Transferabend im September

CO2-Reduktion und Klimawandel

Von oben nach unten: <br /><br />(1) Die Jungunternehmer<br> <b>Kai Hillebrecht</b>, Gesellschaft für Stoffstrom und Abfallmanagement GAM;<b> David Wienecke</b>, WHP Wienecke, Hillebrecht & Partner;<b> Heiko Hillmer</b>, SoWiWas Handels GmbH;<b> Christian Seidel</b>, AG Regenerative Energien; <b>Dr. Nicholas Lemke</b>, TLK-Thermo GmbH; <b>Hartmut Keune</b>, PerCoTech AG<br /><br />(2) Gastredner<br> <b>Johannes Lackmann</b>, Präsident des Bundesverbandes für Erneuerbare Energien e.V.<br /><br />(3) Moderation<br> Sprecher des Technologietransferkreises <b>Ralf Richter</b> <br /><br />DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. <br />Technologiemarketing <br />Lilienthalplatz 7<br />38108 Braunschweig<br />Telefon: 05 31/2 95-34 20<br />Telefax: 05 31/2 95-34 22<br />e-mail: ralf.richter@dlr.de
Helmut Jäger, Geschäftsführer der Solvis GmbH: »Die deutschen Unternehmen der Erneuerbaren Energien sind heute auf allen Märkten führend in Europa. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 2004 bis 2006 um 36 Prozent auf rund 240.000.«

Sechs Jungunternehmer tragen zum Klimaschutz bei

Zu Beginn des achten Transferabends »CO2-Reduktion und Klimawandel« erzählte Ralf Richter von einer Dienstreise nach Japan: »Überall standen Windräder. Einmal fragte ich nach der Funktion. Das Windrad diente dazu, die Kamera anzutreiben, die die Tür bewacht«, so der Sprecher des Technologietransferkreises. Das Klima könne man wirkungsvoller schützen, sagte er mit Blick auf Gastgeber Helmut Jäger, Geschäftsführer der Firma Solvis, und die weiteren Referenten. Sechs Jungunternehmer und Existenzgründer stellten anschließend ihre innovativen Gründungsideen im Geschäftsfeld »Umwelttechnik und Energieeffizienz« vor. Den Hauptvortrag des Abends hielt Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes für Erneuerbare Energien e.V.

Kerngeschäft der Gesellschaft für Stoffstrom und Abfallmanagement (GAM) ist profitables Umweltmanagement [Die Vorträge sind unten am Ende des Artikels zum Herunterladen bereitgestellt]. Im Jahr 2000 aus dem Institut für Abfalltechnik und Umweltüberwachung der FH Braunschweig/Wolfenbüttel gegründet, hilft das Unternehmen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), durch Verbesserung von Material- und Stoffströmen die Ressourceneffizienz zu erhöhen und so Kosten zu sparen und Umweltwirkungen zu minimieren. »Wichtig ist, die Mitarbeiter einzubinden. Wir moderieren und mobilisieren«, so Geschäftsführer Kai Hillebrecht. Beispielhaft berichtete er von einer Bäckerei, deren jährliche Abfall- und Entsorgungskosten heute bei 2000 Euro liegen. Ohne die eingeführte Mülltrennung, das neue Sammelsystem, die Minimierung von Fehlwürfen und ein verändertes System bei Frischeabdeckungen betrügen sie über 40 000 Euro. In einer Tischlerei werden durch Erstellung einer genauen Datenbasis nun rund 30 000 Euro beim Holzverschnitt gespart; dank neuer Düsen wird in der Lackiererei weniger Farbe daneben gesprüht.

Auch David Wienecke [Energiemanagement in kleinen und mittelständischen Unternehmen] berichtete von deutlichen Kosteneinsparungen durch einfache Maßnahmen. Das derzeit in Gründung befindliche Unternehmen WHP schlüsselt in KMU Energieverbräuche nach ihren Trägern auf, um Kostenschwerpunkte und Einsparpotenziale zu erfassen. Gemeinsam – in Schulungen und Seminaren – wird dann überlegt, wie gespart werden könnte. »Ein Ventilator in einer Bäckerei lief den ganzen Tag auf höchster Stufe, was jährlich 1500 Euro kostete. Der Unternehmer regelte die Klimaanlage schließlich von Hand. Acht Stunden am Tag läuft sie nun auf der niedrigeren Stufe. Das senkte den Verbrauch um 50 Prozent«, nannte Wienecke ein Beispiel. Gerade Mittelständlern fehle oft Information, welches die größten Energieverbraucher im Unternehmen seien: »Wir sorgen dafür, dass sie mehr Transparenz hinsichtlich der Energieflüsse bekommen und helfen bei der Ideenentwicklung.«

