Nährboden und Nestwärme für Gründer

- Professor Reza Asghari vermittelt an
Die TU Braunschweig und die Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel haben eine Idee aufgegriffen, die an amerikanischen Hochschulen schon seit vielen Jahren hervorragend funktioniert: Die gezielte Förderung von Unternehmensgründungen aus der Uni heraus, als der besten Form des Technologietransfers.
»Das Potential, wissenschaftliche Ergebnisse zu kommerzialisieren, ist in Braunschweig und Wolfenbüttel sehr groß«, sagt Professor Reza Asghari. Er leitet den im Juni 2009 eingerichteten gemeinsamen Lehrstuhl der beiden Hochschulen mit dem klingenden Namen »Entrepreneurship-Center«. Insgesamt werden derzeit über 30 Gründungen unterschiedlicher Entwicklungsstadien an der Ostfalia Hochschule und an der TU Braunschweig betreut. Das Entrepreneurship-Center arbeitet sehr intensiv und erfolgreich mit dem Technologietransfer der TU Braunschweig zusammen, der für die Gründungsbetreuung dort zuständig ist. Rund 70 Prozent der Gründer kommen aus den Fakultäten der Elektrotechnik, der Informatik und des Maschinenbaus. Asghari vermeidet den Begriff Existenzgründer. Bei Entrepreneuren liege der Schwerpunkt bei der Umsetzung von Innovationen. »Es sind Unternehmer, die im Sinne von Schumpeter alte Strukturen zerstören und schöpferisch neue schaffen.«
Professor Asghari und das 7-köpfige Team geben den Jungunternehmern Nestwärme und helfen ihnen dabei, Geschäftsideen zu entwickeln, einen Businessplan zu schreiben und eine gründliche Marktanalyse durchzuführen. »Nicht alle werden so erfolgreich wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, aber mit guten Einfällen ist vieles möglich«, schmunzelt Asghari, der nach einem Studium der Wirtschaftsinformatik und Promotion in Wirtschaftswissenschaften unter anderem bei Oracle gearbeitet hat, bevor er in Wolfenbüttel einen Lehrstuhl für Internetökonomie und eBusiness innehatte.
Deutschland liegt bei Gründungen aus den Hochschulen immer noch im Mittelfeld. Sind deutsche Studenten nicht mutig genug? Asghari widerspricht. »Die Studierenden müssen an das Thema Gründung nur richtig herangeführt werden, sonst nehmen sie voreilig einen festen Job in der Industrie an, obwohl der Schritt in die Selbstständigkeit besser zu ihnen passen würde.«
Einmal im Monat lädt Asghari erfolgreiche Gründer auf den Campus ein. »Von den Lebensgeschichten sind die Studenten so fasziniert, dass sie am liebsten sofort ein Unternehmen gründen würden«, freut er sich über die enorme Resonanz und Begeisterung. Beim Entrepreneur-Talk wird immer wieder deutlich, dass kaufmännisches Wissen allein nicht reicht. Zum Erfolg gehören auch eine starke Persönlichkeit mit Durchhaltewillen und einer Unternehmensvision.
Braunschweig und Wolfenbüttel haben den ersten gemeinsamen Lehrstuhl für Entrepreneurship in Niedersachsen. Wie wird das Thema vermittelt? »Die Studenten bekommen in den Vorlesungen und Workshops, in denen es zum Beispiel um experimentelle Gründungen geht, jede Menge Know-how. Und es gibt eine speziell eingerichtete Gründer-Lounge, in der die Studenten Ideen und Erfahrungen austauschen können«, betont Asghari. Wir sind derzeit mit einzelnen Fakultäten im Gespräch und gehen davon aus, dass Entrepreneurship bald noch stärker in die Lehrprogramme der Studiengänge integriert wird, damit die Gründungskultur nachhaltig verankert werden kann«, erläutert Asghari. »Bei der Ostfalia Hochschule gehören Entrepreneurship Veranstaltungen in einigen Masterstudiengängen inzwischen zum Pflichtprogramm. In jedem Institut gibt es mindestens eine Erfolg versprechende Gründungsidee, zumal das Gründungspotenzial an der TU Braunschweig und an der Ostfalia Hochschule enorm ist.«
»Gute Ausgangsposition bei Exzellenz-Initiative«
Erste Erfolge sind bereits sichtbar. Asghari: »Wir nehmen gerade an einer Exzellenz-Initiative ›Unternehmensgründung an Hochschulen‹ teil und sind von über 80 Bewerbern unter die letzten 24 gekommen. Wer den Sprung unter die ersten zehn schafft, erhält eine Förderung in Höhe von 4 Millionen Euro.« Die Entscheidung falle im September. Was Asghari vermisst, ist eine noch stärkere Unterstützung durch die Wirtschaft, nicht nur finanziell, sondern auch durch einen für beide Seiten fruchtbaren Erfahrungsaustausch.
Dass das Internet heute enorm zur Expansion von Startups beiträgt, wird auch bei den Unternehmen in Asgharis Treibhaus deutlich. Alle nutzen die Möglichkeiten des Internets und freuen sich nicht nur über einen schnellen Zugang zu Informationen und sinkende Kommunikationskosten, sondern auch darüber, Produkte und Dienstleistungen schneller an den Markt zu bringen und die Möglichkeiten der Kundenbindung zu nutzen. Asgharis Kommunikation mit den Gründern erfolgt heute im Wesentlichen über Facebook.


