Braunschweiger Biotechnologen wollen Impfstoff gegen Zecken entwickeln

Sieger im GO-Bio-Wettbewerb des BMBF

Logo, Technische Universität Braunschweig

Bei den Deutschen Biotechnologietagen in Berlin hat Staatssekretär Dr. Georg Schütte, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), acht Gewinner des Gründungswettbewerb GO-Bio ausgezeichnet. Mit dabei: ein Team von Biotechnologen der Technischen Universität Braunschweig mit Partnern aus den USA und der Industrie. 
 
„Zecken übertragen zahlreiche Krankheiten, wie zum Beispiel Borreliose oder FMSE, die sich in Norddeutschland rasant ausbreiten", kommentierte der Leiter des Projektes, Professor Michael Hust, Abteilung Biotechnologie des Instituts für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik. „Wir freuen uns deshalb sehr über die Auszeichnung und die Förderung, da wir jetzt einen Impfstoff entwickeln können, der gegen den Krankheitsüberträger, die Zecken selbst, wirksam ist. Unser Ziel ist es, das Problem wesentlich effektiver und umfassender zu bekämpfen als Impfstoffe und Therapien gegen die einzelnen Infektionserkrankungen.“

Das Projektteam der Abteilung Biotechnologie freut sich über den Gewinn des Gründungswettbewerbs GO-Bio (v. l.) Gustavo Marcal Schmidt, Garcia Moreira, Michael Hust, Viola Fühner, Stefan Dübel, Karsten Fischer, Peggy Riese und Leander Grode. Foto: Viola Fühner/TU Braunschweig

Das Team um Prof. Hust kann nun zunächst zwei Jahre lang mit Finanzierung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) an ihrem neuen Impfstoffkandidaten forschen. Unterstützt werden sie dabei von Prof. Thomas Mather, dem bekanntesten Zeckenexperten der USA von der University of Rhode Island, und der Impfstoff-Entwicklungsfirma Vakzine Projekt Management (VPM) GmbH aus Hannover. Im Erfolgsfall fließen danach weitere Fördermittel. Bei positiver Evaluierung stellt das Ministerium bis zu 2,5 Millionen Euro insgesamt zur Verfügung.

Zecken übertragen viele Krankheiten

Zecken sind Spinnentiere, die während ihres komplexen Lebenszyklus Blut unterschiedlicher Tierarten aufnehmen. Nach dem Biss benötigt die Zecke 24 bis 36 Stunden bis sie Blut aufnehmen kann, in der Zwischenzeit „kämpft" sie gegen das Immunsystem und die Blutgerinnung des Wirts. Erst bei der Blutaufnahme kann es zur Übertragung von zahlreichen Infektionserkrankungen kommen. Am bekanntesten sind die durch Bakterien verursachte Borreliose und die durch Viren verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Weitere Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden sind zum Beispiel das Rocky-Mountain Fleckfieber, das Krim-Kongo-Fieber, die Tularämie (Hasenpest) oder durch Parasiten übertragene Krankheiten wie Babesiose.
 
Eine Entwicklung von Impfstoffen und Therapien gegen diese Fülle von Krankheiten ist nicht praktikabel, deshalb soll in diesem Projekt ein Impfstoff gegen die Zecke als Überträger der Krankheit entwickelt werden. Bei Menschen, die sehr häufig von Zecken gebissen wurden, tritt eine erworbene Zeckenimmunität auf. Hierbei gibt es eine Immunreaktion gegen Zecken, es kann kein Blut aufgenommen werden. Somit können auch keine Krankheitserreger übertragen werden. Die gleiche Reaktion soll mit einem Impfstoff gegen Zecken erreicht werden.
 
Das Go-BIO-Programm ist eine Förderinitiative des BMBF für Forschungsthemen aus den Lebenswissenschaften mit hohem Innovationsgrad und mit dem Ziel einer Firmengründung. Prof. Stefan Dübel, Leiter der Abteilung für Biotechnologie, freut sich über die Auszeichnung. Die TU Braunschweig habe damit erneut gezeigt, dass sie nicht nur hervorragende Lehre in den Lebenswissenschaften anbiete, sondern auch erstklassige Forschung in konkrete Fortschritte der Medizin mit Nutzen für uns alle umsetzten könne.
 
Über die Abteilung Biotechnologie
Die Abteilung Biotechnologie der TU Braunschweig bearbeitet vielfältige Forschungsthemen rund um die Erzeugung, Nutzung und Verbesserung von Proteinen im Bereich der Infektionsforschung, Diagnostik und Wirkstoffentwicklung. Dabei werden Methoden der Gentechnologie genutzt. Dieselben Methoden ermöglichen, dass in Zukunft erheblich weniger Tiere zur Herstellung von Antikörpern in Laboren eingesetzt werden müssen.
 
Über Go-BIO
Das BMBF sorgt mit der „Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio)“ dafür, dass der Zustrom an aussichtsreichen Gründungen nicht abreißt. Mit GO-Bio werden gründungsbereite Wissenschaftlerteams aus den Lebenswissenschaften über maximal sieben Jahre gefördert – bis zu vier Jahre vor der Gründung in der ersten Förderphase und gegebenenfalls weitere drei Jahre nach der Gründung in einer zweiten Förderphase.

Kontakt:

Prof. Dr. Michael Hust
Technische Universität Braunschweig
Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik,  Abteilung Biotechnologie
Spielmannstr.7
38106 Braunschweig
Tel: +49 531 391-5760
E-Mail : m.hust@tu-braunschweig.de

Quelle:

Technische Universität Braunschweig
Universitätsplatz 2
38106 Braunschweig
 
Regina Eckhoff
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Tel.: +49 531 391-4123
E-Mail: r.eckhoff@tu-braunschweig.de

Weitere Informationen/Links:

Abteilung Biotechnologie der TU Braunschweig

Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio)

Bestellung: Innovations- und Umweltnachrichten

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