messtechnik und Grundlagen der Elektrotechnik. Leiter Prof. Meinhard Schilling stellte ein kontaktloses EKG-System vor, das Herzfunktionen berührungslos durch die Kleidung messen kann. Bei Notfällen können Ärzte und Sanitäter so Erkrankungen des Herzens schneller und besser erkennen. Auch ein am Institut entwickelter Helm bringt medizinischen Nutzen: Dessen Elektroden messen Gehirnsignale berührungslos. Damit könnte der Helm eine Alternative bei der Diagnose von Gehirnerkrankungen sein.

Innovationen in der Medizintechnik Neue Diagnoseverfahren [pdf|499KB]

  • Im fünften Kurzvortrag berichtete Dr. Hansjörg Hauser, Bereichsleiter Molekulare Biotechnologie im Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), was Infektionsforschung mit Medizintechnik zu tun hat. Beispielhaft erläuterte er die Materialoptimierung und Funktionalisierung dentaler Implantat-Abutments (sozusagen „Stützpfeiler“, die in ein Implantat geschraubt werden, um dieses in Funktion zu bringen). „Unsere Aufgabe ist, Materialien zu finden, die antibakteriell sind und dafür sorgen, dass die Wundschleimhaut sich eng anlegen kann“, erläuterte er.

Infektionen und ihre Bekämpfung bei Implantaten [pdf|5,01MB]

Kazantzidou: Mehr Transparenz bitte!

In der anschließenden Diskussion, moderiert von RegJo-Chefredakteurin Dr. Heike Steingaß, wurde thematisiert, wie die Gesundheitsregion weiter vorangebracht werden könnte.

„Die Medizintechnik wendet sich an große Unternehmen. Kleinere bleiben außen vor“, kritisierte Despina Kazantzidou. Die Geschäftsführerin der UNISOLO®GmbH wünscht sich mehr Transparenz und einen besseren Informationsfluss.

Prof. Meinhard Schilling sagte: „Transfer erfordert Leute, die sich darum kümmern, da ist noch viel zu tun.“ Oft fehlten auch Mittel, um mehr Patente anzumelden. „Es geht auch um die Banken.“ Prof. Horst P. Kierdorf, ärztlicher Direktor des Klinikums Braunschweig, berichtete, dass am Klinikum kein Etat für Projekte zur Verfügung stehe.
Deutlich wurde indes auch, dass die Kooperation bereits weit vorangekommen ist. Prof. Frank Eggert, Institut für Psychologie der TU Braunschweig, berichtete beispielsweise, dass mit dem DLR eine Reihe von Projekten realisiert wurde, darunter webbasierte Fahrerassistenzsysteme. Prof. Reinhold Haux stellte die von TU und HZI gegründete BITZ Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum GmbH vor. Ziel sei, gemeinsam mit dem Softwarehaus Lineas wissenschaftliche Arbeiten in der Biologie, Biotechnologie und Gesundheitsforschung durch softwaretechnische Entwicklungen zu ergänzen und eine tragfähige Basis für zukünftige kommerzielle Anwendungsmöglichkeiten zu schaffen. „Man braucht einen langen Atem“, sagte er, „aber es ist schön zu sehen, dass Zusammenarbeit möglich ist.“

Exponate

Die Entwicklung des Produktes medilight® Lichttherapie erfuhr maßgeblich Hilfe über den Beratungsscheck der IHK Braunschweig: Geschäftsführer Jörg Böger sprach die Innovationsberatungsstelle der IHK Braunschweig an, die ihrerseits >>in Einlösung des Beratungsschecks<< TU Professoren vermittelte, die ihr gewichtiges Expertenwissen einbrachten: Professor Meinhard Schilling entwickelte für die Steuerung der Wirkungstrajektorie des Lichtspektrums eine elektronische Schaltung mit zugehöriger Softwarebedienung und Professor Frank Eggert kümmerte sich um die psychologischen und lichtmedizinischen Aspekte. (Weitere Informationen unten im Bereich "Wir empfehlen")

Transferabende

Das Format der Transferabende ist gekennzeichnet durch

  • Orientierung: Wissenschaftsgebiete und insbesondere deren Anwendungsgebiete
  • Beteiligung und Zielgruppe: Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker
  • Überblick gebender Impulsvortrag
  • Kurzvorträge regionaler Experten
  • Postershow, Exponate
  • social event: networking
  • Dokumentation

Wenn Sie eine Idee und vielleicht ein Konzept für einen Transferabend haben, sprechen sie bitte an:

  • Dipl.-Ing. Klaus-Dieter KühnGeschäftsführer ForschungRegion BraunschweigTel.: 0531 391 7603
  • Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsing. Peter PeckedrathLeiter der Innovationsberatungsstelle der Industrie- und Handelskammer BraunschweigTel.: 0531 4715 281

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Ansprechpartner


Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsing. Peter Peckedrath

Kontaktinformationen

Downloads

   

Beratungsscheck „Technologietransfer“ für Mitgliedsunternehmen der IHK Braunschweig
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