Bürokratiedschungel erschwert betriebliche Integration von Flüchtlingen

Unternehmer trafen sich zum Austausch


Unternehmer der Region engagieren sich bereits für Flüchtlinge oder interessieren sich für die Integration in ihre Betriebe. Um ihnen eine Möglichkeit zum Austausch zu bieten, haben die Willkommenslotsen der Industrie- und Handelskammer Braunschweig und der Hand-werkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade zusammen mit dem „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ am 02.02.17 zu einem Unternehmerfrühstück in die IHK eingeladen.

Der Informationsbedarf der Unternehmer ist weiterhin groß: In welchem Rahmen kann ein Flüchtling ein Praktikum absolvieren? Wann ist die Zustimmung der Ausländerbehörde notwendig? Wie bekomme ich Kontakt zu Flüchtlingen? Einige Betriebe konnten hierzu aus ihren Erfahrungen berichten. Außerdem wurde deutlich, wie rechtliche und bürokratische Hürden erschweren, Flüchtlinge zu beschäftigen.

Hohe Motivation als Chance sehen

Dass es sich lohnt Flüchtlingen eine Chance zu bieten, zeigten die Schilderungen von Thomas Koch von der Hedwigsburger Okermühle zur Ausbildung eines syrischen Jugendlichen zum Müller. Lobenswert sei vor allem, wie motiviert und mit welcher Ausdauer der Auszubildende an seiner Zukunft arbeitet. Die notwendige, individuelle Unterstützung des Jugendlichen kann nicht zuletzt auch durch die ehrenamtliche Begleitung realisiert werden.

Förderung während der Ausbildung

Über die Fördermöglichkeiten während der Ausbildung und der Beschäftigung informierten Verena Pürschel und Oliver Weinkauf von der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar. Der Zugang zu den Ausbildungsförderungen, wie ausbildungsbegleitenden Hilfen und der assistierten Ausbildung unterscheidet sich nach dem Aufenthaltsstatus und der Bleibeperspektive der Flüchtlinge. Erfahrungen aus den Beratungen zeigen, dass vor allem unzureichende Sprachkenntnisse und fehlende Zeugnisse die Kompetenzfeststellung bei den Flüchtlingen erschweren.

Berufsbezogene Sprache

Da die Sprache während einer Beschäftigung weiterentwickelt werden muss, stellte Wilhelmine Berg die Angebote der Volkshochschule (VHS) Braunschweig zur berufsbezogenen Sprachförderung vor, die nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch allgemein zugängig sind. Abendkurse, Sprachkurse in Unternehmen und Kurse nach der Deutschsprachförderverordnung (DeuFöV) bietet die VHS Braunschweig im Rahmen der berufsbezogenen Sprachförderung unter anderem derzeit an. Zugang zu den, seit Juli 2016 vom Bund geförderten, berufsbezogenen Sprachkursen nach DeuFöV erhalten unter den Flüchtlingen ausschließlich solche mit guter Bleibeperspektive aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia.

Die Vielzahl der Ansprechpartner für die Unternehmen und die Flüchtlinge erschweren aus Sicht der Betriebe den Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Flüchtlinge müssten mehrere Termine und Beratungsgespräche bei den verschiedenen Arbeitsmarktakteuren wahrnehmen, wofür viel Aufwand und Zeit erforderlich ist.

Um langfristig Fachkräfte für Unternehmen zu gewinnen, sind für viele der Flüchtlinge zunächst ein niederschwelliger Zugang in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zum Beispiel im Rahmen von Orientierungspraktika, viel Zeit und Grundlagenarbeit notwendig.

Weitere Informationen zu der Arbeit der Willkommenslotsin der IHK Braunschweig und dem „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ finden Sie hier.

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Christiane Trabitz

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