Transferabend in Juni

Marktfrisch auf den Tisch

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Johann Löhn, Gründer der Steinbeis-Stiftung für Wirtschaftsförderung und Präsident der privaten Steinbeis-Hochschule Berlin. <br /><br />Der Ehrenkurator der Steinbeis-Stiftung, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Johann Löhn, war von 1983 bis 2004 Vorstandsvorsitzender der Steinbeis-Stiftung und bis 2006 Regierungsbeauftragter für Technologietransfer Baden-Württemberg.<br /><br />Bild: EU-Hochschulbüro Braunschweig Lüneburg Wlfenbüttel

Die regionale Verwertung von Forschungsergebnissen

Anlässlich des 6. Transferabends der von der Braunschweig Zukunft GmbH, der ForschungRegion Braunschweig e.V., der Industrie- und Handelskammer Braunschweig und der Projekt Region Braunschweig GmbH initiierten Veranstaltungsreihe „Transferabende – Zukunftspotentiale der Region“, konnten Klaus-Dieter Kühn, Geschäftsführer der ForschungsRegion Braunschweig und Dr. Carl-Thomas Schneider, Geschäftsführer der Aicon 3D Systems GmbH, mehr als 80 interessierte Zuhörer in den Räumlichkeiten der Firma begrüßen.

Das vor mehr als 15 Jahren aus der TU Braunschweig hervorgegangene Unternehmen ist mittlerweile weltweit führender Anbieter optischer kamerabasierter 3D Messsysteme und gab der Veranstaltung, die dieses Mal unter dem Motto „Marktfrisch auf den Tisch – Die regionale Verwertung von Forschungsergebnissen“ stand, einen eindrucksvollen Rahmen.

Veranstaltet von der ForschungRegion Braunschweig e.V. in Zusammenarbeit mit dem EU Hochschulbüro Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel wurden interessante Aspekte des Technologietransfers beleuchtet. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Johann Löhn, als ehemaliger Schüler des Braunschweig Kolleg der Stadt verbunden, stellte in seinem Vortrag einige von ihm selbst erfolgreich umgesetzte Thesen zum Thema Technologietransfer vor. Löhn gilt als „Papst“ des Technologietransfers und ist in Deutschland die Referenz für den Transfer von der Hochschulforschung in die Wirtschaft. Er ist Gründer der weltweit agierenden Steinbeis-Stiftung für Wirtschaftsförderung und Präsident der renommierten privaten Steinbeis-Hochschule Berlin.

In seinem fulminanten Vortrag vor einem interessierten Publikum aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik stellte er die drei wesentlichen Faktoren, die für einen erfolgreichen Technologietransfer eine Rolle spielen in den Mittelpunkt. Forschung (Quelle) und Wirtschaft (Empfänger) müssen sich treffen, um miteinander in Wechselwirkung zu geraten. Und eben hier ist das Geheimnis des Erfolges verborgen. Erfolgreich kann sich Technologietransfer dann nennen, wenn das Aufeinandertreffen zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und mit richtiger Begleitung stattfindet und am Ende alle Beteiligten zufrieden mit den erzielten Ergebnissen sind. Was zunächst relativ einfach klingt, entlarvte Löhn als sehr diffizilen Prozess, in dem es immer wieder gilt, die eigene Position und die der anderen zu prüfen und den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. So sind auch die Technologien einem Strukturwandel in den Unternehmen unterworfen und der Unternehmer ist es letztlich, der die Aufgabe hat, Zukunftstechnologien zu erkennen und dann entsprechend auszubauen.

Auf Seiten der Forschung stellt sich häufig die Situation so dar, dass es schon eine Lösung gibt und das Problem dazu erst gesucht werden muss. Und das sei auch gut so, gibt der Redner zu verstehen, denn die Grundlagenforschung an den Hochschulen muss erhalten bleiben, ist sie doch zwingend für einen weiteren Fortschritt notwendig. Dennoch muss auch der Forscher akzeptieren, dass Technologietransfer nach dem Markt- und Kundenprinzip funktioniert und Lösungen nur exakt zu dem Zeitpunkt für ein Unternehmen von nutzen sind, zu dem es dort auch ein Problem zu lösen gibt. Weder zu früh noch zu spät möchte der Kunde beliefert werden, auch nicht mit einem alternativen Produkt und für die Probleme des Lieferanten interessiert er sich erst recht nicht, für manch einen Zuhörer sicher eine ernüchternde Darstellung.

Einen krassen Trennstrich wollte Löhn zwischen dem vorwettbewerblichen Technologietransfer und dem wettbewerblichen gezogen wissen. Während der erstere öffentlich gefördert werden darf und die Ergebnisse daher allen gehören, muss der gewerbliche Transfer von den Unternehmen finanziert werden.

