Transferabend im November

Meine Idee, mein Unternehmen, mein Erfolg

von oben nach unten: Professor Dr. Günter Hirth, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, lehrt Entrepreneurship (Gründungsmanagement) an der Fachhochschule Hannover. Dr. Heinrich Iven Schwenke, Vorstand der ETALON AG, einer Ausgründung aus der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Dr. Ulrich Jahnz, Geschäftsführer der geniaLab®BioTechnologie Produkte und Dienstleistungen GmbH, einer Ausgründung aus der Bundesforschungsanstalt für Landwirschaft (FAL), Dipl.-Ing. Christian Helck, Geschäftsführer der Trajet GmbH mit TU Braunschweig -Herkunft. Nach überlebten "dot.com" Startschwierigkeiten inzwischen einer der führenden Anbieter von Videolösungen für den mobilen Einsatz.
Die projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH [PRBS] beteiligte sich mit der Vorstellung eines Gründungswettbewerbes <br /><br />Dirk Warnecke, Geschäftsführer der PRBS: „Die distanzierte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschäftsidee ist wichtig. Eigene Position besser einzuschätzen und aufgedeckte Schwachstellen zu beseitigen ist das A & O einer Gründung. Umgehen Sie die sieben Todsünden einer Existenzgründung!“

Ich gründe ein High-Tech Unternehmen
Tipps für potenzielle Unternehmensgründer

»Sprechen Sie vorher mit ihrem Partner. Es funktioniert nur, wenn er die Gründung mit trägt – auch die damit verbundenen Herausforderungen zeitlicher Art. Fehlt das Verständnis, überlebt nur eines von beiden: Das Unternehmen oder die Partnerschaft«: Das war einer der Ratschläge, die Prof. Günter Hirt potenziellen Unternehmensgründern beim zehnten Transferabend gab. Thema der Veranstaltungsreihe der projekt Region Braunschweig GmbH und der IHK war diesmal »Ich gründe ein High-Tech Unternehmen«.

Prof. Hirth begleitet seit mehr als zehn Jahren Gründer in Theorie und Praxis. »Das Gründen von Unternehmen ist eine riskante Veranstaltung. Im ersten Jahr steigen gleich 14 Prozent wieder aus, im zweiten Jahr bis zu 24. Nach fünf Jahren sind 50 bis 60 Prozent der Unternehmensgründer nicht mehr am Markt«, berichtete der Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Dienstleistungsmanagement an der FH Hannover. Eine sorgfältige Vorbereitung sei deshalb unumgänglich. »Viele Jungunternehmer erfinden an einem Wochenende Zahlen für einen Businessplan. Unangenehme Tätigkeiten wie Marktanalyse und Kundenkontakte werden vermieden. Zudem stürzen sie sich heldenmütig auf Dinge, von denen sie keine Ahnung haben: Rechtsfragen und Steuern beispielsweise.« Die knappste Ressource in der Vorbereitung sei die eigene Zeit, betonte Hirth. »Fokussieren Sie sich auf das Nötigste. Alles, was man nicht mit wenig Einarbeitungszeit hinkriegen kann, gnadenlos an andere geben.« Fragen, die es vorrangig zu klären gelte, seien: Wie viel muss das Unternehmen abwerfen, damit es uns ernährt? Und: Wofür können die Kunden die Leistung gebrauchen? »Es gibt Nischen, die nur deshalb nicht besetzt sind, weil es nicht genügend Kunden gibt, die dafür Geld ausgeben. Statt eines kleinen Produktes werden beispielsweise Komplettlösungen nachgefragt.« Deshalb sein Rat: Viel Zeit für Marktrecherche aufwenden, um den Kunden und den Wettbewerb zu kennen, vorgewärmte Kontakte nutzen und den Vertrieb sorgfältig planen. Man müsse einkalkulieren, dass vom ersten Gespräch bis zur Bezahlung fast in keinem Fall weniger als neun Monate vergingen. »Das müssen Sie zwischenfinanzieren. Und wenn Sie den ersten Auftrag intensiv bearbeiten, müssen Sie die Pipeline bereits mit der Akquise für den nächsten Auftrag füllen.«

