„Wer einen Job macht, der ihm gefällt, kann viel erreichen.“

Mit dem Weiterbildungsstipendium die Karriereleiter erklimmen

Laura Jung ist gelernte Kauffrau im Einzelhandel. Nach gerade einmal eineinhalb Jahren hatte sie ihr IHK-Zertifikat in den Händen – weitere eineinhalb Jahre später war sie Handelsfachwirtin. Über ein besonderes Ausbildungsprogramm konnte sie innerhalb von drei Jahren ihre Ausbildung und die nächste Weiterbildung absolvieren. Inzwischen ist die 25-Jährige im Textil-Einzelhandel tätig und leitet zwei Filialen. Jetzt hat sie ein begehrtes Weiterbildungsstipendium erhalten und möchte nebenberuflich Betriebswirtschaftslehre studieren.

Wieso haben Sie sich für eine Ausbildung im Einzelhandel entschieden? Sie hätten ja auch direkt studieren können.

Nach der Schule wusste ich zunächst nicht genau, in welche Richtung ich beruflich gehen möchte. Ich konnte mir alles vorstellen – von Psychologie bis hin zu Jura. Ich habe dann erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kinderheim gemacht und bin währenddessen zur Berufsberatung bei der Arbeitsagentur gegangen.

Wie lief es da ab?

Wir haben meine ganzen Interessen aufgelistet. Die gingen vor allem in Richtung Recht, Marketing, aber auch Controlling und Personalwesen. Mir war es wichtig, dass ich kein Standardstudium mache. Ich wollte nicht nur lernen, sondern lieber in die Praxis. Ein Stück weit wollte ich sehen, was es bedeutet, zu arbeiten. Das Ergebnis der Beratung war dann der Handelsfachwirt. Mit der gekoppelten Aus- und Weiterbildung konnte ich praktisch arbeiten und mir in vielen verschiedenen Bereichen Fachwissen aneignen – genau wie ich es mir gewünscht hatte.

Sie haben dann einen Ausbildungsplatz beim Dänischen Bettenlager bekommen. Sind Sie direkt gut mit dem Arbeitsleben klar gekommen?

Ja, ich hatte da keine großen Schwierigkeiten. Mein Ausbildungsbetrieb hat es mir aber auch sehr leicht gemacht, mich einzugewöhnen. Etwas herausfordernder wurde es dann mit der Berufsschule. Ich hatte nur dreimal je drei Wochen Blockunterricht bis zur Abschlussprüfung nach eineinhalb Jahren. Wenn man nicht jede Woche feste Schultage hat, ist es schon stressiger neben dem Vollzeitjob auch noch die Inhalte aus der Berufsschule vor- und nachzubereiten.

Gut geklappt hat es ja dennoch. Ihre Prüfung zur Kauffrau im Einzelhandel haben Sie schließlich mit 100 Prozent abgeschlossen. Verraten Sie uns Ihr Geheimrezept?

Das stimmt. Ich glaube so ein Geheimrezept hatte ich gar nicht. Das wichtigste war einfach die gute Prüfungsvorbereitung: Dabei bin ich sehr diszipliniert und habe hohe Ansprüche an mich selbst. Wenn ich lernen musste, habe ich andere Dinge aus meiner Freizeit vernachlässigt – stattdessen habe ich mir wirklich jedes Detail in den Unterlagen angeschaut. Ich denke, dass wer etwas macht, was ihm Spaß macht und gefällt, kann auch sehr viel erreichen. Für die letzten Prozentpunkte kam dann vielleicht noch ein bisschen Glück dazu.

Da hatten Sie ja aber erst die Hälfte geschafft. Ihr Ausbildungsprogramm sah schließlich innerhalb von drei Jahren den Berufsabschluss und den Handelsfachwirt vor.

Genau. Dieses System hatte ich mir bewusst vorher ausgesucht, da ich mich mit der Weiterbildung zur Handelsfachwirtin fachlich sehr breit aufstellen konnte. Die Inhalte waren zum Teil die gleichen, wie bei Bekannten von mir, die zeitgleich im Bachelor BWL studiert haben. Dazu gab es dann wieder Blockunterricht, aber die Abschlussprüfungen waren nochmal deutlich stressiger als bei der Ausbildung.

Inwiefern?

Zum einen musste ich neben der Arbeit noch einmal die Inhalte der gesamten drei Jahre für die Prüfung lernen. Und zum anderen waren die Prüfungen selbst sehr anstrengend. Innerhalb von zwei Tagen habe ich sechs Prüfungen geschrieben. Ein paar Wochen später kam dann noch die mündliche Abschlussprüfung – in der musste ich vorher ein Thema selbst ausarbeiten und dann präsentieren.

Was motiviert Sie dazu, jetzt zusätzlich noch zu studieren? Und wie sind Sie zum Weiterbildungsstipendium gekommen?

Vom Weiterbildungsstipendium hatte ich schon kurz vor meiner Prüfung zur Handelsfachwirtin erfahren. Doch nach der Prüfung wollte ich lieber erst einmal arbeiten und abends auch mal Freizeit haben – nicht immer nur lernen. Ich bin dann direkt als Filialleiterin im Unternehmen eingestiegen. Dabei habe ich dann immer mehr gemerkt, dass ich gerne noch mehr administrativ arbeiten möchte, anstatt im Laden auf der Fläche zu stehen. Da kommt man aber irgendwann an den Punkt, an dem der Fachwirt nicht ausreicht, um alle Optionen zur Weiterentwicklung zu bekommen. Ich habe mich dann entschieden, BWL zu studieren – hier kann ich mir sogar Teile der Weiterbildung zum Fachwirt anrechnen lassen. Dazu habe ich mich dann bei der IHK für das Weiterbildungsstipendium beworben und schließlich auch bekommen.

Welche Karrierepläne haben Sie noch für die nähere Zukunft?

Nachdem ich nach meiner Ausbildung als Filialleiterin angefangen habe, wurde ich etwa nach einem halben Jahr von Headhuntern angesprochen. Dadurch habe ich meine aktuelle Position gefunden. Ich arbeite jetzt im Textil-Einzelhandel und bin verantwortlich für zwei Filialen – das ist auf jeden Fall die Richtung, die mich interessiert. Mein Ziel ist es, in das regionale Management zu kommen. Da ist es aber noch offen, ob das klappen würde, wenn ich nebenbei noch studieren möchte.

Welchen Rat würden Sie Schulabgängern geben, die gerade die passende Ausbildung suchen?

Ganz wichtig finde ich, dass man seine Entscheidung nicht von anderen abhängig machen und einen Job finden sollte, den man dann auch für lange Zeit in seinem Leben machen möchte. Man sollte sich also fragen: Was macht mir Spaß? Außerdem sollte man sich vor Augen halten, dass man gerade am Anfang eines Entwicklungsprozesses steht – nicht jedes Detail muss jetzt schon zu hundert Prozent feststehen. Aber man sollte sich immer wieder Ziele stecken und dann entscheiden, wie man diese erreichen kann. Ich denke, man muss stets offen für Veränderungen und Entwicklungen sein. Man darf keine Angst vor der Zukunft haben und sich zum gewissen Teil erst noch selbst finden. Dazu ist die praxisorientierte Ausbildung eine gesunde Basis.

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