EU-Regionen sind so verletzlich...
...und doch einfach unersetzlich. Folglich hat die EU-Kommission Ende 2008 mit dem Bericht "Regionen 2020 – Bewertung der künftigen Herausforderungen der EU-Regionen" einen "Verwundbarkeitsindex" für die Regionen in der EU vorgelegt. Wen wundert es: Einige deutsche Regionen werden europaweit am stärksten von den Auswirkungen des Rückgangs der Erwerbsbevölkerung betroffen sein. Passend dazu gibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) den Betrieben mit der Internetseite "Der Demograf" ein Instrument an die Hand, um die heranziehenden demografischen Wetterfronten zu veranschaulichen und zu bewältigen.
Einer Pressemitteilung der für Regionalpolitik zuständigen Generaldirektion der EU-Kommission zufolge gibt der "Verwundbarkeitsindex" an, in welchem Grad die einzelnen Regionen für die Auswirkungen von
- Globalisierung,
- Klimawandel,
- Energieproblemen,
- demographischen Veränderungen
anfällig sind. Untersucht wurden die möglichen Einflüsse bis zum Jahr 2020. Der Bericht komme zu dem Schluss, dass der strategische Rahmen der EU angepasst werden müsste, um den Regionen bei der Bewältigung der Herausforderungen im Jahr 2020 zu helfen. Gleichzeitig müssten alle Regionen auf die jeweilige Situation zugeschnittene Lösungsmodelle entwickeln, um die vielfältigen Aufgaben zu meistern.
Gestützt auf Schätzwerte etwa zu Produktivität, Erwerbsquote und Bildungsniveau lasse der Verwundbarkeitsindex für 2020 in Bezug auf die Globalisierung große Unterschiede erkennen. Das Gesamtergebnis lege nahe, dass Regionen mit einer wettbewerbsfähigen, innovativen Wirtschaft von der Globalisierung profitieren, während Regionen, die nicht in der Lage sind, eine wissensbasierte Wirtschaft
aufzubauen, wahrscheinlich mit größeren Schwierigkeiten rechnen müssten. Nach Prognosen würden sich viele Regionen im südlichen und östlichen Teil der EU von Lettland bis Südportugal in der ungünstigsten Lage befinden. Im Bericht werde jedoch auch darauf hingewiesen, dass Regionen mit städtischen Ballungsräumen, in denen sich sehr gut ausgebildete Menschen und Hochtechnologiebetriebe ansiedeln, recht gute Chancen hätten, ihren Wohlstand zu erweitern.
Laut Bericht dürfte sich der Klimawandel für die meisten europäischen Regionen mehr oder weniger nachteilig auswirken. Gleichfalls werde angenommen, dass einige Wirtschaftsbereiche, allen voran Tourismus, Energieversorgung, Landwirtschaft und Fischerei mit besonderen Belastungen zu rechnen hätten. Über 170 Millionen Menschen, das heißt mehr als ein Drittel der Bevölkerung der EU, würden in Regionen leben, die am stärksten unter Druck geraten. Süd- und Osteuropa würden veränderten Niederschlagsmustern und einem Anstieg der Temperatur ausgesetzt sein, während Regionen im Norden und Westen stärker von Küstenerosion und extremen Wettervorkommnissen wie beispielsweise Stürmen betroffen sein würden.
Alle Regionen in der EU seien zunehmend Veränderungen an den Energiemärkten ausgesetzt, was Fragen im Zusammenhang mit der Versorgung und einschlägigen Maßnahmen zur energieeffizienten und umweltpolitischen Nachhaltigkeit aufwerfe. Nach der Analyse seien die Regionen in Nord- und Westeuropa in den kommenden Jahren generell offenbar besser auf diese Herausforderungen vorbereitet. Andererseits würden Randgebiete insbesondere in den westlichen und südlichen Mitgliedstaaten als besonders verwundbar erscheinen.
Dem Bericht zufolge hätten rund ein Drittel der europäischen Regionen mit einem Rückgang ihrer Bevölkerung bis 2020 zu rechnen. Die Mehrzahl dieser Regionen läge in den neuen Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa, in Ostdeutschland, Süditalien und im Nordwesten Spaniens. Aufgrund der Ergebnisse werde ferner prognostiziert, dass viele mittel- und osteuropäische Länder erst zu einem späteren Zeitpunkt mit demographischen Problemen konfrontiert würden, und es werde angeregt, dass sie diese Zeit nutzen, um ihre Wirtschaft und ihre Sozialsysteme auf die Folgen einer alternden Bevölkerung vorzubereiten.
Der Verwundbarkeitsindex für den demografischen Wandel macht dabei deutlich, dass Teile von Deutschland besonders betroffen sein werden: Ostdeutschland wird mit einigen anderen Regionen der EU die höchsten Anteile alter Menschen aufweisen. Auch vom Bevölkerungsrückgang wird Ostdeutschland (über 25 Prozent bis 2020) besonders stark betroffen sein. In mehreren deutschen Regionen wird der Anteil der Erwerbsbevölkerung im EU-Vergleich besonders niedrig sein.
Also wird der demografische Wandel Gesellschaft und Arbeitswelt in Deutschland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten tiefgreifend verändern. Es sei wichtig, so das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die damit verbundenen Herausforderungen frühzeitig zu erkennen. Der demografische Wandel werde sich auf alle Gesellschaftsbereiche auswirken - nicht zuletzt auf die Arbeitswelt. Im Zuge der Alterung der Gesellschaft verändere sich auch die Altersstruktur der Belegschaften in den Betrieben. Fest stehe schon jetzt, dass es gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen in Zukunft schwieriger sein wird, bei Bedarf neue, junge Arbeitskräfte zu finden - einfach, weil es nicht mehr so viele geben werde. Darauf müsse man sich in den Betrieben schon heute vorbereiten. Nur wer gleichermaßen in Technik, in Weiterbildung und in Gesundheitsförderung investiere, werde künftig mit qualifizierten, motivierten und gesunden Mitarbeitern im Wettbewerb bestehen können.
"Die Herausforderungen des demografischen Wandels sind zu meistern. Wir können sie zu einer Chance machen und sogar Kraft und Energie daraus gewinnen, wenn wir uns in allen Lebensbereichen rechtzeitig auf die Veränderungen einstellen. Die interaktive Anwendung "Der Demograf" hilft Unternehmen, die heranziehenden demografischen Wetterfronten zu veranschaulichen und bietet hilfreiche Informationen für die langfristige (Personal-)Planung", so das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).

