„DIALOG 4.0 - die Digitalisierung in der Arbeitswelt, was wir hierzu von Silicon Valley lernen können und eine Diskussion mit dem Goslarer Oberbürgermeister, Dr. Oliver Junk, zur Einführung einer Tourismusabgabe in Goslar“

Marshmallow Challenge: drei Gruppen bekamen 20 ungekochte Spaghetti, 1 m Bindfaden, 1 m Klebeband und ein Marshmallow. Aufgabe war es, in einem fest definierten Zeitrahmen daraus einen möglichst hohen Turm zu bauen, auf dessen Spitze ein Marshmallow zu platzieren war. Die Konstruktion musste nach Ablauf der Frist mindestens 3 Sekunden stehen bleiben.
Bild: André Pause, IHK Braunschweig

Der regionale Wirtschaftsausschuss Goslar hatte am 19. Juni in die Berufsbildenden Schulen Goslar Bassgeige – Seesen eingeladen. Im Fokus standen die Digitalisierung in der Berufsausbildung und eine Diskussion mit dem Goslarer Oberbürgermeister, Dr. Oliver Junk, zur Einführung einer Tourismusabgabe.

Vizepräsident Dr. Jochen Stöbich: Berufsschulen sind besonders herausgefordert

„Die Digitalisierung beschäftigt die Wirtschaft als ein Leitthema auf unterschiedlichen Ebenen“, hob Dr. Jochen Stöbich, Vizepräsident der IHK Braunschweig und Geschäftsführer der Stöbich Brandschutz GmbH in Goslar, bei der Begrüßung hervor. Die Szene "4.0" sei gekennzeichnet durch eine Vielzahl neuer Technologien, neuer Geschäftsmodelle, beschleunigter Wandlungsgeschwindigkeit und bei den Unternehmungen durch gewisse Unsicherheiten über den eigenen zu gehenden Weg. Die Ansprüche an die Mitarbeiter "von morgen" ändern sich in besonderem Maße, deshalb seien die Berufsschulen gegenwärtig sehr stark herausgefordert.

Die Berufsbildende Schule Bassgeige/Seesen bildet rund 2200 Schülerinnen und Schüler in technisch-gewerblichen Berufen, in sozialpädagogischen Bildungsgängen und in verschiedenen Vollzeitschulformen aus. Demgegenüber ist die Berufsbildende Schule 1 „Am Stadtgarten“ mit aktuell etwa 1.400 Schülern das Kompetenzzentrum für Berufsbildung in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung, Gesundheit und Informatik im Landkreis Goslar. Beide Schulen nehmen gemeinsam an einem Modellprojekt ‚BBS fit für 4.0‘ des Landes Niedersachsen teil, berichtete Ralf Kalwa, ständiger Vertreter der Schulleitung der BBS Bassgeige.

Modellprojekt ‚BBS fit für 4.0‘ - Goslar führend in Niedersachsen

Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Arbeits- und Berufswelt rasant. Die berufsbildenden Schulen sind wichtige Partner im dualen System, um den Fachkräftenachwuchs für die digitale Zukunft auszubilden. Um die niedersächsischen berufsbildenden Schulen in ihrer Rolle als Innovations- und Zukunftszentren auch im Bereich der Digitalisierung zu stärken, haben das Niedersächsische Kultusministerium und das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr das Projekt „BBS fit für 4.0" gestartet. Hierzu werden an den vier Standorten Emden, Osnabrück, Neustadt am Rübenberge und Goslar mit insgesamt sieben berufsbildenden Schulen so genannte „smart factories" eingerichtet. „Smart factories" sind dezentrale Lernwerkstätten, die den beteiligten Schulen sowie kleinen und mittleren Unternehmen vor Ort die Möglichkeit bieten, sich in einer modernen 4.0-Umgebung fortzubilden und miteinander zu vernetzen. Darüber hinaus sollen Auszubildende bestimmter gewerblich-technischer und kaufmännischer Berufe in und am Modell einer „smart factory" lernen und sich das Thema 4.0 in all seinen Facetten erschließen können, führte Roman Sass aus, der an der BBS Bassgeige lehrt und den Bereich „smart factory“ pädagogisch begleitet. Anke Thumann, die Leiterin der BBS „Am Stadtgarten“ erläuterte den Teilnehmern, wie sich die beiden Berufsschulen mit ihren Ausbildungsangeboten auch bei digitalen Ausbildungsthemen ergänzen.