In der anschließenden kurzen Podiumsdiskussion berichteten drei Unternehmer von den Anfängen ihrer Unternehmen. »Die Etalon AG entstand 2004 als Spin-off aus der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Wir starteten mit zwei unterschiedlichen Produktlinien: mit einer Internetplattform sowie Lasermesstechnik in Verbindung mit Software. Die Lasermesstechnik schlug recht schnell ein und ernährt uns heute. Das zweite Produkt blieb hinter den Erwartungen zurück. Im Industrieplan war es andersherum«, berichtete Vorstand Dr. Heinrich Schwenke. Christian Helck, Geschäftsführer der Trajet GmbH, sagte: »Die bekannten Sünden einer Existenzgründung habe ich alle hinter mir.« Im Jahr 2000 in der »Internetblase« gestartet, hatte er hochtrabende Ideen, konnte die Kunden jedoch nicht davon überzeugen, dass sie gut seien: »Es dauerte zu lange, und uns ging das Geld aus.« Nun sei man Marktführer mit mobilen digitalen Videorecordern – einem Produkt, das nach Kundenanforderungen entwickelt wurde. Auch Dr. Ulrich Jahnz, Geschäftsführer der in der Verkapselungstechnologie tätigen geniaLab GmbH, berichtete, dass man erst durch Nachfragen von Industriekunden bei der Präsentation des eigentlichen Angebotes zur heutigen Dienstleistung gefunden habe.

Als hilfreich in der Gründungsphase nannten die Unternehmer vor allem Netzwerke, die Unterstützung durch Juristen und Steuerberater und die Beratung und Informationsangebote durch die IHK. Uneinig waren sich die Diskutanten in der Frage, ob es sinnvoll sei, sich in der Startphase um Förderprogramme und Beteiligungsgelder zu bemühen. »Es ist zeitaufwendig, den Programmen hinterher zu jagen und lenkt ab«, entgegnete Dr. Heinrich Schwenke seinem Vorredner Prof. Hirth. Der hatte empfohlen, Ausschau nach Förderprogrammen wie »Gründercampus Niedersachsen – Interim« und weiteren Zuschüssen zu halten: »Es gibt mehr, als man denkt.«

Im Mittelpunkt des Transferabends stand der Erfahrungsaustausch. Moderiert von Birgit Rocholl, Move4Change, Hamburg kamen in wechselnden Tischrunden rund 100 Zuhörer im Kongress-Saal der IHK miteinander ins Gespräch. Sie diskutierten im Rahmen des sogenannten »World Café« die Leitfrage: Sinn und Unsinn von Leitfäden? - Was nützt mir ein Leitfaden? und konnten Einfälle und Anregungen gleich auf den Papiertischdecken notieren.

Andrea Wiencke von der PRBS stellte abschließend den Gründungswettbewerb "Idee:Gründung=Erfolg²" vor. Den Verlauf des Transferabends und wichtige Hinweise auf den Wettbewerb finden Sie unten in der Rubrik "zum Herunterladen" [Kooperationsveranstaltung  & Gründungswettbewerb].

Der Kongresssaal der IHK Braunschweig war an diesem Tag nicht nur ein "riesiges Café", sondern auch eine Lesestube. Einen herzlichen Dank an die Buchhandlung Graff, die speziell für diesen Nachmittag einen Büchertisch mit Literatur zum Thema "technologieorientierte Existenzgründung" aufgebaut hatte.

Birgit Rocholl, Expertin in der Organisation von Großgruppenarbeit führte ein >> World Café << durch. Eine Teilnehmerin: Ich habe alle Transferabende besucht - dies war der Transferabend, an den am meisten unter den Teilnehmern diskutiert wurde!

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Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsing. Peter Peckedrath

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Planungshilfen für technologieorientierte Gründer
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