Stimmungsaufschwung in der regionalen Industrie

Stimmungsaufschwung in der regionalen Industrie

Trotz hoher Energie- und Rohstoffkosten, die vielen Unternehmen zu schaffen machen, hat sich die konjunkturelle Lage der Industrie im Braunschweiger Wirtschaftsraum zum Jahreswechsel deutlich aufgehellt. Dies belegen die jüngsten Umfrageergebnisse der IHK Braunschweig zum Konjunkturverlauf im vierten Quartal 2005. Demnach schnellte der von der IHK ermittelte Konjunkturindikator auf einen Wert von +20 in die Höhe. Der nach oben gerichtete Trend der letzten Monate hat sich somit bestätigt und sogar noch beschleunigt. Einen höheren Indikatorstand konnte die IHK Braunschweig seit fünf Jahren nicht mehr registrieren. Der aktuellen Umfrage zufolge beurteilen derzeit 36 Prozent der befragten Industrieunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, fast die Hälfte sieht sie zumindest als befriedigend an. Lediglich 16 Prozent der Unternehmen bewerten ihre gegenwärtige Lage als schlecht.

Getragen wird der von der IHK registrierte Aufwärtstrend in erster Linie von den Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten. Im Stimmungshoch befinden sich beispielsweise die Metallerzeuger, die Metallbearbeiter, die Metallbauer, die Chemische Industrie, die Hersteller von Kunststoffwaren, das Papiergewerbe, der Maschinenbau sowie die Produzenten von Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik. Etwas hinterher hinkt noch der konsumnahe Bereich, also die Produzenten von Ge- und Verbrauchsgütern. So ist die allgemeine Aufbruchstimmung etwa im Bekleidungsgewerbe, im Ernährungsgewerbe sowie bei den Herstellern von Möbeln, Musikinstrumenten und Sportgeräten noch nicht angekommen. In der Gesamtschau handelt es sich dabei jedoch nur um vereinzelte Wolken am sichtlich aufgeklarten Konjunkturhimmel.

Kräftig zulegen konnten viele Industriebetriebe im Braunschweiger Wirtschaftsraum im vierten Quartal des abgelaufenen Jahres beim Umsatz. So gelang es jedem zweiten Unternehmen, Umsatzsteigerungen im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeit-raum zu realisieren. Umsatzeinbußen musste dagegen lediglich ein Viertel hinnehmen. Auch die Auftragsbücher der regionalen Industrie haben sich zügig gefüllt. Fast die Hälfte der befragten Betriebe konnte eine Steigerung ihrer Auftragseingänge vermelden. Von gleich bleibender Ordertätigkeit berichten immerhin 40 Prozent.

Neben den Auftragseingängen aus dem Ausland hat die endlich auch wieder anziehende Binnennachfrage dazu beigetragen, dass das Auftragspolster der Industrie im Braunschweiger Wirtschaftsraum nun so dick ist wie bereits seit langem nicht mehr.

Noch etwas günstiger als die aktuelle Lage bewertet die regionale Industrie die Aussichten für das Jahr 2006. Fast 90 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich ihre geschäftliche Situation im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessern oder zumindest nicht verschlechtern wird. Mit einer Eintrübung der Geschäftslage rechnet hingegen nur jedes zehnte Unternehmen. Derartigen Optimismus haben die Industriekapitäne im Braunschweiger Wirtschaftsraum schon lange nicht mehr versprüht. Entsprechend positiv fallen auch die Umsatzerwartungen für 2006 aus. Mehr als ein Drittel der Unternehmen erwartet Umsatzsteigerungen, die Hälfte geht von gleich bleibenden Umsätzen aus. Nur 16 Prozent rechnen mit Umsatzrückgängen. Hoffnungsträger hinsichtlich der erwarteten positiven Entwicklung ist dabei nicht mehr allein der Export. Impulse werden inzwischen auch wieder vom heimischen Markt erwartet. So geht die regionale Industrie etwa davon aus, per Saldo steigende Inlandsverkaufspreise durchsetzen zu können.

Die optimistische Stimmungslage schlägt inzwischen auch auf das Investitionsklima durch. So hat die Investitionsbereitschaft der Industrie im Braunschweiger Wirtschaftsraum im Vergleich zu den vorherigen Umfragen deutlich zugenommen. Der IHK-Umfrage zufolge beabsichtigen 34 Prozent der Betriebe, ihre inländischen Investitionsausgaben im Jahr 2006 zu steigern. Demgegenüber liegt der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionspläne kürzen wollen, bei 19 Prozent. Ein solch deutlicher Positivsaldo konnte bezogen auf die Investitionsneigung bereits seit mehreren Jahren nicht mehr verzeichnet werden. Allerdings ist die gewachsene Investitionsbereitschaft der heimischen Industrie nicht mit einer entsprechenden Ausweitung der Beschäftigungsplanungen verbunden. Stattdessen gehen 36 Prozent der befragten Betriebe von einer Reduzierung ihres Personalbestandes aus. Lediglich jedes zehnte Unternehmen beabsichtigt, in nächster Zeit zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Somit bleibt festzuhalten, dass die heimische Industrie selbst im Falle einer anhaltenden Konjunkturbelebung nur in sehr begrenztem Maße zur Entlastung des regionalen Arbeitsmarktes beitragen könnte.

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Jochen Hotop

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