„Teure Flops“: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich

Studie zeigt Wege zu mehr Produktivität in Forschung und Entwicklung

Logo, Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V. an der Ruhr-Universität Bochum

Neue Produkte sichern den Unternehmenserfolg von morgen. Folgerichtig investieren Unternehmen Millionen in Forschung und Entwicklung. Doch nur 5% der Ideen setzen sich erfolgreich am Markt durch. Wer an den Bedürfnissen der Kunden vorbei entwickelt oder erfolgversprechende Potenziale ungenutzt lässt, „verschwendet“ knappe Ressourcen: Zeit, Geld und häufig auch „Nerven“ der Fach- und Führungskräfte. Wie knappe Ressourcen nützlich verwendet werden können, analysierten Wissenschaftler des IAI Bochum in einer vom Bundesforschungsministerium geförderten empirischen Studie bei über 370 technologieorientierten Unternehmen.

Wenn man bedenkt, dass die Forschungs- und Entwicklungsausgaben von global agierenden Unternehmen im Milliardenbereich liegen, ist eine Flopquote von 95% der Neuproduktideen ein ernüchternder Befund. Selbst von den Ideen, die es bis zur Markteinführung schaffen, wird nur jede zweite zum Markterfolg. Der Markt honoriert nur unzureichend das, wofür Unternehmen riskante Investitionen vornehmen. Hintergründe von „teuren Flops“ sind eine häufig falsch verstandene Kundenorientierung. Die Vermutung, was der Kunde (ge-)brauchen können müsste, ersetzt nicht echte Innenkenntnis der An- und Verwendungsbedingungen der Kunden. In diesem Sinne wird der Faktor „Kunde“ für die Suche nach neuen Innovationsimpulsen aber nur bei einer Minderheit der befragten Unternehmen (38%) einbezogen.

Doch nicht nur der Markt sieht manche Entwicklung skeptisch, sondern die Forscher und Entwickler selbst schätzen das eigene Innovationsportfolio als begrenzt zukunftsfähig ein. Mehr als 75% sind überzeugt, zu wenig aus den Möglichkeiten ihres Unternehmens zu machen. In über 57% der Fälle bemängeln die Befragten die strategische Ausrichtung der eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Mit anderen Worten: In der Forschung und Entwicklung besteht durchaus eine hohe Sensibilität, zu wenig für das Geschäft von morgen zu tun und die Ressourcen noch (zu) stark auf den Feldern von heute einzusetzen.

Mehr als zwei Drittel der Befragten meinen, dass dies dem hektischen Tagesgeschäft geschuldet sei und keine Zeit für langfristige Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aufzubringen ist. 49% der Unternehmen geben etwa an, sich mit zu vielen kurzfristigen kundenorientierten Projekten zu befassen. Doch es ist nicht nur der Druck des Kurzfristigen, der den Raum für Zukunftssicherung einengt, sondern auch finanzielle Ressourcenengpässe schränken die Möglichkeiten ein. In rund einem Drittel der Fälle wurden in diesem Zusammenhang zu geringe Budgets beklagt. Doch die Ursachen für die strategische Lücke in der Forschung und Entwicklung liegen noch tiefer: Selbst wenn Zeit und Geld verfügbar wären, scheint nicht selten die Orientierung zu fehlen. Etwa ein Drittel der Forschungs- und Entwicklungsexperten sieht eine mangelnde Orientierung als Ursache für unzureichende Zukunftssicherung an.

Doch nicht nur im strategischen, sondern auch im operativen Bereich liegen noch Verbesserungsmöglichkeiten. Dabei reicht das Spektrum von organisatorischen Unzulänglichkeiten bis hin zu personellen Verfügbarkeiten. Wer etwa zu viele Projekte gleichzeitig verfolgt (57%), zu lange auf Entscheidungen warten muss (47%) und dann zu wenige Forscher und Entwickler hat, die eigenverantwortlich anspruchsvolle Projekte bearbeiten können (57%), muss sich über hohe Flopraten nicht wundern. Überlastete Schlüsselpersonen (77%) machen erfolgreiche Innovationsarbeit nicht leichter.

Der Gestaltungsbedarf scheint klar „auf dem Tisch“ zu liegen – doch häufig fehlt die Orientierung, wo anzusetzen ist, um knappe Mittel nützlicher einzusetzen. Die Bochumer Innovationsforscher haben hierfür Lösungswege ausgearbeitet. Entgegen gängiger Moden ist dabei aber nicht nur eine Steigerung von Effizienz das Ziel. Die Professoren Kriegesmann und Kerka, wissenschaftliche Leiter der Studie, warnen vor einer einseitigen Ausrichtung auf kurzfristige Ziele: „Denn sonst besteht die Gefahr, hocheffizient das Falsche zu machen und Zukunftsfelder zu übersehen!“

Die Studie „FuE-Management: Mehr aus knappen Innovationsressourcen machen“ (ISBN 978-3-928854-39-9) ist über das IAI Bochum zum Preis von 39 Euro zu beziehen.

Kontakt/Quelle:

Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V. an der Ruhr-Universität Bochum,
Buscheyplatz 13,
44801 Bochum,
Tel.: +49 234/97117-0
E-Mail: info@iai-bochum.de

Weitere Informationen/Links:

Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V. an der Ruhr-Universität Bochum

IAI Bochum | Verbundprojekt „Ressourcenschonendes Arbeiten in der industriellen Forschung und Entwicklung – ReFo“

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