Mit Hochtechnologie in die Selbstständigkeit

- Tobias Schossig und

- Dr. Andreas Pohlkötter sind derzeit die einzigen Anbieter des Stimmgabelverfahrens in Europa. Fotos: Klaus Wefringhaus
Die winzige Stimmgabel, nur drei mal sechs Millimeter klein, ist das Herzstück eines Sensors, mit dem Gasströme nachgewiesen und gemessen werden können. Das Goslarer Unternehmen MIOPAS GmbH, vor drei Jahren von den beiden Clausthaler TU-Absolventen Tobias Schossig und Dr. Andreas Pohlkötter gegründet, entwickelt solche Sensoren und konzipiert komplette maß-geschneiderte Systeme der optischen Messtechnik für Industriekunden.
»Mit dem Stimmgabelverfahren, das in den USA erfunden worden ist und das wir weiter entwickelt haben, sind wir technisch vorn und derzeit der einzige Anbieter in Europa«, stellt Tobias Schossig fest.
Es ist eine laserbasierte Technik. Die Energie eines Laserstrahls versetzt das Gas in Schwingungen, die entstehenden Schallwellen werden vom Sensor detektiert. Bisher wurden dafür kleine Mikrofone eingesetzt. »Unsere Technik, für die wir bereits Patente angemeldet haben, hat erhebliche Vorteile«, meint Andreas Pohlkötter. Sie sei kleiner, schneller, zuverlässiger und störungsfreier gegenüber Umgebungsgeräuschen. Damit könnte beispielsweise ein Gasmolekül aus einer Milliarde Partikel gefiltert werden.
»Erprobung im Bergbau und in Biogas-Anlagen«
Bisher haben die beiden zwei prototypische Entwicklungslösungen realisiert, die derzeit im Bergbau und in Biogas-Anlagen erprobt werden. Schossig: »Für die Entwicklung solcher Hochtechnologie-Produkte braucht man einen langen Atem und eine längerfristige Perspektive.« Deshalb haben die beiden Gründer in der mittelständischen Unternehmensgruppe Stöbich in Goslar, einem weltweit führenden Experten für Brandschutz, einen Partner gefunden, der diese Perspektive teilt. Die Stöbich-Tochter Protronic ist Mehrheitsgesellschafter bei MIOPAS. Zudem werden die beiden Gründer im Rahmen des KMU-Programms Optische Technologie des Bundesforschungsministeriums gefördert.
In einem deutschen Salzbergwerk wird das photoakustische Mess-System aus Goslar derzeit eingesetzt, um aus Sicherheitsgründen nach Sprengungen unter Tage schnell und genau mögliche CO2-Freisetzungen aufzuspüren, erläutert Pohlkötter. In Biogasanlagen werde damit der Brennwert des Gases vor allem bei der Einspeisung ins Netz gemessen. Da gebe es kontinuierlich starke Qualitätsschwankungen. Es werde aber nach Brennwerten abgerechnet – deshalb müssten die Messungen sehr genau sein.
»Enge Zusammenarbeit mit TU Clausthal und Fraunhofer Institut«
Wenn diese installierten Systeme sich bewähren, muss für einzelne Komponenten die Zulassung beantragt werden. »Dann wollen wir unsere Produkte aktiv vermarkten und eine Kleinserienfertigung starten«, erklärt Schossig.
Zugleich soll die Messtechnik in enger Zusammenarbeit mit der TU Clausthal und dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, das Nachbar im Technologiezentrum Goslar ist, weiter entwickelt werden. Da gehe es, so Pohlkötter, einerseits um neue industrielle Anwendungen der noch stärker minituarisierten Photoakustik neben der Gas-Sensorik, andererseits um die Entwicklung neuer Sensoren zur Messung anderer Größen in anderen Materialien wie etwa Temperatur, Kraft oder Dehnung. Man wolle, so formuliert Schossig das mittelfristige Ziel, maßgeschneiderte Sensor-Netzwerke für jeweils kundenspezifische Mess-Lösungen entwickeln und fertigen.
Die beiden Gründer blicken optimistisch in die Zukunft, wollen mittelfristig mit Augenmaß und nachhaltig wachsen, in drei bis fünf Jahren vielleicht bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigen. sie

- Eine winzige Stimmgabel ist das Herzstück der neuen Technik.


