Erfinder erhält Sonderpreis der IHK BS

MALP-2 wirkt bei inoperablem Pankreaskrebs lebensverlängernd

Professor Dr. Peter Mühlradt Woundhealing Research Group
oben: Verlauf einer intranasalen Immunisierung: Impfstoff mit MALP-2 und zum Vergleich der Impfstoff ohne MALP-2 - in hoher Auflösung:Intranasale Immunisierung [1242x827px]<p></p>unten: Überlebenszeit der mit MALP-2/Gemcitabin behandelten Patienten gegenüber Patienten, die nur mit Gemcitabin behandelt wurden - in hoher Auflösung Überlebenszeiten von Patienten [1240x827px]

Peter Mühlradt, Erfinder des MALP-2, erhält Sonderpreis der IHK Braunschweig

MALP-2 ist eine neue Substanz, die wichtige und in ihrer Vielfalt noch nicht überschaubare Einsatzmöglichkeiten als Arzneimittel eröffnet. So wurde in Tierexperimenten gezeigt, dass MALP-2 die Wirkung von Impfstoffen beschleunigt und verstärkt (Adjuvans). Aus weiteren Experimenten geht hervor, dass MALP-2 die Wundheilung bei übergewichtigen Mäusen beschleunigt. Diese Tiere entwickeln Diabetes und leiden unter damit zusammenhängenden Wundheilungsstörungen, wie sie auch bei Menschen mit dieser Krankheit auftreten. Erst kürzlich wurde in einer ersten Studie mit wenigen Patienten gezeigt, dass MALP-2 bei inoperablem Pankreaskrebs lebensverlängernd wirkt. MALP-2 hat vielleicht noch eine viel versprechende Entwicklung als Arzneimittel vor sich.

Für die Entdeckung, Strukturaufklärung und Aufklärung der Wirkungsweise erhielt Prof. Dr. Peter Mühlradt am 23. Nov. 2007 den Sonderpreis der IHK Braunschweig. Braunschweig ist im Jahre 2007 Stadt der Wissenschaft.

Hintergrund Information
Der erste Eindruck könnte sein, dass MALP-2 als Wundermittel  gegen alles Mögliche eingesetzt werden kann. Einem derartig angepriesenem Mittel würde man vernünftigerweise mit erheblicher Skepsis begegnen. Die anscheinend so vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des MALP-2 sind aber erklärbar und auf seine Wirkung auf Zellen des Immunsystems zurückzuführen. So beruht die Bezeichnung MALP-2 auf der Abkürzung für Makrophagen Aktivierendes Lipopeptid von 2 kDa [1 Dalton = 1,660 538 782 (83) · 10−27 kg] molekularer Masse. Makrophagen sind als Fresszellen Bestandteil des Immunsystems. Tatsächlich wirkt MALP-2 auf noch weitere Komponenten des Abwehrsystems, z.B. die Lymphozyten, und es verstärkt überdies das Zusammenwirken von Makrophagen und Lymphozyten sowie weiterer weißer Blutzellen. Auch für die Wundheilung sind die Makrophagen wesentlich, diesmal weniger als Fresszellen fungierend sondern als Lieferanten für Wuchsstoffe der Zellen, die die Wunde schließen.

Die Entdeckung des MALP-2 war einem Zufall zu verdanken. Mühlradt suchte mit seiner Arbeitsgruppe an der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (jetzt Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung, HZI) in Braunschweig nach neuen Botenstoffen des Immunsystems, sogenannten Zytokinen. Eine mit winzigen Bakterien, sogenannten Mykoplasmen, verunreinigte Zellkultur war Quelle einer rätselhaften Wirkung auf Zellen der Thymusdrüse, die anfangs fälschlich einem vielleicht neuen Zytokin zugeschrieben wurde. Erst nach einigen Jahren z.T. frustrierender Forschung konnte die rätselhafte Wirkung der Kulturüberstände der Zellinie von Mühlradt, Dr. Quentmeier und anderen  Mitarbeitern auf die Mykoplasmen zurückgeführt werden. Es dauerte dann noch mehrere Jahre, bis der “Wunderstoff” MALP-2  isoliert und seine chemische Struktur aufgeklärt wurde. Die chemische Synthese ermöglichte dann den gezielten Einsatz von MALP-2  in diversen Versuchsystemen und die weitere Aufklärung seiner Wirkungsweise. In Zusammenarbeit mit einer japanischen Forschergruppe wurde der Rezeptor, ein Heterodimeres aus toll-like Rezeptor 2 und 6 identifiziert.

  • Bild: Verbesserung der Impfstoffwirkung!
    Intranasale Immunisierung [1242x827px] [click]
    Das MALP-2 verstärkt die Wirkung des Impfstoffes, indem Antikörper früher und in viel höheren Konzentrationen gebildet werden. Das bedeutet einen früheren und besseren Schutz. Im versuch wurde der Impfstoff, hier ein Bestandteil des humanen Immunitätsvirus (HIV), nicht gespritzt, sondern in die Nase geträufelt. Patienten würden den Impfstoff inhalieren und bräuchten die Spritze nicht zu fürchten.
  • Bild: Verbesserte Überlebenszeit von Pankreas-Patienten!
    Überlebenszeit der mit MALP-2/Gemcitabin behandelten Patienten gegenüber Patienten, die nur mit Gemcitabin behandelt wurden  [1240x827px] [click]
    Bei Patienten mit inoperablen Tumoren wurde MALP-2 während der Operation in den Resttumor injiziert. Diese dann mit Gemcitabin behandelten Patienten leben deutlich länger als andere in vergleichbarer Situation, die nur mit Gemcitabin, aber ohne MALP-2 behandelt wurden

Jetzt gilt es die MALP-2 Forschung in Richtung Pharmaentwicklung voranzutreiben.

Bitte beachten Sie unsere podcasts:

  • Laudatio: Sonderpreis [11:10 min.]
    Professor Dr. John Collins, Mitglied der Jury 
  • Präsentation: MALP-2 [15:35 min.]
    Professor Dr. Peter F. Mühlradt, Träger des Sonderpreises [15:35 min]

Kontakt:  Professor Dr. Peter F. MühlradtWoundhealing Research GroupBioTec Gründerzentrum, Inhoffen Strasse 7D-38124 Braunschweigfone: +49-531-1217954fax:   +49-531-1217958

Zeitgleich wurde der Technologietransferpreis der IHK Braunschweig 2007 [Verleihung 2007] an ein Wissenschaftlerteam der Physikalisch -Technischen Bundesanstalt verliehen.

Die elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt eine dendritische Zelle (weiße Blutzelle), hier blau dargestellt und gelb dargestellt den T-Lymphozyten, der das Antigen (z.B. den Impfstoff) gezeigt bekommt und erkennt.

Weiterführende Links zu diesem Thema

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Downloads

Pressemitteilung 27/2007 der IHK Braunschweig
699.9 KB, PDFDownload
Pressemitteilung des Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung
164.8 KB, PDFDownload
MALP-2-Erfinder von der IHK Braunschweig ausgezeichnet
390.6 KB, PDFDownload
Vortrag: MALP-2, ein prospektives Arzneimittel aus Braunschweig
758.9 KB, PDFDownload