Akzeptanz von Elektromobilität bei deutschen Urlaubern auf Mallorca

Hochschulstudie zur Akzeptanz und Nutzung von Elektrofahrzeugen im Urlaub am Beispiel der Baleareninsel Mallorca

Logo, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Die Themengebiete Elektromobilität und Akzeptanz von Elektroautos sind seit einigen Jahren angesichts der klimaschädlichen Emissionswerte von konventionellen Fahrzeugen und immer knapper werdenden Erdölvorkommen ein hochdiskutiertes Thema in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Vorteile eines klimaschonenden Verkehrssystems und der Nachhaltigkeit durch die Nutzung erneuerbarer Energien liegen dabei auf der Hand. Dennoch gleicht das von der aktuellen Bundesregierung ausgerufene Ziel, bis 2020 im Rahmen der Verkehrswende eine Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zu bewegen, angesichts der momentanen Entwicklungen eher einer Utopie. Den staatlichen Fördermaßmaßnahmen und dem hohen Potential wirken aktuell die hohen Preise der Hersteller, die nach wie vor begrenzte Reichweite von Elektroautos sowie eine unzureichende Ladeinfrastruktur entgegen, wodurch die Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft und der damit verbundene Durchbruch von Elektromobilität weiter auf sich warten lassen.

Jenseits der Akzeptanz und Nutzung von Elektroautos in der Alltagssituation stellt sich auch im Bereich des nachhaltigen Tourismus die Frage, inwieweit Elektrofahrzeuge in hochfrequentierten Zielgebieten eingesetzt werden können, um so die Verkehrs- und Umweltbelastung in diesen Destinationen nachhaltig zu verringern. Aktuell gibt es jedoch kaum Forschungsansätze in den touristischen Zielgebieten, die untersuchen, ob die Bereitschaft bei Urlaubern, Elektromobilität in einer stressfreien Atmosphäre – fernab von der Alltagssituation – einmal auszuprobieren, grundsätzlich gegeben ist und ob die Akzeptanz sowie die Sensibilisierung für neue Antriebe dadurch möglicherweise auch im Alltag gesteigert werden.

Diesen Fragen stellten sich nun Studierende des Masterstudiengangs Führung in Dienstleistungsunternehmen am Institut für Tourismus und Regionalforschung der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften im Rahmen einer explorativen Studie, welche im Mai 2017 auf Mallorca durchgeführt wurde. Ziel war es, die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen als Mietwagen im Urlaub bei deutschen Touristen zu analysieren.

76% der befragten Urlauber können sich vorstellen ein E-Fahrzeug statt eines konventionellen Fahrzeugs als Mietwagen in ihrem Urlaub zu nutzen

Etwas über drei Viertel der befragten Urlauber sagten aus, generell auch ein Elektroauto statt eines konventionellen Verbrenners als Mietwagen im Urlaub nutzen zu wollen. Einen Erstkontakt zur Elektromobilität in der Urlaubssituation über Mietwagen zu ermöglichen und somit Vorurteile abzubauen, könnte also ein hohes Potential für die zukünftige Akzeptanz im Alltag bedeuten. Aufgrund dessen könnte sich ein zielgerichtetes Angebot von E-Fahrzeugen bei Mietwagenanbietern nicht nur als profitable Chance für das Unternehmen selbst erweisen, sondern ebenfalls für eine erste Annäherung und Sensibilisierung der Nutzer an die modernen Antriebe sorgen. Der Anteil der Urlauber, welche die Elektromobilität gänzlich ablehnen würden, betrug insgesamt lediglich 6%. Die Studie behandelte zudem die Frage, ob Unterschiede bei der Akzeptanz bzw. Nutzungsbereitschaft von E-Fahrzeugen zwischen verschiedenen Urlaubstypen wie dem Party- oder dem Erholungsurlauber bestehen. Hier konnte allerdings in der durchgeführten Befragung kein Unterschied festgestellt werden. Die Mehrheit der befragten Urlauber würde die Nutzung von Elektromobilität nicht ausschließen – unabhängig, welchem Urlaubstyp sie angehören.

Je höher das Alter der Urlauber, desto höher das Interesse an Elektromobilität

Die Beschäftigung mit der Thematik Elektromobilität zieht sich zwar durch alle befragten Altersklassen hindurch, allerdings war eine kontinuierliche Steigerung des Interesses mit zunehmendem Alter der befragten Urlauber festzustellen. So beschäftigen sich Mallorca-Urlauber im Alter von 51 bis 60 Jahren und vor allem solche mit über 60 Jahren mit 35 % beziehungsweise 43 % verstärkt mit dem Thema Elektromobilität. Bei jüngeren Altersklassen erreichten die höchsten Anteile gerade einmal 21 %. Analog zeigte sich ein ähnliches Verhältnis der Altersverteilung bezüglich der Relevanz des Umweltschutzes. So gab der größte Teil der befragten Urlauber mit 51-60 Jahren (48,6 %) und auch der größte Teil der Urlauber mit über 60 Jahren (46,6 %) an, dass Umweltschutz eine sehr wichtige Rolle in ihrem Leben spielt. Bei jüngeren Altersklassen, lag der Anteil mit hohem Umweltbewusstsein höchstens bei 21,2 % bei Personen in der Altersklasse 41 – 50 Jahre. Trotz dessen gaben allerdings drei Viertel der Befragten in allen Altersklassen an, dass sie besorgt seien, in welchen Umweltverhältnissen zukünftige Generationen aufwachsen müssen. So verwundert es nicht, dass 76 % der Teilnehmer die Meinung vertreten, es bedürfe eines konsequenten Umstieges auf erneuerbare Energien.