Mit dieser These gab Prof. Löhn gleich einen Diskussionspunkt in die anschließende Podiumsdiskussion, dem Dr. Hans Schroeder, Referatsleiter im Wissenschaftsministerium in Hannover und zuständig für die Vergabe von Fördermitteln in diesem Bereich, aus Warte des Fördermittelgebers zustimmte. Neben Herrn Dr. Schroeder nutzte Peter Peckedrath von der IHK Braunschweig die Chance vom Podium aus die Aktivitäten der IHK im Bereich Technologietransfer (Technologietransferpreis, Beratungsscheck, Informationsveranstaltungen ...) zu skizzieren und sah sich in diesem Zusammenhang eindeutig als Intermediär zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Interessant auch die Darstellung von Dr. Carl-Thomas Schneider, wie er als neu gegründete Firma Lehrgeld zahlen musste und dies heute zum Anlass nimmt, Existenzgründer zu unterstützen. Erfreulich war die rege Beteiligung der Anwesenden an der Diskussion, die von Andreas Hebbelmann vom EU-Hochschulbüro geleitet wurde.

Im Anschluss an die Diskussion zwischen Podiumsgästen und Anwesenden stellte Prof. Dr. Dr. h. c. Müfit Bahadir, Vizepräsident der TU Braunschweig für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Technologietransfer den neuen Leiter der TU-Technologie-Transferstelle, Jörg Saathoff, vor und eröffnete die Präsentation von Forschungsergebnissen der TU Braunschweig. Die ausgestellten Ergebnisse waren in einer Potentialanalyse zur regionalen Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen, die aus Mitteln des europäischen Sozialfonds gefördert wurde, von Frau Dr. Franziska Gromadecki vom EU-Hochschulbüro als besonders marktnah identifiziert worden. Die Gäste hatten hier die Chance in geselliger Runde Anregungen, Ideen und Kontakte aufzunehmen und weitere Schritte in Richtung eines zukunftorientierten Unternehmens zumachen. Von Bemessungsansätzen für Asphaltdeckschichten, Verfahren zur Verlängerung der Standzeiten von Schweißnähten, neuen Beschichtungsmethoden für Druckgusswerkzeuge über Möglichkeiten des Online-Ticketing und der mobilen Vorhersage der Verkehrssituation bis zu aktuellen Entwicklungen in der Medizintechnik und der Genetik war für eine große Bandbreite an Inhalten gesorgt. Wer an dem Abend nicht teilnehmen konnte und sich aber näher über die vorgestellten Projekte Informieren möchte, kann die Liste unter www.eu-buero.tu-bs.de einsehen.

Die angeregten Gespräche dauerten bei Imbiss und Getränken bis in den späten Abend. Die positiven Kommentare der Gäste zeigen eine rund um gelungene Veranstaltung.

Quelle und Ansprechpartnerin:

Dr. Franziska Gromadecki 
Tel.: 0531 391 4274 
e-mail: f.gromadecki@tu-braunschweig.de

STARK, EU-Hochschulbüro untersucht die Nutzbarkeit von Forschungsergebnissen

Seit dem 01. September 2006 wird am EU-Hochschulbüro Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel im Rahmen einer Potentialanalyse die Nutzbarkeit von Ergebnissen öffentlich geförderter Forschungs-vorhaben zur Stärkung der regionalen Wirtschaft untersucht. Das Projekt wird mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert.
Das auf 10 Monate ausgelegte Projekt STARK soll das verfügbare Potential in den aus öffentlichen Mitteln geförderten Forschungsprojekten der einzelnen Institute der TU Braunschweig ermitteln, strukturieren und mögliche Probleme und Hindernisse bei der Nutzung analysieren. In Zusammenarbeit mit regionalen Netzwerken (IHK, Projekt Region Braunschweig, Weiterbildungsnetzwerk Lernende KMU) werden auf dieser Basis Ziel- und Nutzergruppen für die regionale Verwertung der Ergebnisse aus den Forschungsprojekten identifiziert. Für einige ausgewählte und besonders anwendungsnahe Projektergebnisse werden gemeinsam mit einzelnen Nutzern bzw. Nutzergruppen konkrete Transfermaßnahmen entwickelt, die im Anschluss an das Projekt STARK direkt umgesetzt werden können.

Dabei werden die folgenden Inhalte bearbeitet:

  • Ermittlung der in 105 öffentlich geförderten Forschungsprojekten (EU und BMBF) der TU Braunschweig enthaltenen nutzbaren Ergebnisse für Weiterbildung, Existenzgründung und Technologietransfer
  • Identifizierung von Zielgruppen, die Ergebnisse regional/überregional Nutzen können
  • Aufzeigen geeigneter Maßnahmen zur Nutzung der Potentiale, exemplarische Vorbereitung von ausgewählten Transfermaßnahmen und
  • Dokumentation und Verbreitung der Projektergebnisse
"Europas heißeste Forschungs- und Entwicklungsregion ist Braunschweig!"<br />Quelle: Deutsche Bank Research

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