Konjunkturumfrage I. Quartal 2005

Konjunkturumfrage I. Quartal 2005 - Regionale Industriekonjunktur: Aufwärtstrend gestoppt

Der Erholungskurs der Industriekonjunktur im Braunschweiger Wirtschaftsraum ist im Verlauf des Frühjahrs ins Stocken geraten. Dies belegen die jüngsten Umfrageergebnisse der IHK Braunschweig zum Konjunkturverlauf im ersten Quartal 2005.

Demnach sank der von der IHK ermittelte Konjunkturindikator auf einen Wert von +1 ab, nachdem er im Vorquartal noch bei +6 gelegen hatte. Die seit etwa einem Jahr zu beobachtende konjunkturelle Aufhellungstendenz konnte somit nicht fortgesetzt werden. Allerdings handelt es sich bei dem aktuell festgestellten Wert immer noch um den drittbesten Indikatorstand seit mehr als drei Jahren. Der IHK-Umfrage zufolge beurteilen derzeit 23 Prozent der Industrieunternehmen ihre Geschäftslage als gut. Mit 55 Prozent sieht mehr als die Hälfte der Befragten sie immerhin noch als befriedigend an. 22 Prozent der regionalen Industriebetriebe bezeichnen ihre derzeitige Situation hingegen als schlecht.

Dabei erweist sich die Stimmungslage in den einzelnen Industriesektoren als durchaus unterschiedlich. So sind es mit den Produzenten von Ge- und Verbrauchsgütern vor allem die konsumnahen Bereiche, die über eine unverändert flaue Geschäftstätigkeit klagen. Günstiger wird die momentane Lage von den Investitionsgüterherstellern, insbesondere aber auch von den Vorleistungsgüterproduzenten beurteilt. Eine weitere Aufschlüsselung nach Branchen zeigt, dass das konjunkturelle Klima im Textilgewerbe, im Maschinenbau, im Bereich der Metallerzeugung und -bearbeitung und von der Chemischen Industrie überwiegend positiv eingeschätzt wird. Gedrückte Stimmung herrscht demgegenüber im Ernährungsgewerbe, bei den Produzenten von Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, im Druck- und Verlagsgewerbe, im Papiergewerbe sowie in der Bauindustrie.

Mit ihrer Umsatz- und Auftragslage zeigen sich die regionalen Industrieunternehmen ähnlich wie im Vorquartal mehrheitlich zufrieden. So konnten gut zwei Drittel der befragten Betriebe ihren Umsatz im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum halten bzw. ausweiten. Umsatzeinbußen musste ein knappes Drittel der Unternehmen hinnehmen. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick in die Auftragsbücher. Auch hier sehen etwa zwei Drittel der Betriebe ihren Auftragsbestand als ausreichend bzw. verhältnismäßig groß an, wohingegen rund ein Drittel den eigenen Auftragsbestand als zu gering einschätzt. Das Auftragspolster der regionalen Industrie weist so zwar immer noch einige Löcher auf, ist aber insgesamt wieder etwas dicker geworden. Zu den Auftragseingängen aus dem Ausland, die bereits seit längerer Zeit als Konjunkturstütze fungieren, gesellt sich dabei nach Angaben einzelner Unternehmen auch ein leichtes Anziehen der inländischen Ordertätigkeit.

Für den weiteren Jahresverlauf erwarten die Industriekapitäne im Braunschweiger Wirtschaftsraum mehrheitlich eine erneute Aufhellung des Konjunkturklimas, wobei als Hoffnungsträger einmal mehr der Export herhalten muss. So rechnen fast 30 Prozent der befragten Unternehmen demnächst mit einer Verbesserung ihrer geschäftlichen Situation. Eine Verschlechterung der Geschäftslage befürchtet weniger als ein Fünftel der Betriebe. Im Zuge dessen hat sich die zuletzt wieder angestiegene Investitionsbereitschaft der regionalen Industrie stabilisiert. So halten sich die Unternehmen, die ihre Investitionsausgaben im Inland steigern möchten, und die Betriebe, die ihre Investitionspläne für die nächsten Monate kürzen wollen, die Waage. Deutlich zurückhaltender als die Investitionsplanungen gehen die Unternehmen jedoch ihre Beschäftigungsplanungen an. So erwartet mehr als ein Drittel der befragten Betriebe im weiteren Jahresverlauf eine Reduzierung des eigenen Personalbestandes. Lediglich eine kleine Minderheit von 3 Prozent der Unternehmen beabsichtigt, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Trotz leichter Verbesserung der Beschäftigungsperspektiven im Vergleich zu den vorherigen Umfragen muss also mit weiteren Arbeitsplatzverlusten in der regionalen Industrie gerechnet werden.

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Jochen Hotop

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