Transferabend im Januar [Leseversion]

von oben nach unten:<br />EU-Expertin Gabriele Rose: „Region Braunschweig gehört in Europa zu den Champions.“ <br />Dr. Stephan Röthele: „Von 100 Experten erzielen nur 5 einen Markterfolg.“ <br />Professor Dr. Klaus-Dieter Vorlop: „Der Technologietransfer ist heute besser als früher.“ Wie kann das Know-how der Region optimal genutzt werden? IHK-Vizepräsident Helmut Streiff moderierte die Expertenrunde.<br />Das Erfolgsrezept von Renate Hübner: „ Kontakte, Kontakte, Kontakte!“<br />Joachim Roth: „Enorme Forschungsgeschichte und ausgezeichnete Netzwerke.“<br />Professor Dr. Jürgen Hesselbach: „Mittelstand darf nicht von technologischen Entwicklungen abgeschnitten werden.“<br /><br />Fotos: Agentur Hübner, Wolfenbüttel
Die Podiumsdiskussion wurde von TV38 dokumentiert und am 26.01.2007 in der Sendung "TV38...vor Ort" ausgestrahlt.

Erster Transfer-Abend zu Zukunftspotenzialen der Region

Wie können Wachstum und Beschäftigung in der Region intensiviert werden – in Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft? Diese Frage stand im Mittelpunkt des ersten Transfer-Abends zu Zukunftspotenzialen der Region. Bei der Podiumsdiskussion im Kongresssaal der IHK, an der sich auch viele der rund 100 Zuhörer beteiligten, wurde deutlich, dass trotz zahlreicher Erfolge noch reichlich Handlungsbedarf besteht.

„Die wenigsten Industrieunternehmen wissen, was die einzelnen Forschungsanstalten in der Region eigentlich machen“, konstatierte etwa Prof. Dr. Klaus-Dieter Vorlop, Abteilungsleiter am Institut für Technologie und Biosystemtechnik an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft FAL. Wirtschaftsdezernent Joachim Roth stellte fest, dass „in der Vergangenheit nicht immer eine Sprache gesprochen wurde“. Und TU-Präsident Prof. Dr. Jürgen Hesselbach kündigte an, dass die TU Braunschweig künftig verstärkt in die Diskussion um Themen für den Mittelstand einsteigen werde.

„Das Ziel der Transfer-Abende ist nicht nur der Know-how-Transfer, sondern auch der Transfer von know why, know who und know where“, leitete Moderator Helmut Streiff die Diskussion ein. Zuvor hatte Dr. Gabriele Rose, Nationale Expertin der Europäischen Kommission, in einem Impulsreferat betont, dass Innovationskraft nicht nur durch Menschen entstehe, die gut ausgebildet sind und miteinander reden. Notwendig seien zudem Unternehmen, die das Wissen am Markt umsetzten, Politik und Verwaltung, die gute Rahmenbedingungen für die Wissenschaft schafften, sowie finanzielle Mittel für die Forschung. „Hat man dies alles, muss man aufpassen, dass man nicht in den eigenen Strukturen verharrt.“ Braunschweig sei in dieser Hinsicht „ganz gut dabei“, es gebe ein gedeihliches Miteinander. Mit dem Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung sowie den FuE-Ausgaben relativ zur Wirtschaftsleistung sei die Stadt der Wissenschaft 2007 auch im europäischen Kontext Champion. Weltweit seien diese Stärken indes nach wie vor nicht genügend bekannt. „Zeigen Sie, was Sie haben. Machen Sie Werbung“, empfahl sie deshalb. Bezogen auf ganz Deutschland, wies Gabriele Rose auf die Bedeutung der lebenslangen Weiterbildung hin, die noch immer sträflich vernachlässigt werde. „Wirklich umgesetzt haben das lebenslange Lernen bislang nur die nordeuropäischen Staaten.“

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die Bedeutung von Kontakten herausgestellt. „Ich hoffe, dass die Braunschweiger im Jahr der Stadt der Wissenschaft 2007 endlich Braunschweig kennen lernen“, so Renate Hübner, die Geschäftsführerin der Braunschweiger Umwelt-Biotechnologie GmbH. Joachim Roth kündigte an, das Jahr 2007 durch entsprechende Maßnahmen zur Imageverbesserung Braunschweigs zu nutzen, damit auch ausländische und auswärtige Fach-  und Führungskräfte künftig vermehrt in Braunschweiger Unternehmen und Institutionen arbeiteten. Vor allem gelte es jedoch, die Vernetzung zwischen Forschung und Wirtschaft in der Region voranzutreiben. „Hier muss unbedingt der Mittelstand verstärkt eingebunden werden.“

