Bessere Antikörper für die Diagnostik

Braunschweiger Forscherteam gewinnt EXIST-Forschungstransfer-Förderung

Das kleine Röhrchen, das Prof. Stefan Dübel in die Kamera hält, enthält die Baupläne von Milliarden unterschiedlicher Antikörper aus aller Welt. Sie sind der Ausgangsstoff für ein tierversuchsfreies Verfahren zur Herstellung definierter Rohstoffe für Diagnostik und Therapie.
Bildnachweis: Jörn Josewski/TU Braunschweig
Professor Dübel zeigt ein Röhrchen mit Antikörpern

Unzählige diagnostische Tests, die über unsere Gesundheit entscheiden, sind abhängig von Tierprodukten undefinierter Zusammensetzung und wechselnder Qualität, denn sie benötigen Antikörper aus Tierblut. Diese werden seit mehr als 40 Jahren durch Immunisierung von Tieren und Blutentnahme gewonnen. Forscher der Technischen Universität Braunschweig haben nun eine nachhaltige Alternative entwickelt.

Eine Gruppe junger Forscher aus Braunschweig hat eine Methode entwickelt, um die bisher in Tieren erzeugten Antikörper für die Diagnostik zu ersetzen. Dafür hat das Team jetzt eine umfangreiche Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums für eine Firmengründung eingeworben. Dies gab Professor Stefan Dübel, Leiter der Abteilung Biotechnologie an der TU Braunschweig, auf dem Tag der offenen Tür der YUMAB GmbH, bekannt. YUMAB ist eine erfolgreiche Ausgründung der TU Braunschweig mit Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-Süd.

"Ich selbst habe bereits viel Erfahrung mit dieser Methode und kein Zweifel, dass wir unser Ziel jetzt dank der Förderung schnell erreichen können“, erklärt Saskia Helmsing aus dem Gewinnerteam. Diese Technologie werde viele diagnostische Tests verlässlicher machen, da dafür anstelle von Tierblutprodukten mit ihrer wechselnden Qualität erstmals exakt definierte und beliebig nachproduzierbare Rohstoffe lieferbar seien.

Logo der TU Braunschweig

Die Braunschweiger Forscher nutzen dabei eine Erfindung von Professor Dübel. Dieser erklärt seine Technologie so: "Wir haben in unserm Labor eine riesige Sammlung von Bauplänen für Antikörper von Menschen aus aller Welt hergestellt. Mithilfe eines biotechnologischen Verfahrens können wir daraus Antikörper gegen sehr viele verschiedene Krankheiten herstellen – und zwar komplett im Reagenzglas.“ Tierversuche, Immunisierungen oder Blutprodukte seien dafür nicht mehr notwendig. Diese Methode kann sowohl in der Wirkstoffentwicklung wie bei der YUMAB als auch zur Verbesserung der Diagnostik angewendet werden.Das EXIST-Forschungstransfer-Programm unterstützt herausragende forschungsbasierte Firmengründungsvorhaben, die mit aufwändigen und risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind. Das Braunschweiger Forscherteam konnte sich vor einer hochkarätig besetzten Jury in Berlin gegen eine starke Konkurrenz aus allen Fachbereichen durchsetzen. "Nach der erfolgreichen Ausgründung von YUMAB vor fünf Jahren werden wir nun dank des neuen EXIST-Forschungstransfer-Projekts im Bereich Diagnostik und unseres Erfolgs beim Go-Bio-Wettbewerb für die Entwicklung eines Zeckenimpfstoffs gleich zwei Gründerteams in meiner Abteilung haben“, freut sich  Professor Dübel. Beide Firmen sollen hochinnovative Produkte zur Verbesserung unserer Gesundheitsversorgung entwickeln. „Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat kürzlich prognostiziert, dass die Biotechnologie die nächste große Welle der Innovation hervorbringt. Wir fangen in Braunschweig jedenfalls schon mal damit an", sagt Dübel.


Anmerkung IHK Brauunschweig:

Das dreamteam >> Technology Transfer Activities of the Department of Biotechnology - YUMAB GmbH << erhielt den Technologietransferpreis der IHK Braunschweig 2016:
Generierung menschlicher Antikörper als medizinische Wirkstoffe | Gründung der YUMAB GmbH



Hintergrund:

Die Abteilung Biotechnologie der TU Braunschweig forscht an wissenschaftlichen Themen rund um die Erzeugung, Nutzung und Verbesserung von menschlichen Antikörpern im Bereich der Infektionsforschung, Diagnostik und Wirkstoffentwicklung. Dabei werden modernste Methoden der Molekularbiologie genutzt, die insbesondere auch den Ersatz von Tierversuchen zur Antikörperherstellung ermöglichen. 

Die YUMAB GmbH ist ein international renommiertes biotechnologisches Unternehmen mit Hauptsitz in Braunschweig und einer Außenstelle in Atlanta (USA). YUMAB ist spezialisiert auf die Entwicklung von rekombinanten humanen Antikörpern und anderen Proteinen mittels modernster molekulargenetischer Verfahren, u.a. Antikörper-Phagendisplay.

Der EXIST-Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben, die mit aufwändigen und risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind. Das Projekt wird durch die Technologietransferstelle der TU Braunschweig betreut. 

GO-BIO ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für Gründungsteams, das aus dem GO-BIO Wettbewerb hervorging. Gefördert werden Forschungsthemen mit hohem Innovationsgrad sowie mit einer Erfolg versprechenden und belegbaren Kommerzialisierungsperspektive.

Kontakt:

Prof. Stefan Dübel
Technische Universität Braunschweig
Institut für Biochemie, Biootechnologie und Bioinformatik
Spielmannstraße 7
38106 Braunschweig

Tel. 0531 391-5732
E-Mail: biotech@tu-bs.de

Weitere Informationen/Links:

Technology Transfer Activities of the Department of Biotechnology

YUMAB GmbH

EXIST-Forschungstransfer an der TU Braunschweig

GO-BIO Impfstoff gegen Zecken

Technologietransferpreis der IHK Braunschweig

Bestellung: Innovations- und Umweltnachrichten

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