OB Dr. Oliver Junk: Tourismusbeiträge werden zur Deckung des Aufwandes für die Förderung des Tourismus erhoben - Haushalt ist anderweitig finanziert und seit 2013 ausgeglichen

„Eine Tourismusabgabe dient nicht dazu eventuelle Haushaltslöcher zu schließen, sondern ist direkt an die Finanzierung touristischer Leistungen gekoppelt“, betonte Dr. Oliver Junk, Oberbürgermeister der Stadt Goslar. Der Tourismus ist in der Stadt Goslar ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Im Ortsteil Hahnenklee, der als Kurort prädikatisiert ist, gibt es eine vergleichbare Abgabe bereits. Dort zahlen die Unternehmen, die unmittelbar oder mittelbar vom Tourismus profitieren, einen Fremdenverkehrsbeitrag und die Gäste einen Kurbeitrag. In der Kernstadt Goslar wird die Einführung einer vergleichbaren Tourismusabgabe und eines Gästebeitrags erwogen. Von den zahlreichen Übernachtungs- und Tagesgästen profitieren viele Branchen, Unternehmen und Akteure. Doch das Tourismusmarketing und der Erhalt einer touristischen Infrastruktur, die Durchführung von Veranstaltungen, die Weihnachtsbeleuchtung u.v.m. kosten Geld.

Mit der Änderung des niedersächsischen Kommunalabgabengesetzes sind jetzt neue Möglichkeiten einer Finanzierung geschaffen worden. Dr. Junk erläuterte den Teilnehmern die Vorgehensweise bei der Festlegung der geplanten Abgaben. Nicht alle Unternehmen profitieren in gleichem Maße vom Tourismus. Durch den Tourismus unmittelbar bevorteilt sind diejenigen, die in direkter Verbindung mit den Fremden stehen, indem sie für diese gegen Entgelt Dienstleistungen erbringen oder an sie Waren verkaufen (Beherbergungsbetriebe, Gaststätten, Inhaber von Ferienwohnungen, Läden, Betrieben, die Freizeitaktivitäten anbieten). Durch den Tourismus mittelbar bevorteilt sind diejenigen, die in Beziehung zu den unmittelbar Bevorteilten stehen (Vermieter und Verpächter von Hotelanlagen oder Getränkelieferanten für Gaststätten, Handwerker, Dekorateure, Banken, Werbeagenturen u.a.). Der zukünftige Beitrag werde sich nach der Formel „Umsatz mal Mindestgewinnsatz  mal Vorteilssatz mal Beitragssatz“ ermitteln. Bei der anschließenden Diskussion gab es seitens der Teilnehmer auch kritische Stimmen. So führte ein Teilnehmer aus, dass er ja bereits Gewerbesteuer zahle und für sich keine Vorteile aus dem Tourismus erkennen könne, da sich der Standort seines Unternehmens in einem Gewerbegebiet außerhalb der typischen Touristenströme befinde.

Design Thinking - ein Ansatz zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen

Martin Talmeier ist als Trainer für das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam. Mit "Design Thinking" schlägt das HPI eine Brücke ins Silicon Valley zum Schwesterinstitut der Stanford University. Das HPI und das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin geben Antworten auf Fragen der Digitalisierung aus der unternehmerischen Praxis. In seinem Vortrag „Silikon Valley-Impulse für den Mittelstand“ gab Talmeier den Teilnehmern Beispiele des „Design Thinking“ und vermittelte Methoden eines neuen, nutzerzentrierten Denkens vermitteln. Das Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden. Anhand einer praktischen Übung, dem Bau eines Turms aus Spagetti in kleinen Gruppen, konnten die Teilnehmer selbst Eindrücke gewinnen.

3-D-Drucker im Regal - da möchte man gern zugreifen
Bild: Fabmaker GmbH

Dean Ciric und Daniel Kerlin von der fabmaker GmbH aus Braunschweig stellten den Besuchern der Veranstaltung dann ein praktisches Digitalisierungsthema vor, den 3-Druck. Fabmaker bietet ein innovatives, modulares Lehr-Lernkonzept mit didaktischen Materialien rund um den Einsatz des 3D-Drucks in Bildungseinrichtungen an. Hierzu wurde ein spezieller 3D-Drucker zu Ausbildungs- und Schulungszwecken entwickelt, der unter dem  Namen „Der Bildungsdrucker®“ hergestellt wird. Das gesamte Bildungskonzept basiert auf curricularen Vorgaben und wird von dem renommierten Westermann Verlag in Braunschweig didaktisch begleitet.

Beteiligte Institutionen / links:

Berufsbildenden Schulen Goslar Bassgeige/Seesen

BBS 1 Goslar -Am Stadtgarten-

BBS fit für 4.0 – Kultusministerium und Wirtschaftsministerium geben Startschuss für vier „smart factories“ an berufsbildenden Schulen in Niedersachsen

Stadt Goslar

fabmaker GmbH

Der Bildungsdrucker

Hasso-Plattner-Institut

Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin

Mittelstand 4.0 - Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse

DIALOG 4.0: Eine Kooperation der IHK Braunschweig mit den Arbeitgeberverbänden Region Braunschweig und Harz

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Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsing. Peter Peckedrath

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