»Wir dürfen auf dem Wasserweg nicht abgehängt werden«

- »Das Entwicklungspotenzial des Braunschweiger Hafens, der im Besonderen durch den Containertransport rasant gewachsen ist, darf durch die Pläne des Bundesverkehrsministeriums nicht beeinträchtigt werden«, sagt Jens Hohls, Geschäftsführer der Hafenbetriebsgesellschaft.
Der Ausbau der beiden Wasserstraßen Elbe-Seiten-Kanal, der unsere Region mit Hamburg verbindet, und Stichkanal Salzgitter ist dringend erforderlich für die Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher Unternehmen. Die Pläne des Bundesverkehrsministeriums gehen allerdings in eine ganz andere Richtung. Sie sehen eine Herabstufung beider Wasserwege vor, was im Klartext bedeutet, dass es auf unabsehbare Zeit keinen Ausbau geben wird. Die Konsequenz: Es besteht die Gefahr, dass unser Wirtschaftsstandort auf dem Wasserweg abgehängt wird.
Dabei ist das Binnenschiff nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch volkswirtschaftlich für den Massen- und Containertransport das günstigste Verkehrsmittel. Der Hafen Braunschweig ist vor allem durch seine Containerlinien zum Hamburger Hafen auf einem starken Wachstumskurs. Rund 60 000 Container sind im letzten Jahr in Braunschweig umgeschlagen worden, mit weiter steigender Tendenz.
Die Haltung des Bundesverkehrsministeriums ist für mich schon deshalb unverständlich, weil das Ministerium immer wieder die besondere Attraktivität des Binnenschiffes herausstellt und eine weitere Verlagerung des Verkehrs auf die Wasserstraße präferiert. Die Schifffahrt schneidet nicht nur beim Energieverbrauch am besten ab, auch gibt es im Gegensatz zu Straße und Schiene auch noch freie Kapazitäten.
Unbestritten ist auch die Umweltfreundlichkeit von Schiffen. Der Transport einer Tonne pro Kilometer verursacht beim Binnenschiff lediglich 33,4 Gramm an CO2-Emissionen, während es bei der Eisenbahn 48,1 Gramm sind und beim Lkw sogar 164 Gramm. Wenn man bedenkt, dass beim Transport von Containern jedes Binnenschiff durchschnittlich 50 Lkw ersetzt, wird deutlich, welche Aufgabe die Schifffahrt für die Entlastung unserer Straßen und die Umwelt hat. Würden alle unsere Containerverkehre zwischen Hamburg und Braunschweig auf die Straße verlagert, wären im Jahr rund 35 000 Lkw-Fahrten erforderlich.
Auf dem Elbe-Seiten-Kanal werden jährlich rund 9 Millionen Tonnen transportiert. Um diese für unsere Region so wichtige Lebensader zu erhalten und noch attraktiver zu machen, muss das Schiffshebewerk Scharnebeck bei Lüneburg eine zusätzliche Schleuse erhalten, da das vorhandene Hebewerk zum Engpass geworden ist. Durch diese Maßnahme würde der Schiffsverkehr nach Braunschweig betriebswirtschaftlich noch attraktiver.


