Transferabend im März

In den letzten Jahren hat sich der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg zu einem Zentrum entwickelt, das die Garantie für eine erfolgsorientierte, vernetzte und kreative Zusammenarbeit bietet. <br /><br />Die wachsende Komplexität der Anforderungen durch den weltweit stark ansteigenden Verkehr erfordert es, interdisziplinäre, vernetzte Konzepte und Lösungen zu entwickeln. Die verschiedenen verkehrsträgerübergreifenden Kompetenzen der Unternehmen und Einrichtungen ermöglichen es, schnell und unkompliziert Lösungen zu erarbeiten.

Zukunftspotenziale der Region - Kooperationsnetze zwischen Wissenschaft und Wirtschaft als Wachstumsfaktor

Rund 70 Gäste folgten der Einladung von Carola Meyer, Forschungsflughafen Braunschweig GmbH und Klaus-Dieter Kühn, Geschäftsführer ForschungRegion Braunschweig e. V. zur dritten Staffel der Transferabende, eine der Plattformen für den Dialog von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit über die Zukunftspotenziale der Region.

Hausherr Josef Thomas, Leiter der Geschäftsführung Braunschweig / Göttingen, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – DLR begrüßte zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, darunter auch Carsten Müller, Mitglied des Bundestages und Braunschweigs Wirtschaftsdezernent Joachim Roth.

triple helix - Braunschweigs cluster für die Luft- und Raumfahrt

Den Abend leitete Thomas Conrady, Geschäftsführer der Forschungsflughafen Braunschweig GmbH, mit seinem Impulsreferat „Kompetenzen und Zukunftsperspektiven am Forschungsflughafen Braunschweig“ ein. Die in Braunschweig vorhandene Kompetenz im Luft- und Raumfahrtbereich findet sich außer vielleicht in Toulouse  nur noch in den USA. Kennzeichnend für den hiesigen Standort sei die "Triple Helix" - university-industry-government relations, ein durch Michael Porter, MIT, geprägter Begriff -  für den Dreiklang von Wissenschaft (TU Braunschweig, DLR), Wirtschaft und Bundesbehörden (z.B. Luftfahrtbundesamt, Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung).. Mit dem am Forschungsflughafen entstandenen Cluster sei ein erfolgreicher Forschungs- und Wirtschaftsraum geschaffen, um durch Innovation die regionale Wettbewerbsfähigkeit auszubauen. Schwerpunkte seien (a) die Planungen neuer Flughäfen, insbesondere in Hinblick auf Systemsicherheit (saftey & security) und auf den Flugbetrieb (air traffic management), (b) verkehrsträgerübergreifendes Training und Ausbildung sowie (c) unbemannte Kleinstflugzeuge (UAV Unmanned Air Vehicle). Die bisher entstandenen 1800 Arbeitsplätze seien durch Ausgründungen und Umsiedlungen entstanden, Ansiedlungen renommierter Unternehmen stehen noch aus. Als wesentliches Manko bezeichnete Conrady das Ausbleiben von Risikokapital. Um international besser wahrgenommen zu werden, schlug Conrady vor, die luftfahrtgeschichtliche Dimension Braunschweigs stärker zu kommunizieren, einhergehend mit der Möglichkeit, renommierte Gastwissenschaftler aus aller Welt und Trainees unterzubringen. "Du kannst es träumen, also kannst du es machen." zitierte er Walt Disney.

Nachgefragt von Henning Noske, Braunschweiger Zeitung, diskutierten Bernd Kaufmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Simtec simulation technology GmbH, Harry-H. Evers, Geschäftsführer GZVB e. V. Sparte GNSS, Professor Peter Vörsmann, Leiter Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Josef Thomas, Leiter der Geschäftsführung Braunschweig / Göttingen, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – DLR, und Thomas Conrady, Geschäftsführer der Forschungsflughafen Braunschweig GmbH  über Erfahrungen und Erweiterungsmöglichkeiten des kompetenzspezifischen Netzwerkes am Forschungsflughafen.

