Worum es in Griechenland wirklich geht!

Despina Kazantzidou zu einer verfehlten Subventionspolitik

Worum es in Griechenland wirklich geht!


»Wem verdanken wir die Krise?« Despina Kazantzidou macht ihrer Verärgerung Luft und beantwortet die Frage, wie Griechenland wieder auf die Beine kommt. Die 48-jährige Griechin betreibt in Braunschweig das Softwareunternehmen Unisolo. Foto: okerland-archiv

Schon lange beobachte ich mit großer Sorge die Entwicklung in meinem Heimatland und ich bin fassungslos und wütend auf die Europäische Union, wo eigentlich Dankbarkeit vorherrschen müsste. Wütend über eine Subventionspolitik, die den Griechen die Gelder geradezu aufgedrängt hat, ohne wirklich zu kontrollieren, was mit den Geldern geschieht, ob sie sinnvoll und erfolgreich eingesetzt werden. Griechenland, das überwiegend von Landwirtschaft und Tourismus lebt, war vor dem Geldsegen durch die EU zwar arm, aber die Finanzen waren einigermaßen solide.

Noch wütender bin ich auf die Politiker in Griechenland, die nicht den Mut und die Kraft hatten, zum Wohle des Volkes zu entscheiden, sondern einzig an ihrem eigenen Machterhalt interessiert waren und die Gelder offenbar sinnlos "verpulvert" haben.

Wütend bin ich auf die Krawallmacher in Griechenland, die das Bild in den Medien bestimmen, aber nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen. Die Mehrheit unterstützt die Refor men und versteht sehr gut, was geschehen muss.

Wütend bin ich auch über die effekthascherische Kommentierung in den Medien. Sie berichten über Einzelfälle, wie den 45-jährigen Vorruheständler und erwecken den Eindruck, als wenn das ganze Land mit 45 in den Ruhestand geht, dabei gehen die Deutschen im Schnitt sogar früher in Rente. Oder nehmen Sie die vielen Berichte über die Traumgehälter der Griechen. Meine Schwester arbeitet nach einem abgeschlossenen Studium der Archäologie als Historikerin für ein Monats gehalt von 980 Euro. Ich hätte nicht gedacht, wie schnell die öffentliche Meinung durch die Medien umgepolt werden kann.

Das alles macht mich sehr traurig, zumal Griechenland bereits enorme Sparanstrengungen unternommen hat. Keinem Industrieland ist es bisher gelungen, das Defizit innerhalb eines Jahres um 5 Prozentpunkte zurückzuführen. In Deutschland würde dies einem Sparvolumen von 125 Milliarden Euro entsprechen.

Besser als gnadenlose Sparpakete wären Auslandsinvestitionen, etwa durch die deutsche Industrie. Betätigungsfelder gibt es in den Bereichen Energieversorgung und Energieeffizienz, Informations- und Kommunikationstechnologie, Transport und Logistik sowie in der Abfall- und Entsorgungswirtschaft. Auch in der Lebensmittelproduktion und im Tourismus sind längst noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Die Kooperation müsste auf Augenhöhe stattfinden. Den Griechen ist es wichtig, "Herren im eigenen Land" zu sein. Noch einen weiteren Exportartikel würde ich mir für Griechenland wünschen: Die deutsche Steuerfahndung.

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Jochen Hotop

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