Konjunkturumfrage I. Quartal 2004

Konjunkturumfrage I. Quartal 2004 - Herber Dämpfer für die regionale Industriekonjunktur

Die zu Jahresbeginn keimende Hoffnung der regionalen Industrie auf einen nahenden Konjunkturaufschwung ist bereits im kalendarischen Frühling wieder verpufft. Dies verdeutlichen die Ergebnisse der jüngsten Umfrage der IHK Braunschweig zum Konjunkturverlauf im ersten Quartal 2004. Nachdem der von der IHK ermittelte Konjunkturindikator im Vorquartal mit einem Stand von +5 noch Anlass zu optimistischen Einschätzungen gegeben hatte, rutschte er aktuell wieder auf einen Wert von -13 ab. Damit bewegt er sich nun erneut auf dem schwachen Niveau, dass – lediglich unterbrochen vom erwähnten Vorquartal – bereits seit Jahresbeginn 2002 anhält und Werte in einer Spannweite von -9 bis -18 umfasst. Der Umfrage zufolge beurteilen aktuell nur 12 Prozent der befragten Industrieunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Während knapp zwei Drittel sie zumindest noch als befriedigend ansehen, bezeichnet ein Viertel der Betriebe seine derzeitige Situation als schlecht.
 Insbesondere die Hersteller von Ge- und Verbrauchsgütern berichten wieder von einer trägen Geschäftstätigkeit. Etwas günstiger wird die momentane Situation von den Investitionsgüterproduzenten und vor allem von den Vorleistungsgüterherstellern bewertet, dennoch stellt sich die Lage auch in diesen Sektoren keinesfalls rosig dar. Aufgeschlüsselt nach einzelnen Branchen ergibt sich ein differenzierteres Bild. Schlecht gestimmt zeigen sich dabei neben der unverändert stark gebeutelten Bauindustrie in erster Linie die Produzenten von Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie die Hersteller von Metallerzeugnissen. Aber auch in der Elektroindustrie, im Ernährungsgewerbe und in der Chemischen Industrie herrscht derzeit Tristesse vor. Für ein wenig Licht am eingetrübten Konjunkturhimmel vermögen lediglich der Maschinenbau, das Papier-, Druck- und Verlagsgewerbe, die Textilbranche sowie die Hersteller von Kunststoffwaren zu sorgen.

Mehrheitlich ernüchtert blickt die Industrie zwischen Harz und Heide auf die Entwicklung der Umsätze, des Auftragsbestandes und der Auftragseingänge. Verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresquartal musste so ein gutes Drittel der Industrieunternehmen Umsatzeinbußen hinnehmen. Annähernd 40 Prozent der Betriebe konnten zumindest gleichbleibende Umsatzzahlen vermelden; hingegen gelang es nur einem Viertel, seine Umsätze auszuweiten. Noch deutlicher fällt der Negativsaldo bei der Bewertung des eigenen Auftragsbestandes aus. Fast 40 Prozent der Befragten empfinden ihren aktuellen Auftragsbestand als zu gering, lediglich 4 Prozent bezeichnen ihn als verhältnismäßig groß. Das Auftragspolster der Industrie im Braunschweiger Wirtschaftsraum ist demnach wieder löchriger geworden. Ursächlich hierfür ist in erster Linie die nach wie vor schwache Binnennachfrage. Dagegen konnten die Auftragseingänge aus dem Ausland trotz zwischenzeitlicher Dollarschwäche zumindest als stabilisierender Faktor wirken.

Obwohl der erwartete Konjunkturfrühling bisher ausgeblieben ist, haben die Industriekapitäne im Braunschweiger Wirtschaftsraum die Hoffnung auf eine Besserung der konjunkturellen Lage noch nicht aufgegeben. So rechnen 35 Prozent der Betriebe in den nächsten Monaten mit einer Aufhellung ihrer geschäftlichen Situation. Eine Verschlechterung der Geschäftslage erwarten 29 Prozent. Auch wenn die Zukunftsaussichten im Vergleich zum Vorquartal nun wieder skeptischer beurteilt werden, befinden sich die Optimisten somit immer noch in der Mehrheit. Mehr als 80 Prozent aller Unternehmen hoffen denn auch, ihren Umsatz in naher Zukunft ausbauen bzw. halten zu können. Dabei setzt die regionale Industrie in erster Linie auf eine Ausweitung des Exportgeschäfts. Vom Anziehen der Binnennachfrage erhofft man sich dagegen zunächst nur wenig Rückenwind.

Trotz überwiegender Zuversicht hinsichtlich der künftigen Geschäftsentwicklung bewegt sich die Investitionsbereitschaft der regionalen Industrie weiterhin auf niedrigem Niveau. Zwar ist im Vergleich zu den Vorquartalen ein Anstieg der Investitionsneigung zu verspüren, dennoch beabsichtigt weniger als ein Fünftel der Betriebe, seine Investitionsausgaben im Inland zu steigern. Demgegenüber liegt der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionspläne kürzen wollen, bei 22 Prozent. Per Saldo ist also immer noch mit einer leicht rückläufigen Investitionstätigkeit der Industrie im Braunschweiger Wirtschaftsraum zu rechnen. Noch zurückhaltender als ihre Investitionsplanungen gehen die Unternehmen ihre Beschäftigungsplanungen an. So gehen fast 40 Prozent der befragten Betriebe von einer Reduzierung ihres Personalbestandes aus. Lediglich ein einziges der befragten Unternehmen beabsichtigt, in nächster Zeit zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Solange ein nachhaltiger Konjunkturaufschwung auf sich warten lässt, muss daher mit Arbeitsplatzverlusten in der regionalen Industrie gerechnet werden.

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