Wenn die Industrie 75% gibt, kommt der Rest vom Institut

Einiges sei bereits geleistet, so Vörsmann, z.B. seien international beachtete, europäische Kongresse und Jahrestreffen in Braunschweig fest etabliert, jedoch fehle der Gang hinaus auf renommierte Messeplätze, z.B. Le Bourget, Farnborough, ILA Berlin, und die ITS Kongresse (ITS=Intelligent Transportation Systems) in Indien, USA, Russland etc. Für Vertriebstätigkeiten müsse mehr Geld ausgegeben werden. À propos Geld: viel zu wenig werde für Bildung ausgegeben. Im internationalen Vergleich hinke man sehr stark hinterher. Kooperationen mit der Industrie müssen her. Für sein Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme versprach Vörsmann einen eigenen Anteil von 25 %, wenn die Industrie 75 % des Investments aufbringen würde.

Mut haben, Dinge zuerst zu denken und in Deutschland umsetzen!

Josef Thomas bemängelte die fehlende Identifikation mit dem hiesigen Standort, räumte aber den Aktivitäten "Stadt der Wissenschaft" Potenzial ein, das derzeit noch nicht hinreichend entwickelte Markenleitbild des Forschungsflughafens zu stärken. Er forderte mehr Mut ein: Mut, Dinge in Deutschland nicht nur zuerst zu denken, sondern hier auch industriell umzusetzen. Der vielbeklagte brain drain - die Abwanderung international angesehener Wissenschaftler aus Deutschland - sei durch bürokratische Hemmnisse verursacht, Genehmigungen müssen einfacher werden, Arbeitsumfelder müssen für Wissenschaftler, Erfinder und Innovatoren freundlicher gestaltet werden. Neben zahlreichen, noch zu leistenden Aufgaben, lobte Thomas das besondere ehrenamtliche Engagement zahlreicher Helfer für den Forschungsflughafen.

Bernd Kaufmann hob die Aufgabe hervor, die Aktivitäten rund um die Simulationen zu intensivieren. Dies sei eine wesentliche Erkenntnis der der McKinsey-Studie über „Entwicklungsmöglichkeiten am Forschungsflughafen“: über Simulation Dinge erlebbar zu machen, Imaginationen ebenfalls für Ausbildung und Trainings einzusetzen. Edutainment (Konzept des unterhaltsamen Lernens) und entertainment - der Wachstumsmarkt Freizeitbeschäftigung - seien Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten zugleich.

Harry Evers erläuterte das Projekt „GAUSS“ (Galileo Applications and Users in the domain of Safety & Security = GALILEO Zentrum für sicherheitskritische Anwendungen, Zertifizierungen und Dienstleistungen). Es trägt den Namen eines berühmten Braunschweiger Mathematikers  und wurde im Rahmen der niedersächsischen Landesinitiative Satellitennavigation vor einem Jahr gegründet. Es ist als zusätzliche Sparte GNSS (Global Navigation Satellite System) mit eigener Geschäftsführung innerhalb des Gesamtzentrums für Verkehr Braunschweig e.V. (GZVB) eingerichtet und wird mit den entsprechenden Gremien geführt. Ein Schwerpunkt des europäischen Satellitenprogramms GALILEO liegt im gesamten Bereich der sicherheitsrelevanten Anwendungen. Darunter summieren sich sowohl die „klassischen Safety-of-Life“ Anwendungen in der Luft- und Schifffahrt als auch neuartige Sicherheitsanwendungen wie Gefahrgutüberwachung und kommerziell kritische Anwendungen, die künftig eine Zertifizierung erforderlich machen.

v.l.: Thomas Conrady, Josef Thomas, Peter Vörsmann, Henning Noske, Braunschweiger Zeitung, Harry Evers, Bernd Kaufmann<br /><br />Foto: Carola Meyer, Braunschweig Zukunft GmbH

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