Forscht die Wissenschaft am Bedarf kleiner und mittlerer Unternehmen vorbei, weil sie sich vor allem auf große Industriebetriebe konzentriert? Diese Kritik aus dem Zuhörerkreis wurde ausführlich erörtert. „Es gibt Defizite“, räumte TU-Präsident Prof. Dr. Jürgen Hesselbach ein. „Zehn Prozent unserer Professoren machen derzeit 80 Prozent der industriellen Auftragsforschung. Die Anreize fehlen.“ Meist würden öffentliche Mittel, insbesondere die der Deutschen Forschungsgemeinschaft, als für die wissenschaftliche Reputation förderlicher angesehen. Hinzu komme: „Bei der Einwerbung von Drittmitteln streckt man sich halt danach, wo die Geldtöpfe sind.“ Damit der Mittelstand nicht von der technologischen Entwicklung abgeschnitten sei, müsse man tätig werden – etwa indem der Technologietransfer auch in die Lehre und Punkteskala der Hochschullehrer mit eingehe. Prof. Hesselbach betonte jedoch: „Es ist nicht unsere Aufgabe, eine verlängerte Werkbank zu sein. Ein Kompromiss ist nötig.“

Nur wenn ein Unternehmen Vertrauen zu einer Forschungseinrichtung habe, werde es in den Technologietransfer einsteigen, machte der TU Präsident deutlich. „Die Institute müssen deutlicher machen, wer welche Probleme löst; die Industrie muss bereit sein zu sagen, was sie gerne hätte“, bekräftigte Klaus-Dieter Vorlop.

Dr. Stephan Röthele, geschäftsführender Gesellschafter der Sympatec GmbH, steuerte der Diskussion ein Fallbeispiel verschiedener Dekaden des Technologietransfers bei. „Im besten Fall fängt man an, indem man eine Durchbruchinnovation identifiziert. Der zweite Schritt ist heute noch schwierig: Die Mobilisierung von Risikokapital. Als nächstes muss man den Gesellschafterkreis konstituieren. Man muss operativ sicherstellen, dass der Entrepreneur das Sagen hat. Zum Abschluss der Gründungsphase sollte man sich vornehmen, die Technologieführerschaft zu erringen und darauf achten, dass man einen Break-Even erzielt“, skizzierte er die erste Dekade. In der zweiten Dekade gelte es dann, die Priorität auf die Internationalisierung zu verschieben und Folgeinnovationen auszumachen. „Klassischerweise soll man so viel Vertrauen geschaffen haben, dass man Banken zur Finanzierung findet. Wahrscheinlich hat man in der zweiten Dekade auch schon entdeckt, dass man im Begriff ist, ein Hidden Champion zu werden.“ In der dritten Dekade veränderten sich die Prioritäten dann erneut: „Jetzt kommt professionelles Marketing hinzu. Man muss bereit sein, sich von Dingen zu trennen, die nicht marktgängig waren und die Bereitschaft und Fähigkeit entwickeln, die Technologieführerschaft in ausgewählten Branchen zur Marktführerschaft zu bringen.“ In der Gründungsphase von Sympatec habe es vier Wettbewerber gegeben, „und wir waren die Nummer vier“. Zweieinhalb Millionen Euro Risikokapital standen zur Verfügung, es gab eine Durchbruchinnovation.

Auf dieser Grundlage seien in 25 Jahren 1250 hochwertige Arbeitsplatzjahre entstanden – „durchschnittlich 20 hochwertige Arbeitsplätze pro einer Million Euro Risikokapital“. Nach 20 Jahren war die Sympatec GmbH die Nummer zwei, bei inzwischen 16 Wettbewerbern.

Hingewiesen wurde bei der Veranstaltung auch auf verschiedene Programme und Angebote: Dr. Gabriele Rose stellte das neue Förderprogramm „Regions of Knowledge“ vor, das Regionen die Chance bietet, nach Erstellung einer Systemanalyse Aktionsfelder zu entwickeln. Martina Miessler von der NBank schilderte den Ablauf eines Innovationsaudits, bei dem mithilfe eines computerbasierten Tools 35 innovationsrelevante Prozesse von Unternehmen untersucht und bewertet werden, um auf diese Weise Innovationspotenziale zu ermitteln. Helmut Streiff wies auf die kostenlosen Beratungsschecks der IHK hin.

Bei weiteren Transfer-Abenden wollen die IHK, die Braunschweig Zukunft GmbH, die projekt Region Braunschweig GmbH und die Mitglieder der ForschungsRegion Braunschweig e. V. nun gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft den Wissensaustausch und Kooperationen in Stadt und Region fördern, Ideen für neue Arbeitsplätze und Produkte identifizieren sowie Wertschöpfung und Lebensqualität in der Region steigern helfen. Thema des nächsten Transfer-Abends am 16. Februar ist „Wissenschaft im Dialog“. Am 13. März wird über Kooperationsnetze zwischen Wissenschaft und Wirtschaft als Wachstumsfaktor“ diskutiert.

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Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsing. Peter Peckedrath

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Braunschweiger Zeitung: Machen Sie mehr Werbung für die Region
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Peiner Zeitung: Auftakt: Transferabende in der IHK
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