Im Vergleich schneiden Automobile mit Verbrennungsmotor bei fast allen abgefragten Merkmalen besser ab

Trotz der hohen Bereitschaft bezüglich der Nutzung eines E-Fahrzeuges schneiden konventionelle Fahrzeuge bei der Einschätzung vieler Merkmale im Bereich der Fahrzeugausstattung in den Augen der Urlauber besser ab. Vor allem der niedrige Preis sowie die Verfügbarkeit bei Autovermietern und ausreichend Tank- bzw. Lademöglichkeiten werden bei den E-Fahrzeugen eher schlechter eingeschätzt als bei den konventionellen Autos. Ähnlich liegt die Einschätzung hinsichtlich der Reichweite und Zuverlässigkeit der Fahrzeuge. Ausschließlich bei dem niedrigen Verbrauch sind konventionelle und elektrische Antriebe gleich auf – bei der Umweltfreundlichkeit schneidet das E-Fahrzeug wie erwartet um einiges besser ab. Auffällig war weiterhin, dass die Merkmale hohe Sicherheit, guter Komfort und Ausstattung sowie hohes Fahrerlebnis bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor von vielen Probanden ebenfalls besser eingeschätzt wurden, als bei E-Fahrzeugen. Dies deutet auf die Notwenigkeit der Nachbesserung und Aufklärung innerhalb dieser Bereiche hin, um so beim Verbraucher das gesamte Potential dieser neuen Technologie aufzuzeigen.

Hohes Potential aufgrund der natürlichen Gegebenheiten – geringe Umsetzungsbereitschaft in den Unternehmen

Durch die relativ geringe Fläche der Baleareninsel bietet sich die Umstellung von konventionellen Verbrennungsmotoren auf elektrische Antriebe auf Mallorca sehr gut an, da die momentan noch limitierten Reichweiten der Fahrzeuge ausreichen, um einen Großteil der Insel mit einer Batterieladung zu erkunden. Das Energieunternehmen ENDESA unterstützt die Durchsetzung von Elektrofahrzeugen auf Mallorca dabei durch eine Vielzahl von Ladestationen - darunter auch sechs Schnelladestationen. Allerdings sind zum jetzigen Zeitpunkt insgesamt nur rund knapp 100 E-Mietfahrzeuge auf der kompletten Insel bei den Autovermietern anmietbar, was einem Anteil von ca. 0,15 % der gesamten während der Hochsaison auf Mallorca verfügbaren Mietwagen entspricht. Als zusätzliches Manko kommt hinzu, dass Mietwagen vornehmlich von Paaren und Familien auf der Insel genutzt werden, als E-Fahrzeuge jedoch überwiegend Kleinwagen mit begrenztem Platzangebot zur Verfügung stehen. Auch Hotelanlagen sind von der Verbindung des Beherbergungsangebotes mit der Elektromobilität noch nicht überzeugt. So existieren beispielsweise nur sehr wenige Lademöglichkeiten auf hoteleigenen Parkplätzen, welche die Mallorca-Urlauber, die der Befragung nach zu 70 % in Hotels untergebracht sind, andernfalls dazu animieren könnten, E-Fahrzeuge als Mietwagen zu nutzen. Infolgedessen scheint die stockende Entwicklung und der Übergang zur Elektromobilität auch auf Mallorca ähnliche gelagert zu sein wie in dessen Quellmarkt Deutschland. Die Bereitschaft zur Akzeptanz von Elektrofahrzeugen im Urlaub ist zwar bei den Urlaubern vorhanden, allerdings kann die stärkere Verbreitung nur funktionieren, wenn beide Seiten – Verbraucher bzw. Touristen einerseits sowie Autohersteller und touristische Anbieter auf der anderen Seite – am gleichen Strang ziehen um die Entwicklung der Elektromobilität auf deutschen und mallorquinischen Straßen voranzutreiben.

Kontakt:

Institut für Tourismus- und Regionalforschung
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften
Prof. Dr. Ernst-Otto Thiesing
E-Mail: e-o.thiesing@ostfalia.de

Quelle:

Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften
Salzdahlumer Str. 46/48
38302 Wolfenbüttel

Evelyn Meyer-Kube
Leiterin Presse/Public Relations
Tel.: +49 5331/939-10150
E-Mail: e.meyer-kube@ostfalia.de

Weitere Informationen/Links:

Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Bestellung: Innovations- und Umweltnachrichten

Suchen mit Artikel-ID