Heiko Hilmer, Geschäftsführer der 2006 gegründeten SoWiWas Handels GmbH, berichtete [Regenerative Energien] anschließend von beachtlichen Erfolgen der Firmengruppe. Über 80 000 Tonnen CO2wurden seit 1989 durch verschiedene Projekte eingespart. Die SoWiWas Handels GmbH stellt anwendungsorientierte ökologische Systeme mit Energie aus Sonne, Wind und Wasser zusammen. »Viele Heizungsbaubetriebe sind bei speziellen Wünschen für Heizungen überfordert. Sie sind nicht dafür ausgebildet. Irgendwann beginnt die Ingenieursleistung«, so Heiko Hilmer. Energie sparen, unabhängig sein von Öl und Gas, Einsatz eines Waschmaschinenvorschaltgerätes, mit dem man Solarwärme für die Waschmaschine nutzt oder eines Kaminofeneinsatzes, der an die Heizung angeschlossen ist: Leistungen wie diese bietet das Unternehmen aus einer Hand – montagefreundlich vorkonfektioniert, mit Blick auf kostengünstige Wärmequellen beim Wärmemanagement. »Einzelleistungen zu einem integrierten Gesamtsystem zu verknüpfen – das bieten nur wenige an.«

Gründungsidee von Christian Seidel ist eine Weiterentwicklung der Wasserradtechnologie [Innovative Wasserradtechnologie], mit der ein gewaltiges bislang ungenutztes Wasserkraftpotenzial im Bereich der niederen Fallhöhen und großer Durchflussmengen erschlossen werden kann: »Es entspricht der Leistung von 1000 Atomkraftwerken. Man kennt das Potenzial, aber bisher gab es weder eine technische noch eine wirtschaftliche Lösung.« Im Rahmen der AG Regenerative Energien am Institut für Statik der TU Braunschweig entwickelte Christian Seidel nun ein Schaufelwasserrad mit stark vergrößertem Schluckvermögen. Das effektive Jahresarbeitsvermögen kann bis zu 40 Prozent größer sein als das moderner Wasserturbinen. Derzeit sucht er nach einem geeigneten Standort für eine Demonstrationsanlage sowie einem Kapitalgeber.

Vorwiegend für große deutsche Automobilhersteller ist die TLK-Thermo GmbH tätig. Das 2003 von drei Mitarbeitern des Instituts für Thermodynamik der TU Braunschweig gegründete Unternehmen trägt dazu bei, Fahrzeugklimaanlagen [TLK Fahrzeugklimatisierung] effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. »Die Hersteller stehen vor zwei großen Problemen: Das eine ist der Energieverbrauch, das andere das synthetische Kältemittel R 134a, das ab 2011 aus Umweltgründen verboten sein wird. Dann müssen alle Anlagen umgestellt werden. Wir schauen uns die Anlage oder einzelne Komponenten an und unterstützen die Unternehmen durch Beratung, Messungen, Software und Simulationen«, erläuterte Geschäftsführer Dr. Nicholas Lemke. In den USA würden derzeit jährlich 27 Milliarden Liter Öl zum Betrieb von Fahrzeugklimaanlagen benötigt, machte er deutlich, dass es noch viel zu tun gibt. Und berichtete: »Ein Kilogramm R 134a wirkt sich auf den Treibhauseffekt aus wie 1430 Kilogramm CO2. Tritt bei einem Schaden Kältemittel aus, belast das die Atmosphäre so stark wie mehrere tausend Kilometer Autofahrt.«

Einblick erhielten die rund 150 Zuhörer zudem in die Arbeit der PerCoTech [Unendlich viel Strom]. Das Unternehmen entwickelt supraleitende Kabel mit dem Hochtemperatur-Supraleiter YBCO für Kunden im Elektromaschinenbau und in der Energieversorgungstechnik – als Substitut für Kupferdrähte. Mögliche Anwendungsfelder sind Motoren, Generatoren und Transformatoren, magnetische Energiespeicher und Strombegrenzer. So lege man das Fundament für eine der effektivsten Maßnahmen zur verlustfreien Erzeugung und Umwandlung von elektrischer Energie. Die Einsparpotentiale können bis zu 60 Prozent betragen, erläuterte Vorstand Hartmut Keune.

Abgerundet wurde der Transferabend durch einen Kurzvortrag Helmut Jägers über neuere Entwicklungen in der Solartechnik sowie einen anschaulichen Vortrag Johannes Lackmanns über Ausbaupotenziale und den aktuellen Stand Erneuerbarer Energien. »Die deutschen Unternehmen der Erneuerbaren Energien sind heute auf allen Märkten führend in Europa. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 2004 bis 2006 um 36 Prozent auf rund 240 000.« Derzeit sei der Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland indes in weiten Teilen ins Stocken geraten. 

Hauptursache sei aus Sicht der Branche ein mangelnder Entscheidungswille in der Politik. Anstatt beispielsweise klare Rahmenbedingungen für den Ausbau von Erneuerbare-Energien-Heizungsanlagen zu setzen, beschränke sich die Bundesregierung auf Ankündigungen. Gleiches gelte für die Nutzung von Biokraftstoffen und weite Teile der regenerativen Stromerzeugung. »Die Branche ist in der Lage, das Potenzial ist vorhanden. Die einzigen Bremsen sind administrative Hemmnisse und mentale Bremsen«, betonte der Präsident des Bundesverbandes für Erneuerbare Energien e.V.

Die Vorträge:

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Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsing. Peter Peckedrath

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