
Technologietransferpreis: Ein neues System für künstliche Zähne
Ein Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig erhält den mit 10 000 Euro dotierten Technologietransferpreis der IHK. Er hat ein neues Zahn-Implantat-System entwickelt, das gegenüber den bisherigen Systemen erhebliche Vorteile für Patient, Zahnarzt und Zahntechniker bietet. Wir sprachen mit dem Preisträger Professor Manfred Peters (57), der seine Erfindung gemeinsam mit Mitarbeitern des Universitätsklinikums Aachen und der Firma Heraeus bereits bis zur Marktreife entwickelt hat.
wirtschaft Herr Professor Peters, über 400 000 Kunstzähne werden in Deutschland jährlich implantiert mit stark steigender Tendenz. Warum haben Sie sich entschieden, ein völlig neues System zu entwickeln? Was gefällt Ihnen an dem herkömmlichen Systemen nicht?
Peters Insgesamt gibt es über 100 Systeme, darunter sechs, die 80 Prozent des Weltmarktes beherrschen. Die meisten Systeme arbeiten mit einem Verschraubungsmechanismus. Für manche gibt es bis zu 1000 Einzelteile. Das Implantat muss vom Zahnarzt äußerst sorgfältig eingesetzt werden, damit keine erhöhten Spannungszustände auftreten. Der Patient merkt es ja nicht, wenn eine Schraube zu fest angezogen oder die Position des Zahns nicht optimal ausgerichtet ist. Verfügt der Zahnarzt über viel Erfahrung und Können, kommt es bei den herkömmlichen Systemen zu guten Ergebnissen. Aber gerade diese starke Abhängigkeit von der Leistung des Zahnarztes hat mich veranlasst, nach einem anderen Weg zu suchen. Mir wurde schnell klar, dass ich einen völlig neuen Weg gehen musste – weg vom Schraubenmechanismus.
wirtschaft Sie haben sich für einen „Clip-Mechanismus“ entschieden, ein Verfahren, bei dem das Implantat ohne Verschraubung fest eingefügt wird. Außerdem arbeiten Sie mit so genannten chemisch ausgehärteten Sprengringen. Welche Vorteile bietet Ihr System für den Zahnarzt?
Peters Zahnarzt und Zahntechniker können eigentlich kaum einen Fehler machen, da das System lediglich aus fünf einzelnen Teilen besteht und beim Einsetzen keine Spannungen mehr entstehen können.
wirtschaft Warum hat vor Ihnen niemand das System in Frage gestellt?
Völlig neue Technologie
Peters Vielleicht, weil ich ohne Tunnelblick an das Thema Implantat herangehen konnte. Hinzu kommt, dass das Clip-System eine äußerste Präzision in der Fertigungstechnologie voraussetzt.
wirtschaft Sie arbeiten mit einem der größten Implantatzentren Europas an der Universitätsklinik Aachen zusammen. Ist die Testphase bereits abgeschlossen?
Peters Im Rahmen einer Langzeitstudie wurden insgesamt 150 Patienten mit knapp 500 Implantaten versorgt. Mit den Ergebnissen sind wir sehr zufrieden.
wirtschaft Sie haben sich mit Ihrer Erfindung bewusst nicht an die ganz großen Hersteller von Implantatsystemen gewandt, sondern mit Heraeus ein Unternehmen gefragt, das zwar einen hervorragenden Ruf bei der Dentalwerkstoff-Technik hat, aber bisher noch kein Implantat-System produziert hat.
Peters Das Interesse an der Erfindung war bei allen Unternehmen, die wir angesprochen haben, sehr groß. Wir wollten aber nicht das Risiko eingehen, dass unser Patent in der Schublade verschwindet.
wirtschaft In den Medien werden als Alternative zu Titan-Implantaten derzeit auch Implantate aus Keramik ins Gespräch gebracht.
Peters Unser System funktioniert auch mit dem Werkstoff Keramik, allerdings ist der Beweis noch nicht erbracht, dass Keramik bioverträglicher ist als Titan. Es gibt derzeit aber durchaus einen Trend zu Keramik-Werkstoffen.


