Regionale Dienstleistungs- und Bankenkonjunktur

Regionale Dienstleistungs- und Bankenkonjunktur ohne große Höhen oder Tiefen

Dienstleister und Banken im Wirtschaftsraum zwischen Harz und Heide sehen in den nächsten Monaten keine großen schwarzen Wolken am Konjunkturhorizont auf sich zukommen. Aber die Beschaffung qualifizierten Personals entwickelt sich in der Region zunehmend zum Glücksspiel. Das geht aus der jüngsten Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig in der Dienstleistungsbranche und im Kreditgewerbe hervor.

Der von der Kammer ermittelte Konjunkturklimaindikator, der sowohl die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, fiel im dritten Quartal 2008 im regionalen Sektor unternehmensbezogener Dienstleistungen leicht auf 129 Punkte (Vorquartal 130 Punkte) zurück. In der Kreditwirtschaft dagegen gewann er etwas an Boden und stieg auf 123 Punkte (Vorquartal 114 Punkte). Demnach benoten 57 (Vorquartal 59) Prozent der Dienstleister ihre gegenwärtige Geschäftslage mit Gut, 7 (Vorquartal 9) Prozent beschreiben sie als schlecht. Unter den Banken finden 41 (Vorquartal 33) Prozent ihre derzeitige Lage gut, weit über die Hälfte der Institute ist mit ihr sehr zufrieden.

Bei den meisten Dienstleistern hat sich die Entwicklung der Gewinnlage im Vergleich zum Jahr 2007 im aktuellen Jahresverlauf gehalten oder sogar verbessert. Über 40 Prozent der Unternehmen wollen in den nächsten Monaten für Kapazitätsausweitungen und Ersatzbedarfe Geld in die Hand nehmen. Folgeplätze in der Hitliste für Investitionsvorhaben nehmen Produktinnovations- und Rationalisierungsbestrebungen ein. Und auf die zu erwartende Steigerung der Rohstoff- respektive Energiekosten wollen knapp ein Viertel der Betriebe sowohl mit Investitionen in effizientere Technologien als auch mit allgemeinen Kosteneinsparungen sowie Preisüberwälzungen auf die Kundschaft reagieren. Beachtliche 45 Prozent allerdings haben bislang keine konkreten Maßnahmen in Planung und werden ihr Verhalten zunächst nicht an der prognostizierten Preisentwicklung dieser Märkte ausrichten.

Die Erwartungshaltung der Dienstleister an die zukünftige Entwicklung ihrer Geschäftlage ist nach wie vor ausgesprochen zurückhaltend. Das Lager der Optimisten stagniert bei 21 Prozent der Betriebe. Wie im Vorquartal hält lediglich die Werbebranche das Stimmungsbarometer nennenswert hoch. Immobilienwirtschaft, IT- sowie Zeitarbeitsbranche und Architektur- und Ingenieurbüros dagegen sehen mehrheitlich einer unveränderten oder nur leicht verschlechterten Lage entgegen. Ähnlich positioniert sich die regionale Kreditwirtschaft. Die Kreditvergabe im Privat- und Unternehmenssektor gestaltet sich verhalten. Das Lager der Optimisten ist von ehemals 16 Prozent auf 7 Prozent zusammengeschmolzen. Doch kaum eine Bank befürchtet in den nächsten Monaten wesentliche Probleme hinsichtlich der Entwicklung ihrer Geschäftslage.

Trotzdem bleibt der lokale Arbeitsmarkt in diesem Wirtschaftszweig ein Dauerthema. Beachtliche 45 Prozent der Kreditinstitute rechnen mit einer reduzierten Belegschaft. Als Haupthindernis, die Beschäftigtenzahl zu halten oder gar mehr Arbeitsplätze zu schaffen, empfinden 40 Prozent der Banken den vielerorts beklagten Fachkräftemangel. 30 Prozent hadern auch mit den gesetzlichen Vorgaben bei Kündigungsschutz und Befristung von Verträgen, ein gutes Viertel hebt die hohen Arbeitskosten hervor. Auch die Dienstleister werden dem lokalen Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten keine wesentlich neuen Impulse geben. Bereitschaft zu Stellenausschreibungen besteht bei einem Viertel der Betriebe, Beschäftigungsabbau wird in 12 Prozent der Unternehmen diskutiert. Bemerkenswert auch hier: Deutlich mehr als die Hälfte der einstellungswilligen Dienstleister sehen mittlerweile als Haupthindernis für Personalaufbau einen Fachkräftemangel in der Region.

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Jochen Hotop

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