Transferabend im Juli

Nachwachsende Rohstoffe

"Energielieferanten sind auch nicht mehr das was sie waren." So oder so ähnlich deutet ein Werbespruch auf die energetische Verwertung nachwachsender Rohstoffe hin. Neue Wege mit Energie stellte Dipl.-Ing. Francis Kleitz, Vorstandsmitglied der Braunschweiger Versorgungs-Verwaltungs-AG, mit der Marke "BS|ENERGY" ein bundesweit vorbildliches Projekt zur Gewinnung von Biogas vor.

Perspektiven für die Zukunft der Region

Über 150 Zuhörer fanden sich am 5. Juli zum Transferabend „Nachwachsende Rohstoffe – Zukunftsperspektiven der Region“ in der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) ein. Entlang den Wertschöpfungsketten stofflicher und energetischer Nutzung (Anbau, Ernte, Aufbereitung, Produktherstellung, Endprodukt) stellte Professor Klaus-Dieter Vorlop, FAL, das Potenzial der Pflanze als künftigen Rohstofflieferanten vor. Ressourcenschonende Produkte und Technologien avancieren jedoch auch zu einem bedeutenden Jobmotor: je höher der Veredelungsgrad der Produkte aus Pflanzen ist, umso höher zeigen sich Wertschöpfung beschäftigungswirksame Effekte.

Die Diversifikationschancen in vielen Industriezweigen, hob der Geschäftsführer der ForschungRegion Braunschweig e. V., Klaus-Dieter Kühn, hervor. Der geschlossene regionale Forschungsverbund auf dem zukunftsträchtigen Gebiet der Biomassennutzung und –verarbeitung könnte so gleichsam zum Katalysator auch für das Land- und Forstwirtschaft umgebende industrielle Umfeld werden.

Zurückhaltend zu den prospektiven Möglichkeiten einer solchen Entwicklung neuer regionaler Wertschöpfungsketten äußerte sich Ulrich Löhr, vom Niedersächsischen Landvolk, Bezirksverband Braunschweig: „Wir bleiben in erster Linie Nahrungsmittelproduzenten“. Er forderte, zunächst die Nutzung nachwachsender Rohstoffe das Thema „Biokraftstoffe der zweiten Generation“ durch mehr Forschung voranzutreiben.

Regionale Herausforderung des 21. Jahrhunderts seien Verbrauchsminderungen durch Effizienzsteigerungen, die neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien eine nachhaltige Energieversorgung von Industrie und Bevölkerung sicher stellen sollen, so Christian Sprute von der projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH. Er stellte den Arbeitskreis Energetische Verwertung und die NaWaRo, Energie & Markt GmbH vor, die u.a. markt- und produktbezogene Projekte für die Region Braunschweig in den Geschäftsbereichen Energieeffizienz/Energieeinsparung sowie stoffliche und energetische Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen bearbeiten werde.

Professor Rainer Marutzky, Fraunhofer-Institut für Holzforschung (Wilhelm-Klauditz-Institut) dachte im Bereich stofflicher Nutzung wesentlich globaler und berichtete über Projekte mit Indonesien und Malaysia, Ländern, die über einen außerordentlichen Pflanzenreichtum verfügen. Gegenüber der reinen energetischen Verwertung von Pflanzen, z.B. zur Wärmeerzeugung, Treibstoffherstellung und Verstromung würde eine stoffliche Verwertung (Werkstoffe, Lackharze, Lösemittel, Papier, Leichtbauplatten etc.) um den Faktor 25 höhere Arbeitsmarkteffekte aufweisen, bestätigte der Holzexperte.

Francis Kleitz, Vorstandsmitglied von BS|ENERGY, blickte mutig in die Zukunft. Sein Unternehmen betreibt Deutschlands ein erstes Biogas-Netz in Kooperation mit dem Abwasserverband Braunschweig. Etwa 1000 Hektar Ackerfläche zum Anbau von Mais und Roggen werden im Südkreis Gifhorn zur Biogasgewinnung genutzt. Eine 20 km lange Transportleitung von Hillerse nach Braunschweig-Ölper sorgt dort für die Strom- und Wärmeerzeugung im neuen Bio-Block-Heiz-Kraftwerk und kann bereits im September diesen Jahres Strom (15 Mio. kWh, entsprechend 3.800 Haushalte) und Wärme (16 Mio kWh, entsprechend 1000 Haushalte) zur Versorgung der Stadt Braunschweig einspeisen. Ca 7.200 Tonnen CO2  können durch Substitution von Erdgas jährlich eingespart werden. Ein weiterer Ausbau des Biogasnetzes sowie zusätzliche Netzanschlüsse von Landwirten und Biogasproduzenten sind möglich. (Ansprechpartner vgl. zum Herunterladen : „Perspektiven aus energetischer Sicht“)

Ein weiteres Biogas-Kraftwerk im Braunschweiger Umland sei bereits geplant, kündigte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Rat der Stadt Braunschweig, Eberhard Funke, an. Auch im Anlagenbau werden Forschung und Industrie künftig noch stärker zusammenarbeiten. So in gemeinsamen Projekten der FAL und dem Wilhelm-Klauditz-Institut mit der Braunschweigischen Maschinenbauanstalt (BMA), sagte Dr. Christian Klein, BMA. Auch werden in der Region bereits Technische Assistenten für die Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe (NawaRo) ausgebildet. 24 Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schule II aus Gifhorn lauschten gespannt den Ausführungen der Experten. Die Forschungseinrichtungen boten dem Fachkräftenachwuchs spontan Praktika-Möglichkeiten an. 

Quelle:

ForschungRegion Braunschweig e.V.
Dipl.-Ing. Klaus-Dieter Kühn
Geschäftsführer
Fallersleber-Tor-Wall 16
38100 Braunschweig
Tel.: 0531 391 7603
e-mail: k.kuehn@tu-bs.de 

ergänzt um Informationen aus den Vorträgen [vgl. zum Herunterladen]

Auf dem Podium von links: Prof. Dr. Klaus-Dieter Vorlop, Institut für Technologie und Biosystemtechnik der FAL, Dipl.-Ing. Francis Kleitz, BS-ENERGY, Ulrich Löhr, Niedersächsisches Landvolk, Bezirksverband Braunschweig, Christian Sprute, projekt Region Braunschweig GmbH, Prof. Dr. Rainer Marutzky, Fraunhofer-Institut für Holzforschung, WKI, Henning Noske (Moderation), Dr.-Ing. Christian Klein, BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG<br />Foto: FAL

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Nachwachsende Rohstoffe - Perspektiven für die Zukunft der Region
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Perspektiven aus energetischer Sicht
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Projekt Nachwachsende Rohstoffe Energie & Markt
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