Profi im internationalen Frachttransport

Europakaufmann Florian Kusel berichtet über seine Aus- und Weiterbildung in der Logistikbranche

„Deutsche Exporte im Jahr 2016 um 1,2 % gestiegen“ titelte das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung Anfang Februar. Waren im Wert von 1.207,5 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 954,6 Milliarden Euro importiert – Deutschland hat damit im vergangenen Jahr erneut Rekordwerte erzielt. Knapp 60 % der Exporte gingen in andere EU-Länder. Der deutsche Warenaustausch ist lange in den europäischen und globalen Märkten angekommen.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei die Logistikbranche. Hier arbeitet Florian Kusel. Der 23-jährige ist gelernter Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung – und seit Anfang des Jahres auch Europakaufmann. Damit zählt er zu den ersten, die diese Zusatzqualifikation im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Braunschweig absolviert haben.

Weiterbildung parallel zur Ausbildung

Nach seinem Abitur war Florian Kusel noch unentschlossen, in welche Richtung es für ihn gehen soll. Ein Jahr lang hat er zunächst gejobbt. „Als ich in den Ferien bei VW im Werk gearbeitet habe, habe ich gemerkt, dass mich die Warenströme und Transportprozesse besonders interessieren. Von da an wollte ich eine Ausbildung im Bereich Logistik machen“, erzählt er.

Gestartet ist er dann bei dem Logistik-Beratungsunternehmen Frachtrasch international. „Ich hatte wirklich Glück mit dem Unternehmen und meinem Ausbilder. Von Beginn an wurde ich gefördert und gefordert. An jeder Herausforderung konnte ich selbst wachsen“, lobt Florian Kusel seinen Ausbildungsbetrieb. Gefördert hat ihn dieser auch, als er 2014 parallel zu seiner Ausbildung die Zusatzqualifikation zum Europakaufmann begonnen hat. So hat Frachtrasch alle Gebühren übernommen und ihn freigestellt, wenn er Extraschichten in der Berufsschule eingelegt hat.

Die Chance zum Lernen genutzt

Europakaufmann wird man aber nicht allein auf der Schulbank. Ein Auslandspraktikum zählt hier genauso zum Pflichtprogramm. So war Florian Kusel für mehrere Wochen bei einem Logistikunternehmen in Sofia, Bulgarien. „Neben dem Einblick in ein anderes Unternehmen hat mich vor allem die Einstellung der jungen Leute zum Lernen beeindruckt. Selbst nach der Vollzeitarbeit ist es selbstverständlich, sich abends noch an den Schreibtisch zu setzen. Die Bildung wird als Chance wahrgenommen – obwohl oder vielleicht gerade weil sie viel Geld kostet“, beschreibt er.

Die Chance zum Lernen hat der junge Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung selbst genutzt. Denn für seinen Weiterbildungsabschluss musste er neben Business Englisch und zwei wirtschaftlichen Lernfeldern zusätzlich noch Spanisch oder Französisch lernen – Florian Kusel entschied sich für beide Sprachkurse. „Im Logistikbereich bringt es mir sehr viel, dass ich beide Sprachen lernen konnte. Insgesamt habe ich durch den Europakaufmann eine globalere Sicht auf die Arbeitszusammenhänge bekommen. Es ist sehr gut, dass ich so auf sehr praktische Weise über den Unternehmensfokus hinausschauen konnte“, zieht er sein Fazit.

Der nächste Schritt: Studium

Inzwischen arbeitet Florian Kusel als Logistikberater und hilft seinen Kunden dabei, optimale Lösungen für ihren Frachttransport zu finden. Es sei auch mal anstrengend gewesen, die Weiterbildung zusätzlich zur Ausbildung und zum Vollzeit-Job zu machen. Doch für ihn war es schon eine gute Vorbereitung: Seit einem Semester studiert er berufsbegleitend Transport- und Logistikmanagement. „Ich bin es schon gewohnt, lange Tage zu haben. Das ist für mich im Studium dann auch kein Problem“, sagt er.

Dass er nicht direkt nach der Schule studiert hat, sieht der Europakaufmann positiv: „Das Pensum im Studium ist schon nicht ohne, jedoch würde mir der praktische Teil fehlen. Die Ausbildung ist eine sehr gute Basis, um zu wissen, in welche fachliche Richtung es überhaupt gehen soll.“ Und noch mehr: Florian Kusel hat den Berufseinstieg bereits gemeistert und über mehrere Jahre berufliche Erfahrung gesammelt – ein klarer Vorteil gegenüber vielen seiner neuen Kommilitonen.

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