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Willenbücher fordert vor dem IHK-Wirtschaftsausschuss mehr regionale Zusammenarbeit Hannover dynamischer als Braunschweig
Stadtdirektor Udo Willenbücher fand vor dem regionalen IHK-Wirtschaftsausschuss, der am Mittwochabend bei der Weitkowitz Elektro GmbH in Peine tagte, nur wenig schmeichelhafte Worte für die Zusammenarbeit in der Region Braunschweig. Während Hannover bei der Regionalisierung eine ungeheure Dynamik entwickele, habe sich in Braunschweig nur wenig getan.
Das Problem seien die drei großen Städte Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg. Braunschweig ruhe sich nach wie vor auf seiner historischen Bedeutung aus und habe früher vor allem von der Zonenrandförderung profitiert. Wolfsburg dagegen habe durch seine enorme Wirtschaftsdynamik Braunschweig inzwischen den Rang abgelaufen. Die Stadt Salzgitter, die in großen finanziellen Schwierigkeiten stecke, sei ein unglückliches, künstliches Gebilde, so Willenbücher ("Für meine Worte werde ich wahrscheinlich viel Prügel bekommen").
Demgegenüber seien die Vorzeichen in der Region Hannover, wo Stadt, Kreis- und Großraumverband zu einer Einheit verschmelzen, völlig andere. Bereits am 9. September werde in Hannover das Regionalparlament gewählt. Eine Entwicklung wie in Hannover werde es in der Region Braunschweig in den nächsten Jahren wohl nicht geben. Willenbücher ist überzeugt, dass aber auch hier die Kräfte eines Tages zusammen geführt werden: "Die aktuellen Bemühungen um ein Marketing für die Region Braunschweig sind zwar noch vollkommen unkoordiniert, es ist aber erfreulich, dass überhaupt etwas passiert." Dabei sei es wichtiger, über Inhalte und Ziele des Regionalmarketings zu sprechen, als über einen Namen für die Region zu diskutieren. Entscheidend sei vor allem, möglichst rasch Erfolge vorzuweisen. Als Beispiel nannte er den Tourismus.
Peine habe zwischen den Oberzentren Hannover und Braunschweig eine hervorragende Lage. "Das ist unsere Stärke," sagte Willenbücher und verwies darauf, dass sich Peine sowohl an den Regionalisierungsbemühungen in Braunschweig als auch in Hannover beteiligen werde. "Eines Tages werden wir ohnehin nur noch über die Region Südniedersachsen sprechen," umschrieb Willenbücher seine Vision.
Auch Dr. Bernd Meier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, plädierte dafür, die kommunalen Aktivitäten stärker zu koordinieren und nannte als erfolgreiches Beispiel die angestrebte gemeinsame Abfallentsorgung der Landkreise Peine, Gifhorn und Wolfenbüttel. Die Bezirksregierung und der Großraumverband seien Institutionen, die die Zusammenarbeit in der Region vorantreiben könnten, was auf dem Gebiet des Personennahverkehrs bereits hervorragend gelungen sei.
Auf das regionale Marketing eingehend, berichtete Dr. Meier über eine Beilage "Region Braunschweig" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Anzeigenkunden aus der Region hätten dafür insgesamt 530 000 Mark aufgebracht. "Ich habe Zweifel, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis vertretbar ist," so Dr. Meier nachdenklich.
Die IHK-Vizepräsidentin Ulrike Brandes-Peitmann, geschäftsführende Gesellschafterin der Heinrich Brandes GmbH & Co., wurde in der Sitzung von den Mitgliedern des regionalen Wirtschaftsausschusses einstimmig in ihrem Amt als Ausschussvorsitzende bestätigt.
Zu Beginn der Veranstaltung stellte Wilfried Grobe, geschäftsführender Gesellschafter der Weitkowitz Elektro GmbH, das Produktionsprogramm des Peiner Unternehmens vor. Täglich werden hier mehr als eine Million so genannte Kabelschuhe gefertigt. Ein Produkt, mit dem elektrische Leitungen angeschlossen und verbunden werden können. Die Anwendungsfelder reichen vom Mini-Schuh für Modell-Eisenbahnen bis zu großdimensionierten Kabelschuhen für Bohrinseln. Ein weiteres Standbein des Familienunternehmens, das in Peine 80 Mitarbeiter beschäftigt, sind Presswerkzeuge.
Nicht ohne Stolz zeigte Wilfried Grobe den Mitgliedern des IHK-Ausschusses den großzügigen neuen Erweiterungsbau, dessen Herzstück aus einem 1800 Quadratmeter großen Lager mit modernster Logistik besteht. In den Neubau investierte Grobe insgesamt 3,5 Millionen Mark. Erfreulich auch: Der Umsatz ist weiter gestiegen und wird in diesem Jahr 17 Millionen Mark erreichen.


