demographischen Wandels: Chancen und Probleme für ältere

Presseinfo "Unternehmen im Zeichen des demographischen Wandels: Chancen und Probleme für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" - Oktober 2006

"Pflegen Sie Ihre Mitarbeiter. Bessere werden Sie künftig kaum bekommen!" Denn die Herausforderungen der demografischen Falle für Unternehmen haben in unterschiedlichen Handlungsfeldern erhebliche Auswirkungen auf die innerbetrieblichen Verhältnisse. Auch die betriebliche Gesundheitspolitik sieht sich vor neue Aufgaben gestellt.

Die Zunahme der Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten verändern die Altersstruktur in Deutschland deutlich – und haben gravierende Auswirkungen auf die Arbeitswelt. „Bis 2020 wird es doppelt so viele über 40-Jährige auf dem Arbeitsmarkt geben wie heute. Der Anteil junger Menschen geht spürbar zurück. Nach 2020 werden bereits diejenigen das größte Beschäftigungssegment darstellen, die wir heute unter großem Mitteleinsatz aus dem Arbeitsleben herausdrängen: die über 50-Jährigen“: Darauf wies Unternehmensberater Martin Lennartz Mitte Oktober bei der Veranstaltung „Unternehmen im Zeichen des demographischen Wandels“ hin. „Pflegen Sie die Mitarbeiter, die Sie haben“, empfahl er deshalb den rund 80 Zuhörern im Sitzungssaal der IHK. „Bessere werden Sie künftig kaum bekommen.“

Um mehr als sieben Millionen wird die Bevölkerung in Deutschland bis 2050 schrumpfen – bei gleicher Lebenserwartung und Geburtenrate (1,3 Kinder pro Frau) wie heute. Die rückläufige Bevölkerungsentwicklung wird zu einer Trendwende auf dem Arbeitsmarkt führen. Bereits ab 2015 wird ein Mangel an Fachkräften prognostiziert. Im Einklang mit der neuen Kampagne des Deutschen Industrie- und Handelskammertages „Generation Erfahrung“ diente die Vortragsveranstaltung des Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig und der IHK Braunschweig deshalb dazu, Chancen und Probleme für ältere Arbeitnehmer in Folge des demographischen Wandels zu diskutieren – und innerbetriebliche Handlungsfelder aufzuzeigen.

„Wir sollten den demographischen Wandel als Chance sehen, Modelle zu schaffen, die die Arbeitsfähigkeit der vorhandenen Mitarbeiter erhalten“, betonte Dipl.-Volkswirt Martin Lennartz im einleitenden Referat. Es gelte, durch lebenslange, altersunabhängige Qualifizierung die Innovationsfähigkeit im Betrieb zu sichern. Präventive Gesundheitsvorsorge und ergonomische Arbeitsplatzgestaltung müssten die gesundheitliche und körperliche Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter aufrechterhalten; Job-Rotation die Verteilung einseitiger Belastungen vermeiden. Wichtig seien zudem Wissenstransfer und die Förderung einer generationsübergreifenden Zusammenarbeit. „Entscheidend ist die Ganzheitlichkeit der Maßnahmen“, machte Lennartz deutlich. „Gesundheitspolitische Maßnahmen müssen durch Wertschätzung und Führungskultur nachhaltig begleitet werden.“ Derzeit seien indes nur 40 Prozent der über 55- bis 60-Jährigen in Deutschland noch erwerbstätig. Nur jeder zweite Betrieb beschäftige Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind. Jeder vierte Betrieb gebe an, keinesfalls einen über 50-Jährigen einzustellen. „Wir müssen umdenken in der Personalpolitik. Die Behauptung, dass Ältere automatisch weniger leistungsfähig seien, ist durch keine Untersuchung untermauert. Muskelkraft, Sehschärfe und Hörvermögen nehmen mit fortschreitendem Alter ab. Aber das Denken in Zusammenhängen, die Urteilsfähigkeit und situationsbezogenes Handeln nehmen zu“, so Martin Lennartz.

Über die Erfolge eines Ende der 90er Jahre konzipierten Strukturplans Gesundheitsmanagement berichtete anschließend Dirk Möller von der Schomäcker Federnwerk GmbH aus Melle. Regelmäßige Rückenschulen, Entspannungstraining, Hebehilfen, Mitarbeiterbefragungen zum Betriebsklima und der gesundheitlichen Situation sowie Krankenrückkehrgespräche, Sozialberatung und ein Arbeitsbewältigungsindex trugen dazu bei, den Krankenstand deutlich auf drei Prozent zu senken. „Das Interesse war auch betriebswirtschaftlich. Es hat sich gelohnt zu investieren“, betonte Möller.

Eine zentrale Aufgabe sei, „alle Arbeitsplätze so zu gestalten, dass auch im Alter noch nutzbringend daran gearbeitet werden kann“, unterstrich Helmut Kroetzsch vom Arbeitsmedizinischen Zentrum Gifhorn die Ausführungen. In einem weiteren Referat erläuterte Elke Fasterding vom AGV Region Braunschweig die rechtlichen Rahmenbedingungen für ältere Mitarbeiter.

Abschließend wurde ausführlich das regionale Projekt „50 Top!“ (Testen, Orientieren, Potenziale nutzen) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Integration älterer Arbeitsloser vorgestellt. Die Argen Braunschweig, Salzgitter und Wolfenbüttel haben sich zum Ziel gesetzt, binnen zwei Jahren 200 ältere Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen – unbefristet und sozialversicherungspflichtig. Das Projekt mit einem Volumen von 6,8 Millionen Euro diene auch dazu, arbeitsmarktpolitische Instrumente zu erproben und – im Erfolgsfall – langfristig zu nutzen, erläuterte Projektleiter Rainer Blasius. „Bislang konnten 57 von bisher 580 Teilnehmern vermittelt werden. Von unserem Ziel sind wir noch ein gutes Stück entfernt“, zog er Halbzeitbilanz. Derzeit werde eine höhere Bezuschussung erprobt, berichtete er: Im Rahmen des Förderprogramms AIDA – Abkürzung für „Ältere Arbeitslose in dauerhafter Arbeit“ – würden 75 Prozent des Arbeitnehmer-Brutto bezuschusst, bei mindestens sechs Monaten und maximal neun Monaten Vollbeschäftigung. Bei Weiterbeschäftigung kann eine einmalige Prämie beantragt werden. „Es ist nicht einfach“, resümierte Rainer Blasius die bisherigen Erfahrungen. „Manche Arbeitnehmer schicken die Vermittelten zurück und sagen: Der kann nicht arbeiten; manche Vermittelten sagen: Ich kann dort nicht arbeiten. Die Mehrheit nutzt jedoch die Chance. Wir haben erreicht, dass die Teilnehmer wieder selbst aktiv sind.“

Autor: Michael Völkel

Chancen und Probleme für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer diskutierten (v.l.): Carl Langerfeldt (Vizepräsident IHK Braunschweig), Manfred Casper (Hauptgeschäftsführer AGV Braunschweig), Dirk Möller (Schomäcker Federnwerk GmbH, Melle), Elke Fasterding (AGV Braunschweig), Rainer Blasius (ARGEn Braunschweig, Salzgitter, Wolfenbüttel), Martin Lennartz (ml Beratung & Coaching, Braunschweig), Helmut Kroetzsch (Arbeitsmedizinisches Zentrum Gifhorn) und Michael Faber (IHK Braunschweig). (Foto: Marianne Syring)

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