Den doppelten Abiturjahrgang zur Fachkräftesicherung nutzen!
Rund 25.000 zusätzliche Abiturientinnen und Abiturienten werden 2011 in Niedersachsen die Schule verlassen. Mit einer Gesamtanzahl von 100 000 Schülern, welche die allgemein bildenden Schulen beenden, entspricht dies einem Zuwachs von einem Fünftel im Vergleich zu den Vorjahren. Grund ist die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Schuljahre. 2011 schließen durch den Umstellungsprozess zwei Schülerjahrgänge gleichzeitig die gymnasiale Oberstufe der Gymnasien und der nach Schulzweigen gegliederten Kooperativen Gesamtschulen mit der Abiturprüfung ab. Für die Unternehmen kann der Doppeljahrgang mit Blick auf die demografische Entwicklung eine Chance sein, sich frühzeitig Talente für die Zukunft zu sichern.
Bei einer Veranstaltung des Verbandes der Elternräte der Gymnasien Niedersachsen e.V. betonte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Professorin Johanna Wanka: „Es werden genügend geeignete Studienanfängerplätze zur Verfügung stehen. Durch den Hochschulpakt 2020 werden die Studienmöglichkeiten ausgebaut und die Hochschulen sind entsprechend der erstellten Prognosen auf die zusätzlichen Abiturienten eingerichtet.“ Professor Dr. Jürgen Hesselbach, Präsident der Technischen Universität Braunschweig und Professor Dr. Wolf-Rüdiger Umbach, Präsident der Hochschule Ostfalia, bestätigten, dass Studienplätze in der Region erweitert und Kapazitäten für Lehrpersonal und Räume ausgebaut werden, um den doppelten Abiturjahrgang empfangen zu können.
Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass sich rund 50 Prozent eines Abiturjahrgangs unmittelbar für Ausbildung, Studium oder Beschäftigung entscheiden. Die anderen 50 Prozent absolvieren zunächst den Bundeswehr- oder Zivildienst oder wählen ein Freiwilliges Soziales bzw. ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Demnach stehen konkret 12 500 zusätzliche Abiturienten dem Markt direkt zur Verfügung. Der größte Anteil der Abiturienten wird erfahrungsgemäß ein Studium beginnen. So bleiben rund 20 Prozent der Schulabgänger mit Studienberechtigung, die sich für eine Berufsausbildung entscheiden. Da die Schulabgängerzahlen zurückgehen, bietet sich durch den doppelten Abiturjahrgang die Möglichkeit, bereits 2011 an die Fachkräftesicherung zu denken und mit zusätzlichen Ausbildungsstellen oder dualen Studienmöglichkeiten junge Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen. Der Vergleich der statistisch prognostizierten Schulabgängerzahlen zeigt, dass 2012 bereits 2 700 Schulabgängerinnen und Schulabgänger weniger im Vergleich zu 2010 die Schulen verlassen. In den Folgejahren wird der demografische Wandel und der weitere Einbruch der Schulabgängerzahlen die Unternehmen in der Region zunehmend vor die Herausforderung stellen, Fachkräfte zu finden und an das Unternehmen zu binden.
Mit runden Tischen und Aktionsplänen hat man sich seit dem Frühjahr 2008 auf Initiative der damaligen Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann auf den doppelten Abiturjahrgang vorbereitet. Mit dem „Niedersächsischen Aktionsplan zur Verbesserung von Studien- und Ausbildungschancen 2011 und 2012“ werden konkrete Aktivitäten benannt. Auch die Kammern haben sich im Interesse der Wirtschaft an dem Aktionsplan beteiligt.
Die Möglichkeiten für Unternehmen und Abiturienten erläutert Roland Neugebauer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Braunschweig: „Wir haben keine Befürchtungen, dass sich die Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt deutlich erhöhen wird. Der doppelte Abiturjahrgang bietet für Unternehmen jedoch die Chance, Abiturienten für eine Ausbildung oder ein duales Studium zu gewinnen, bevor der demografische Wandel dies erschwert.“ Da sich die Hälfte aller Abiturienten auf zehn Ausbildungsberufe konzentriert, darunter zum Beispiel Bankkaufmann/-frau oder Industriekaufmann/-frau, ist ein starker Verdrängungswettbewerb von Haupt- und Realschülern nicht zu erwarten. Und die Anzahl der Haupt- und Realschüler nimmt bereits ab, somit kann der doppelte Abiturjahrgang hier sogar eine Lücke füllen.

